OO-CC T2017-1 0117
2015-Tour

2017 Grandes Alpes mit R&E


Die französichen Seealpen sind in diesem Jahr endlich Ziel einer längeren Tour. Aber eigentlich steht noch viel mehr auf dem Programm. Aber der Reihe nach. Anfang des Jahres war nicht klar, ob und wann die obligatorische Wochentour mit den Wörmlitzbikern stattfindet. Ins Auge gefasst wurde grob die letzte Woche im August. Daher suche ich mir sicherheitshalber eine schöne Tour mit Reisen & Erleben aus. 15 Tage "Motogrino auf dem Jakobsweg durch Frankreich und Spanien" wird gebucht. Danach noch 9 individuelle Tage durch die Seealpen - Route Napolen und Canyon du Verdon. Dann ein Treff mit den Wörmlitzbikern irgendwo im Ösiland. Das klingt spannend. Nach einigem Überlegen finde ich die individuelle Tour ziemlich kompliziert zu planen und buche die Tour daher um. Es wird jetzt die 8 tägige Tour "Grandes Alpes - Canyon du Verdon - Route Napoleon" gebucht. Die Guides des Veranstalters kennen sicher alle phantastischen Orte in dieser Gegend.

Erfreulicherweise hat sich meine Freund Holger (im weiteren Klappi genannt) im März auch ein Motorrad zugelegt. Ich war an der Kaufentscheidung nicht ganz unschuldig, denn ich habe ihn einige Male mit meinem Motorrad besucht und auch noch zu einem Besuch der Leipziger Motorradmesse überreden können. Da war der Stachel gesetzt. Ende März steht eine fast neue BMW R1200GS Adventure auf dem Hof. Und die Tour in die Seealpen wird auch noch gebucht. Hut ab - nach 40 Jahren Fahrabstinenz eine mutige Entscheidung. Zumahl die Tour mit 4 roten Helmen ausgezeichnet ist. Und das sind die schwierigsten und anspruchvollsten. Wir trainieren daher bis Juli heftig Kurven im Harz, im Fichtelgebirge und im Thüringer Wald um Klappi für die Reise fit zu machen. Das hat nach meiner Überzeugung super geklappt. Wir können starten. Um das Interesse am Weiterlesen zu wecken, gibts es hier schon mal ein schönes Foto von Holger und mir bei der Fahrt auf den Galibier am 7. August 2017 !


Bevor die Tour startet gibt es wie in jedem Jahr einiges an Vorbereitungen zu treffen. Klamottentechnisch sollte alles passen. Die neue Dane-Kombie muß allen Wetterbdingungen standhalten. Daher nehme ich auch keine ausgesprochene Regenbekleidung mit. Die vorderen Bremsbelege sind gewechselt und die neuen Vanuchi-Schuhe ordentlich eingefettet.

Zusätzlich habe ich noch einge Teile neuer Funktionswäsche eingepackt. Die Koffertaschen der GS-Alukoffer machen ebenfalls einen guten Eindruck. Dei Größe reicht aus, sodaß das Topcase zu Hause bleiben kann. Alles paßt in die 2 Seitenkoffer. Daher muß auch kein zusätzlicher Koffer zum Reiseanbieter geschickt werden. Die seperate Touratech-Werkzeugbox ist mit eventuell benötigten "Spezialzubehör" wie Panzertape, Messer, Taschenlampe, Spanngurte, Kabelbinder, Bedienungsanleitung GS, Visierreiniger, Motoröl 10W40 etc. bis an den Rand vollgepackt. Was davon gebraucht wurde, könnt Ihr auf den folgenden Seiten nachlesen.



Hier schon einmal die gesamte Route zum anschauen


1. August - Halle – Sankt Wendel – 568 km


Die wichtigste Feststellung ist, dass sich für die nächsten 7 Tage ein stabiles Hoch über Süd-Ost-Frankreich angekündigt hat. Doch dazu müssen wir erst einmal zum Startpunkt der Tour nach Sankt Wendel im Saarland. Bereits vor Wochen habe ich dort ein Doppelzimmer im Dom Hotel gebucht. Der frühe Morgen am 1. August verheißt für die Abreise allerdings nichts Gutes. Ab 5:00 Uhr zieht ein Gewitter über Halle. Ich funke Klappi an und wir verabreden die ursprüngliche Startzeit um eine halbe Stunde nach hinten zu verlegen. Das haut prima hin, den als wir um 8:15 losfahren hat sich der Regen verzogen. Knapp 600 km Autobahn liegen vor uns. Ich brauche keinem zu sagen wie ätzend so eine Gurkerei ist. Aber was soll's wir müssen dort hin. Aller 150 Kilometer legen wir eine Pause ein. An Frankfurt und Mainz vorbei verdunkelt sich der Himmel dann doch bedrohlich und keine 40 Kilometer vor Sankt Wendel werden wir dann doch noch nass. Da Klappi die Regenmembran nicht eingeknöpft hat, fahren wir kurz von der Autobahn und stellen uns in einem kleinen Ort an einer Bushaltestelle für ein halbes Stündchen unter, ehe es zurück auf die Autobahn geht. Wenig später erreichen wir das DOM-Hotel.

Mitten in der Fußgängerzone der Stadt gelegen, hat es allerdings nur eine begrenzte Anzahl an Parkmöglichkeiten. Zum Glück verlässt gerade ein PKW seinen Platz, den wir sofort okkupieren. Aus einem Hotelfenster schaut eine Dame heraus, die ganz offensichtlich auch zur Bikerfraktion gehört. Ein kurzer Plausch macht klar, dass Sie mit Ihrem Mann die Jakobswegtour macht. Man sieht sich also am morgigen Tag beim zentralen Treff am Firmengelände des Veranstalters.

Wir checken ein und kurz danach sitzen wir auch schon im wunderschönen Biergarten des Hotels um gegen die Unterhopfung anzukämpfen. Es folgt ein kleiner Rundgang durch den Ort, ehe wir dann nochmals im Biergarten eintrudeln. Dort gesellt sich noch die oben erwähnte Dame nebst ihrem Fahrer und zwei weitere Biker hinzu. Sie wollen morgen alle die Jakobswegtour fahren. So gibt es reichlich Gesprächsstoff ehe wir uns in die Betten verkriechen.


2. August - Sankt Wendel – Belfort - 310 km


Wir müssen um 7:45 Uhr am Firmengebäude von Reisen & Erleben sein. D.h. aufstehen in aller Herrgottsfrühe um 6:00 Uhr. Das ist man als Vorruheständler und Frührentner nicht mehr gewohnt. Das Frühstück im Hotel ist gut. Gemeinsam mit den anderen Bikern rollen wir bei ziemlich nebligem Wetter durch Sankt Wendel. Nur einige Minuten später sind wir auch schon am Ziel. Der Parkplatz vor dem Gebäude gleicht einer BMW Motorradaustellung mit kleiner internationaler Beteiligung. Mehr als die Hälfte der Modelle sind bestimmt aus der bajovarischen Motorradschmiede. Und von denen sind wiederum mindestens 80% eine Zwölfhunderter - GS! Klappi ist begeistert und fühlt sich bestätigt sich ebenfalls solch ein Bike zugelegt zu haben - und dann auch noch in der Adventure Ausführung.

Das gemischte Publikum ist durchweg jenseits der 50 und größtenteils weißhaarig. Der Anteil der Frauen liegt bei etwa 10, von denen 3 selber fahren. So nach und nach rollen immer mehr Biker auf dem Parkplatz. Da heute zwei Gruppen starten, wird es schon sehr eng. Pünktlich um 7:45 Uhr stellt sich der Reiseleiter Bernd der Grand Alpes Tour seinen Mitfahrern vor. Genauso macht es der Chef der Jakobsweg-Truppe. Es gibt zunächst einige allgemeine Einführung und Erklärungen, ehe die Gruppen Ihrem jeweiligen Guide zugeteilt werden. Ich bin wie im vergangenen Jahr in der Blauen Gruppe. Klappi in der Grünen. Zum Zeichen der Zugehörigkeit bekommt jeder eine blaues Bändle, das am Heck des Motorrads befestigt wird.

Unser Guide ist Claus. Sein Dialekt weist eindeutig auf nordische Gefilde hin. Sein Nummernschild mit DBR macht das auch klar. Er kommt aus Bad Doberan, was nur wenige Kilometer von Rostock entfernt ist. Claus meint, das Zeichen steht für "Dicht Bei Rostock". Er erklärt auch nochmal kurz die gängigen Gruppenregeln. Robert möchte freiwillig den Letzten der Gruppe machen. Seine Frau Manuela bekommt von Claus daher die gelbe Warnweste für den Besenkehrer. Hier die ganze Gruppe in der Fahr-Reihenfolge:

Guide Claus
BMW 800 GS
Markus
Yamaha Fazer
Olaf
BMW R1200 GS ADV
Reinhard
Kawasaki Versys 1000
Michael
Triumph Speed Tripple
Heinz&Elfroede
BMW 1000 XR
Bernd
BMW R1200 GS
Klaus&Claudia
BMW R1200 GS
Robert&Manuela
BMW R1200 GS LC

Wir rollen kurz nach acht vom Hof. Das Wetter ist sehr neblig und feucht. Gut, dass ich einen dünnen Pullover darüber gezogen habe. Die Etappe nach Belfort führt uns durch die Vogesen über die Route de Cretes und den Col de la Schlucht. Der Weg bis zur französischen Grenze ist nicht weit und kurz dahinter beginnen die Berge mit Mittelgebirgscharakter auch schon. Nach ca. 1.5 Stunden sind immer obligatorische Stopps eingeplant. Unser erster Halt ist in einem französischen Rasthaus mitten im Wald. Hans, der an diesem Tag in unserer Gruppe an Position 2 fährt, hat offenbar die Reiseunterlagen nicht richtig verstanden, denn er gibt Guide Claus zu verstehen, dass das angeschlagene Tempo viel zu schnell ist. Da er an Position zwei fährt, spürt das die ganze Gruppe auch deutlich. Jede Kurve bremsen und dann Probleme hinterher zu kommen. Er hat Stress pur, was man auch daran erkennen kann, dass gefühlt die halbe Strecke die Blinker munter vor sich hin blinkten. Claus erklärt Ihm, daß er am heutigen Tag in unserer Gruppe fahren muss. Morgen wird dann in eine langsamere getauscht.

Auch Bernd wird beim Guide vorstellig und erklärt das ganze Gegenteil. Es sei ihm zu langsam. Er ist gewöhnt sehr zügig zu fahren und wenn das nicht schneller wird, will er morgen in eine schnellere Gruppe wechseln. Ob das wirklich ein guter Plan ist? In Jever, wo Bernd herkommt ist schnell fahren sicher viel einfacher als hier in der bergigen Gegend. 10 Kilometer gerade aus hinterm Deich schnell fahren kann jeder! Es gibt allerdings nur noch die "superschnelle" weiße Gruppe von Kalle. Ob die wirklich so viel schneller ist, wage ich zu bezweifeln. Bernd möcht außerdem gerne an Position 2 fahren, was Claus Ihm aber ausredet, da an den hinteren Positionen immer deutlich schneller gefahren wird. Na da bin ich ja mal gespannt, wie sich das Ganze so weiterentwickelt. Ich komme an Position 4 ganz gut zurecht, da ich mit Markus einen guten Fahrer vor mir habe, an dem ich mich sehr gut orientieren kann.

Die kleinen Nationalstraßen schlängeln sich in herrlich zu fahrenden Kurven immer weiter bergauf. Ein wunderbares Training für die hohen Berge der Alpen. Wir überqueren den Col de la Schlucht, der mit 1139 Metern einer der höchsten Erhebungen der Vogesen ist. Kurz darauf umrunden wir den Grand Ballon - ein wirklich spektakulärer Berg, der schon von weitem zu sehen ist. Mit 1424 Metern ist er der höchste Berg der Vogesen. Auf dem Gipfel steht eine Radarstation, die dem Berg ein sehr prägnantes Aussehen gibt. Ich nahm zuerst an, dass die rundliche Kuppel dieser Station dem Berg seinen Namen gegeben hat. Ein abendliches Gugeln belehrt mich jedoch eines Besseren.

Die weitere Fahrt über die wunderschönen Hügel der Vogesen genieße ich in vollen Zügen. Da sich die Temperaturen kontinuierlich steigern macht es richtig Spaß. In Belfort erwartet und das Novotel. Dort sind es dann auch schon deutlich mehr als 30 Grad Celsius. Von außen macht das Hotel zwar einen ganz guten Eindruck, von Innen merkt man aber sofort, dass es die besten Jahre schon hinter sich hat. Wie bereits von Bernd, dem Reiseleiter angekündigt, ist einiges in derartigen französischen Hotels anders als in Deutschland. Besonders das Fehlen von ordinären Klobürsten fällt sofort auf. Das will mir wirklich nicht in den Kopf. Gerade bei einer derart kultivierten Nation wie den Franzosen hat sich offenbar die Benutzung eines solchen Gegenstandes noch nicht rumgesprochen. Nach dem Duschen brauche ich unbedingt ein Bier. Also runter an den Tresen und eins bestellt. Schicke Schale - der Preis haut mich dann jedoch von den Socken - 8 €uronen - die spinnen - die Franzosen !

Aber was soll‘s - ich brauch ein Bier - oder zwei - oder drei - mal sehen. Ich träume von gemütlichen bayrischen Gasthäusern wo die gleiche Menge 2 Okken kostet. Aber da gibt es leider keine so schönen Berge. Das 3 gängige Abendessen ist jedoch ganz passabel. Klappi und ich gönnen uns ne gute Flasche Rosèwein. Auch er hat den ersten Tag gut gemeistert. Da das Hotel über eine Klimaanlage verfügt, haben wir ein sehr entspannte Nacht.


3. August - Belfort - Chambery 329 km


DDie Abkühlung in der Nacht ist am Morgen kaum noch zu merken. In der Tiefgarage, wo unsere Bikes stehen, ist es brütend warm. Draußen ist es unwesentlich kühler. Das Frühstück ist vom Angebot her nicht schlecht. Aber für über 60 Leute ein Kaffeeautomat bereitzustellen ist schon der Knaller. Es bildet sich sofort einige riesige Schlange. Keiner versteht das - ich auch nicht. Um 7:45 ist an jedem Morgen Treff der Gruppe. Wir bekommen kurz ein Info über die Route die am jeweiligen Tag gefahren wird. Außerdem einigen wir uns darauf an Supermärkten jeweils einmal anzuhalten um Wasser zu kaufen. Bei Temperaturen von weit über 30 Grad ein unbedingtes Muss!

Die heutige Tour führt uns durchs Jura. Laut Bernd war gestern das Training - heute ist das Qualifying und morgen beginnt dann das Rennen. Fast pünktlich um 9:00 Uhr rollen wir vom Parkplatz. Das Jura ist landschaftlich noch eine Nummer schöner als die Vogesen. Sehr abwechselnde Landschaften. Satte Wiesen - dunkle Wälder - hübsche Täler - wundervolle kleine Seen - traumhafte Kurven. Alles ist dabei. Ich mag diese l anggezogenen Kurven, die mich an meine letztjährige Tour auf Sardinien erinnern.

Am Ortsausgang von Belfort befindet ein riesiger Intermarche-Supermarkt. Claus sieht ihn aber nicht und fährt vorbei. Genauso wie ich, Reinhard und Markus. Wir halten an um zu warten. Da kommt auch schon Bernd angedüst um uns zurückzuholen. Wir verpflegen uns im Supermarkt mit Getränken, Würstchen und Knabbereien. Man weiß ja nie, was noch so kommt im Laufe des Tages. Und bei den angesagten Temperaturen von Mitte 30 Grad ist Trinken das A und O ! Ansonsten kann es üble Überraschungen geben, was wir am Ende des Tages noch erleben werden. Es geht weiter in Richtung Süden. Gegen 10:45 Uhr halten wir in einem kleinen Bergdorf an einer hübschen Gaststätte um Kaffee, Wasser bzw. Cola zu trinken. Dann führt die geplante Route uns entlang an verträumten Gegenden. Links und rechts der Hänge sehen wir oftmals alte Burgen und Festungen. Zum Teil noch top in Schuss - andere ziemlich verfallen.

Ab Mouteau bewegen wir uns einige Zeit am kleinen Flüsschens Doubs. Zur linken sehen wir bald den kleinen See Lac Saint-Point. Es ist Mittagszeit und schon fast unerträglich warm. Claus findet einen Weg zum Wasser und nach einigen Minuten parken wir unsere Maschinen direkt vor einem frei zugänglichen Bad - 45 Minuten Pause. Einige entledigen sich der Klamotten und gehen ins Wasser. Ich suche mir ein windiges Plätzchen direkt an einem Imbiss und genieße Cola und Eis in einem Liegestuhl. Auf dem See herrscht reges Treiben. Windsurfer und allerhand andere Sportarten sind zu sehen. Doch auch die schönste Pause hat einmal ein Ende. Der DE991A folgend überqueren wir die Brücke des super schönen Örtchens Seyssel. Weiter folgen wir der D991 bis zum Lac du Bourget. Es ist der größte natürliche See, der vollständig innerhalb Frankreichs liegt. Der See hat eine Fläche von rund 44,5 km² und ist ca. 18 km lang und 145 Meter tief. Der in Nord-Süd-Richtung liegende See ist dabei maximal 3,5 km breit. Die größten Städte dieser Ebene sind die am südlichen Ostufer liegende Bäderstadt Aix-les-Bains sowie das ca. 10 km südlich des Sees gelegene Chambéry. Dort befindet sich auch unser heutiges Hotel, was wir gegen 17:30 Uhr erreichen.

Es ist brütend warm. Unser Guide Claus hat die oben erwähnte Sache mit dem Trinken wohl noch nicht verinnerlicht, was dazu führt, dass der zusammenbricht, als er vom Bike steigt. Da hilft nur Druckbetankung mit Wasser. Einige Zeit später geht es Ihm schon besser. Wir werden an den folgenden Tagen darauf achten, dass er immer genug trinkt. Klappi's Truppe ist noch nicht da. Ich gehe erst mal ins Zimmer, dusche mich und gehe wieder runter an den Tresen um ein Bier zu trinken. 6 €uronen - fast schon ein Schnäppchen - da geht auch noch eins mehr rein.

Um 19:30 Uhr ist wieder Abendessen. Diesmal in einem gegenüber gelegenen Restaurant. Dort gibt man sich sehr viel Mühe. Top Bedienung und top Essen. Zurück im Hotel nehmen wir noch 2-3 der preiswerten Biere. Wir unterhalten uns mit 2 Bikern aus der weißen Gruppe. Denen ist es dort viel zu langsam und ab morgen wollen Sie separat fahren. Als wir sie ansprechen, wie ihnen die heutige Etappe gefallen hat und ob sie die herrlichen kleinen Seen bewundert haben, antwortet einer der beiden:


Wenn ich Seen anschauen möchte, dann buche ich eine Busreise


Für mich der Spruch der Reise. Morgen sollen dann die großen Brocken der Alpen in Angriff genommen werden. Ich freue mich schon riesig auf die die vielen Kurven und genialen Ausblicke. Um 23:00 Uhr geht's in die Heija !!!


4. August - Chambéry - Briançon - 327 km


Heute wird es ernst. Ich meine der Spaß geht jetzt erst richtig los. Einige der schönsten Alpenpässe warten auf uns. Vorher jedoch erst mal ordentlich frühstücken. Das ist gar nicht schlecht - wenn da nur nicht die Sache mit dem Kaffee währe. Da rollen 60 Biker ein und das mit dem Kaffee bekommen die nicht geregelt - warten .... warten ..... warten - naja eben Frankreich. Auch heute wie immer kurze Besprechung um 8:45 Uhr mit dem Guide. Wir rollen als erste von Platz. Die ersten schönen Kurven lassen nicht lange auf sich warten. Bevor es richtig losgeht, legen wir noch eine Pause ein der Auberge des Seiglières ein. Sie liegt wenige Kilometer hinter dem Ort Saint-Martin-d'Uriage auf der Route de Chamrousse mitten im Wald und bietet Schatten sowie Kühle. Dort machen sich gerade die 2 Extrabiker der weißen Gruppe zur Weiterfahrt fertig.

Wir starten eine halbe Stunde später. Kaum 5 Kilometer weiter verliere ich den Kontakt zum meinem Hintermann - Also anhalten. Kurze Zeit später kommt ein Transporter vorbei und der Fahrer ruft im Vorbeifahren sowas wie "Akcident" ! Das bedeutet nix Gutes. Ich drehe um und fahre zurück ins Tal. In einer Kurve steht Roberts GS im Warnblinkmodus und Robert regelt auch schon Verkehr.

Mist - ein Unfall !

Hoffentlich ist nichts Ernstes passiert. Mitten in der Kurve stehen ein französischer Kleinwagen und ein junges kopfschüttelndes Mädel. Sie ist in der Kurve mit Bernd kollidiert, dessen Motorrad auf dem Seitenstreifen steht. Der Kleinwagen sieht völlig ramponiert aus. Die ganze linke Seite ist aufgerissen und eingebeult - der Airbag hat ausgelöst und hängt schlaff herunter. Bernd ist nix passiert und seiner GS sieht man Unfall nicht an. Lediglich etwas Öl ist irgendwo am Zylinderkopf ausgelaufen. Das Mädel ist schon am Telefonieren. Sie will die Polizei holen - es ist ein Firmenwagen. Na das kann dauern.

Ehe die Polizei kommt vergeht dann wirklich mehr als eine Stunde. Der Firmenchef des Unfallwagens taucht auch auf. Alle sprechen nur französisch. Einer der Polizisten kann gebrochen Englisch. Es werden diverse Befragungen durchgeführt und Protokolle ausgefüllt. Bernd hat keine gültige Versicherungsbestätigung dabei. Er telefoniert mit Deutschland um die Bestätigung mündlich zu erhalten. Auch das dauert. Sowohl Bernd als die junge Dame behaupten, auf ihrer Seite gefahren zu sein. Keiner will Schuld haben. Dem Mädel tut jetzt auch noch der Kopf weh. Es werden neue Protokolle ausgefüllt .... Das ganze Prozedere dauert gute 3 Stunden. Es ist mittlerweile 14:45 Uhr als die Polizei abzieht und wir entscheiden können wie es weitergeht.

Alle sind sich einig, die Tour des Tages normal fortzusetzen. Zur Not können wir das Abendessen in einer Gaststätte machen. Wir haben noch etliche Pässe vor uns. Claus will etwas langsamer fahren, um Bernd nicht noch zusätzlich zu stressen. Er hat sicherlich den Kopf vollen Gedanken und es ist ein Wunder das er überhaupt weiterfahren will. Also los - der Berg ruft!

Als erster Höhepunkt der Tour visieren wir Alpe d'Huez an. Dieser legendäre Ort ist vor allen durch die Tour de France bekannt geworden. Führte vor einigen Jahren noch eine kleine enge Straße dort hinauf, ist es heute eine gut ausgebaute Strecke. Allerdings macht die starke Hitze dem Fahrvergnügen einen Strich durch die Rechnung. Die Straße hinauf auf 1850 Meter ist mit unzähligen Teerstreifen übersäht. Die sind teilweise so weich, dass das Hinterrad gewaltig ins Schlingern kommt. Ich hatte zunächst das Gefühl einen Platten zu haben. Im Ort Punkt 16:00 Uhr angekommen offenbart sich der "Charme" zahlreicher französischer Wintersport-Retorten-Dörfer. Unzählig hässlich hingeklotzte Einheitsbauten. Wir machen am erstbesten Restaurant halt - Kaffee und Eis sind angesagt. Das Personal ist aus irgendwelchen Gründen ziemlich angepisst und bedient mehr als unfreundlich.

Also nur kurze Pause und weiter in Richtung des ersten richtigen Passes. Dazu nehmen wir die D448 und D526 vorbei am Lac du Verney und dem Lac de Grand Maison. Beide etwa auf 1800 Meter Höhe gelegen. Lange können wir uns jedoch nicht aufhalten, wenn wir die heutige Strecke noch vor der Nacht schaffen wollen. Der 2067 Meter hohe Col de la Croix de Fer wartet auf uns. Den knacken wir um 17:30 Uhr. Aber auch hier bleibt wenig Zeit um zu verweilen. Weiter in Richtung Col du Telegraphe. Der 1566 Meter hohe Pass ist weit weniger spektakulär wie ich erwartet habe. Auf der Passhöhe steht ein überlebensgroßer Radfahrer aus Stroh geformt. Eine Reminiszenz an die Tour de France. Über den Col du Télégraphe führt die Nordanfahrt zum Col du Galibier. Beide Pässe liegen an der D902, die St. Michel de Maurienne (N) mit dem Scheitel des Col du Lautaret (S) verbindet. Um 19:00 Uhr rollen wir vom Telegraphe ins Tal hinab.

Der nächste Pass ist also der Col du Galibier - einer der schönsten und sechst höchste Alpenpass überhaupt. Die Auffahrt ist die blanke S ahne je höher es geht. Herrliche geschwungene Kurven wechseln sich mit zahlreichen Kehren ab. Der Asphalt ist von einsamer Qualität. Oben angekommen sind viele obligatorische Fotos fällig. Und was für ein grandioses Panorama. Um 19:30 Uhr kommen wir auf dem 2642 Meter hohen Pass an. Da wir in ein paar Tage nochmal über diesen Pass fahren, verweilen wir auch hier nur kurz.

Am Hotel Ibis Briançon kommen wir um 20:15 an. Reiseleiter Bernd kommt sofort heraus um uns zu erklären, dass wir nichts auspacken sollen, sondern sofort zum Essen ins Hotel kommen sollen. Außerdem verkündet er gewichtig, dass wir am kommenden Tag in 2 verschiedenen Hotels schlafen werden. Das hat, glaube ich, in diesem Augenblick wirklich keine Sau interessiert. Ich hatte erwartet, dass er sich erstmal nach dem Befinden von Bernd erkundigt. Außerdem hätte er seine Energie darin investieren können das Abendessen für unsere Gruppe für einen späteren Zeitpunkt zu organisieren. Naja was soll‘s - gehen wir also erst einmal essen. Fühle mich reichlich unwohl in den verschwitzten Klamotten. Anschließend Zimmer beziehen - Duschen - runter an die Bar - Bier bestellen - trinken - Bier bestellen - trinken .... Na so einfach ist das denn doch nicht. Bier ist um 21:00 Uhr alle!

Hallo - da kommen 60 Biker und das Bier ist alle - Leute das gibt‘s doch nicht. Also Umstieg auf Flaschenbier - aber auch das ist nach einer Viertelstunde alle !

R&E - nie wieder dieses Hotel buchen !!!

Bernd bedankt sich mit einer Runde Bier (naja weiß nicht genau was das für ein Gebräu war) dafür, dass wir alle nach seinem Unfall gewartet haben. Wollen wir mal hoffen, das ab jetzt keine Zwischenfälle mehr kommen, damit wir unser Programm schaffen.


5. August - Briançon - Castellane 272 km


Das Dach der Tour wartet auf uns - der Col de la Bonette. Der Weg dorthin führt vorher über zwei weitere Zweitausender. Vor der Abfahrt kaufen wir im unmittelbar neben dem Hotel gelegenen Supermarkt Pausensnacks und Getränke. Robert hat heute Geburtstag und die Gruppe singt erstmal


Happy Birthday to You

Diesmal sind wir die letzte Gruppe, die das Hotel verlässt. Kurz vor 10:00 Uhr ist der Col d'Izoard erreicht. Mit 2356 Metern auch einer der hohen Pässe. Es ist Samstag und da holen die Radfahrer Ihrer Fahrräder raus und quälen sich die Pässe hoch. Da heißt es höllisch aufpassen, den die Kollegen kennen gerade bei den Abfahrten keinen Spaß. Und das oftmals ohne Helm! Viel Spaß Jungs! Heute ist eine relativ kurze Etappe und daher können wir uns ausgiebig Zeit lassen für Fotos und Kaffeepausen.

Die Passdichte ist wirklich genial in den französischen Seealpen. Schon wenig später gehen wir den Anstieg zum Col de Vars an. Vorher durchqueren wir ein schönes Tal mit einem reißendem Fluß zur rechten. Knapp fünf Kilometer vor der Passhöhe legen wir Rast an einem kleinen See ein. Das Restaurant "Col de Vars" verwöhnt uns mit einem wundervollen Panorama! Weiter geht‘s es mit der Hatz auf die nächsten Berge. Der Col de Vars ist schnell geschafft.

Dann ist es soweit - wir beginnen mit dem Anstieg auf den Col de la Bonette. Und das ist wirklich der Hammer. Das einzige, was bremst sind die unzähligen Radfahrer, Wohnmobile und Autos. Oben angekommen treffen wir zwei andere Gruppen. Auch Klappi ist dabei. Wir sind beide stolz diesen Pass geschafft zu haben. Und das bei Kaiserwetter. Wir finden kaum Platz um die Motorräder abzustellen. Die Passhöhe von 2715 ist nicht die höchste der Alpen. Von der Passhöhe 2715m/M führt eine Straße um den Cime de la Bonette und erreicht dabei 2802m/M, bevor sie wieder den Passübergang erreicht. Seit die Straße vor wenigen Jahren asphaltiert wurde, ist der Pass Anziehungspunkt für viele Rad- und Motorradfahrer. Aber was soll's - wir sind hier. Ich mach mich auf den Weg zum Aussichtspunkt des Cime de la Bonette. Dahin gelangt man nur zu Fuß über einen schmalen Serpentinenweg. Hier ist man dann auf 2862 Metern angelangt. Aber die Anstrengung lohnt. Der Rundumblick dort oben ist einfach nicht zu beschreiben - der Bikerhimmel schlechthin. Dort möchte man als Motorradfahrer begraben werden - das wärs ! Als wir uns wieder in Richtung Tal bewegen fallen schon von weitem kleine verfallen Gebäude auf. Ich halte an um einige Fotos zu schießen.

Im weiteren Verlauf passieren wir ein Bergdorf, dessen Häuser direkt an einen Berg gebaut sind. Auf dem Weg nach Castellane passieren wir noch die zwei Pässe Col de la Couillole und Col de Toutes Anres. Mit 1678 und 1112 Metern gehören sie zu den eher "großen Hügeln", die wir heute passieren. Wir sind noch knappe 100 km von Nizza entfernt und die Temperaturen bewegen sich auf die 40 Grad zu. Als wir im Zielort Castellane einrollen zeigt mein Bordcomputer 41.5 Grad. Holla die Waldfee - das ist persönlicher Rekord auf dem Bike.

Aber ein junger Mensch muss auch Glück haben - wir beziehen ein Hotel mitten in der City. Das absolut beste Hotel der Tour. Mit Pool und direktem Blick auf ein kleinen "Hausberg". Das Ambiente sehr edel - erlesene Möbel und super sauber - und mit Klobürste - Premiere in Frankreich - na bitte es geht doch ! Wir speisen wie immer 3 Gänge - ebenfalls First Class! Vorher gibt es vom Reiseveranstalter für Robert und einen Biker aus Klappis Truppe zwei Flaschen Wein - sie haben Geburtstag! Der lässt sich nicht lumpen und gibt eine Runde Bier für die Gruppe aus - Coole Sache !

Anschließend mache ich mit einigen Bikern meiner Gruppe, Klappi und Manfred + Gisela aus der weißen Gruppen noch einen Stadtrundgang. Da ist der Teufel los. Typisch südländisch sind alle auf den Beinen. Kaum Platz zu bekommen. Wir finden nach einigem Suchen doch noch 10 Plätze und trinken noch ein Bierchen bzw. Aperol Spritz für die Mädchen. Zu den Abendessen sitzen wir fast immer mit Manfred und Gisela, sowie dem Bayern Ralf am Tisch - alles sehr nette Leute. Manfred und Gisela kommen aus dem Sauerland und fahren beide - Manfred eine GS und Gisela eine Triumph Tiger 800 ! Wir tauschen die Kontaktdaten aus mit dem Ziel uns mal zu einer gemeinsamen Tour durchs Sauerland zu treffen.


6. August - Castellane - Gap - 243 km


Das nächste Highlight der Tour wartet auf uns. Der Grand Canyon du Verdon. Benannt nach dem Fluss Verdon mit seinem herrlich klaren, türkisfarbenem Wasser, beginnt die eindrucksvolle Schlucht nach der Stadt Castellane und schlängelt sich dann etwa 21 km lang flussabwärts. An den tiefsten Stellen schneidet sich der Fluss mehr als 700 m weit in das Bergmassiv hinein. In der Nacht hat es stark geregnet und auch die Aussichten lt. Regenradar sind nicht gut für die ersten Stunden. Und nur wenige Kilometer nach Castellane beginnt es zu tröpfeln. Leider wird es nicht weniger je näher wir dem Canyon kommen - ganz im Gegenteil.

Wir erreichen die ersten tiefen Schluchten also im Regen. Als erstes überqueren wir die Brücke Pont de l'Artuby auf deren Mitte ein Zelt für Bungie-Jumping aufgebaut ist. Dort tummeln sich viele Leute, die offenbar auf besseres Wetter um sich von der Brücke zu stürzen. Da die Wolken auch sehr tief hängen, ist die Aussicht sehr getrübt. Wir halten daher auch nur wenig an, denn für Fotos ist das Wetter wirklich zu schlecht.

Der Canyon endet am See Lac de Sainte-Croix. Es hat zu regnen aufgehört und der Blick von der Brücke Pont de Galetes lädt geradezu zum Fotografieren ein. Ich setze kurzentschlossen den Blinker und fahre auf den Parkplatz. Gebe den weiterfahrenden Bikern der Gruppe ein Zeichen, das ich nur zum Foto schießen anhalte. Klaus und Robert halten trotzdem an um zu sehen, dass nichts erstes ist - Klasse! Nachdem ich fertig bin, setzen wir uns in Bewegung und sind auch schon nach wenigen Minuten zu den restlichen Fahrern aufgeschlossen.

Nur wenige Kilometer entfernt liegt der Campingplatz "Camping Domaine du petit Lac" ! Hier machen wir Halt. Kaffee - Cola - Espresso - Wasser je nach Wunsch. Weiter auf der D952 begrüßt uns schon bald der Ort Mustiers-Sainte-Marie - lt. vielen Reiseführern eines der schönsten Dörfer Frankreichs. Malerisch liegt das Dorf auf einem Hügel vor einer imposanten Felsenkulisse und wird durch eine kleine Schlucht geteilt, über die eine kleine Brücke führt. Das Dorf erstreckt sich vor allem in der Breite und ist durch enge Gassen und mehrere kleinere Wasserfälle geprägt. Schade, dass wir das so nicht richtig mitbekommen. Das hätte ich mir sehr gerne angeschaut.

Die nächste Stunde ist gespickt mit vielen schönen Kurven auf kleine und kleinsten Straßen. Oft sehen wir links und rechts schroffe Felsformationen. Zum Teil hängen die Felsen in 5 Meter Höhe wie ein Bogen über die Straße. Wir haben genug Zeit für eine ausgiebige Mittagsrast. In Le Vernet lädt das Cafe du Moulin ein. Ich nehme ein Menü mit lokalen Wurstspezialitäten, kleiner Sardellenpizza und Eis als Nachspeise - sehr gut - 13€ - auch gut! Eine halbe Stunde später rollt auch noch die Grüne Gruppe ein um sich zu uns zu gesellen - ich begrüße Klappi.

Schön gesättigt machen wir uns auf den Weg Richtung Gap. Einige Kilometer vor dem Tagesziel liegt der See Lac de Serre-Poncon. Wir umfahren fast den halben See und überqueren die Brücke Ponte de Savinas. Die Aussicht von den Bergen auf den tief gelegenen türkisfarbenen See ist wunderbar und so nutzen wir die Gelegenheit um ein Gruppenfoto zu schießen. Die wenigen Kilometer bis Gap sind dann schnell geschafft. Es ist wieder sonnig als wir das Gapotel erreichen. Es dauert ein wenig bis wir in die Tiefgarage können. Der Rest des Tages verläuft wie immer. Um 19:30 Uhr Menü und anschießend Benzingespräche mit den vielen anderen Bikern. Morgen geht es wieder ins Hotel nach Chambéry. Auf dem Weg dorthin überqueren wir noch einmal den Galibier und den Telegraphe. Es ist also wieder feinstes Kurvenfeeling angesagt.


7. August - Gap - Chambéry - 292 km


Die Tour neigt sich so langsam dem Ende zu. Aber vorher soll's wieder Richtung Norden über einige Pässe gehen. Wir verlassen Gap und folgen der N85, passieren den Lac du Sautet. Es geht stetig bergauf. Wir bewegen uns auf Höhen zwischen 1200 und 1400 Metern. Der kleine See Lac du Chambon wird passiert. Der Galibier kommt in Sicht. Bei der morgendlichen Gruppenbesprechung haben wir uns verständigt, diesen Pass frei zu fahren, was so viel bedeutet, dass die Gruppenstruktur aufgehoben wird und jeder den Pass in "seinem" Tempo hochfahren kann. Und so gibt Claus am Startpunkt zur Auffahrt ca. 10 km vor der Passhöhe ein Zeichen.

Da ich weder auf Vordermann noch Hintermann achten muss, kann ich mein eigenes Tempo anschlagen - und das ist super - es macht "Sau-Spaß". Leider sind wieder unzählige Fahrradfahrer, Busse, und Wohnmobile unterwegs, die es zu überholen gilt. Oben angekommen sammelt sich die Gruppe innerhalb von einer Minute. Außer Claus - der kommt erst noch 5 Minuten. Wir haben schon schlimmes vermutet, aber er ist vor dem Start nur noch mal einem allzu menschlichen Bedürfnis nachgegangen.

Wir nehmen uns 20 Minuten Zeit um bei strahlend blauem Himmel unzählige Fotos zu schießen. Auch ein Gruppenfoto vor dem Pass-Schild muss sein. Da müssen wir jedoch Geduld haben, denn jeder Radfahrer (und davon sind hunderte oben) will natürlich auch ein eigenes Foto haben. Aber nach einigem Warten kommen auch wir zum (Foto)-Schuss! Claus macht die Ansage, dass der nächste Treffpunkt die Gaststätte auf dem Col du Telegraphe ist. Bis dorthin wird auch frei gefahren. Uns so rollen wir erstmal 1000 Meter bergab, ehe es dann wieder knapp 600 bergauf geht. Wir kommen alle fast zeitgleich an - es ist kurz nach 13 Uhr!

Wir liegen sehr gut in der Zeit und daher gönnen wir uns eine 3/4 Stunde Pause. Ich hole mir eine Baguette, ein Eis und eine Cola ! Die folgende Abfahrt in Richtung Saint-Amrtin-d'Arc und weiter zum schon bekannten Hotel in Chambéry fahren wir wieder in Gruppenformation.

Als ich mal wieder genau auf meinen "Bordcomputer" schaue, sehe ich ein kleines "Ölkännchensymbol", was bisher noch nicht da war. Mmmh --- a lso gebe ich ein Zeichen, dass wir mal kurz anhalten, um die Sache zu checken. Klaus kennt sich damit aus und meint, es würde reichen am Abend im Hotel mal etwas Öl aufzukippen. Er hat die gleiche Anzeige an seinem Bike. Da wir aber nun schon mal stehen, ist ein kleiner Aufwand, ein Literchen nachzufüllen. Kurz an die Touratech-Box, wo ich eine kleine Flasche verstaut habe. Nach 5 Minuten ist das Problem behoben und wir setzen die Fahrt zum Hotel in Chambéry fort.

Im benachbarten Restaurant des Hotels in Chambéry erwartet uns auch heute ein wunderbares 3-Gänge-Menü. Generell kann man sagen, dass die Abendessen von sehr guter Qualität waren, während es beim Frühstück wohl noch etwas Nachholbedarf gibt. Habe zweimal morgens "Rühreier" probiert. Kann heute noch nicht beschreiben was das war. Sah zwar aus wie Ei, schmeckte aber grässlich und war offenbar aus einer Art Instantmasse zusammengeknetet. Leute - Rühreier können doch nicht so schwer sein. Zurück im Hotel genehmige ich mir noch ein Bierchen. Dann heißt es „DeiDei“ machen.


8. August - Chambéry - Besançon - 244 km


In der Nacht geht‘s wettertechnisch so richtig zur Sache - Gewitter - Starkregen. Als wir wie immer kurz vor sieben aufstehen hat sich das ganze immer noch nicht beruhigt. Dann wird das wohl der erste richtige Regentag werden. Nun gut - was soll‘s – gehen wir erst mal frühstücken. Der Regen lässt gegen 8:30 Uhr nach, sodass wir die wenigstens die Sachen trocken in die Bikes bekommen. Ich schaue mal auf der Regenradar-App meines Eierfones und stelle fest, dass das Regengebiet genau entlang der geplanten Route zieht. Wenn man ggf. 2-3 Stunden wartet kommt man wahrscheinlich fast trocken zum Ziel. Das selbe scheint auch ein anderer Biker zu denken und fragt Reiseleiter Bernd was der so denkt. Und erhält eine in meinen Augen ziemlich arrogante Antwort:

Ich schaue generell nicht auf Wettervorhersagen oder Wetterapps
Und was solls - es ist kein Erdbeben - nur Wasser
Also Abfahrt wie immer

Ende der Ansage - Unterhaltung bzw. Diskussion nicht erwünscht ! Zum Glück sehen das nicht alle Guides so, denn die grüne Gruppe wartet mit der Abfahrt eine knappe Stunde !

Beim Check des Bikes stelle ich fest, dass der rechte Zusatzscheinwerfer locker vor sich hin wackelt. Hier kommt das am Anfang beschriebene Material aus der Touratech Werkzeugbox zum Einsatz. Es werden zwei Kabelbinder zusammengezurrt und die Lampe damit arretiert. Dann noch 3 Lagen Panzertape drum herum und alles sitzt wieder fest dort wo es hingehört. Mal schauen was die beim BMW-Händler nach der Tour für Preise für das Ding aufrufen. Evtl. gibt es das angebrochene Teil ja auch einzeln zu kaufen, was aber eher unwahrscheinlich ist. O.K. es kann losgehen.

Wir warten leider nicht mit der Abfahrt! Und das bedeutet quasi, dass wir genau in das "Auge des Sturms" fahren. Und das ist nicht übertrieben. Kurz hinter Chambéry steuern wir den Lac du Bourget an. Es wird dunkler und dunkler. Es stürmt und regnet gewaltig. Von See her wird Gischt auf die Straße gepeitscht. Alter Falter - bei so einem Wetter bin ich bisher noch nicht Motorrad gefahren. Claus schätzt die Sache genauso kritisch ein und steuert eine Tanke zum Unterstellen an. Der Kreisverkehr unterhalb der Tanke wird von allen Seiten mit Wassermassen überflutet - fahren unmöglich!

Nach 20 Minuten wird‘s ruhiger und wir fahren weiter. Claus schlägt ein sehr moderates Tempo an. Bei diesem Wetter genau das Richtige. Es geht wieder durchs Jura, was wir auf der Herfahrt schon einmal bewundert haben. Dafür bleibt heute keine Möglichkeit. Die ganze Konzentration gilt der Straße, dem Verkehr und dem Sauwetter. Ich bin etwas verwundert, dass wir trotz dieses Mistwetters wieder über kleine und kleinste Gebirgsstraßen fahren. Ich (bin aber kein Guide) hätte am Morgen dem Navi gesagt:

Bring mich Besançon !

Und zwar schnellste Route !

So rollen wir weiter durch verregnete Jura und warten darauf, dass sich der Regen durch die Klamotten arbeitet. Das ist bei meinen fast neuen BMW-Goretex-Handschuhen bereits nach 2 Stunden der Fall. Ich bekomme etwas Puls - für 100 Okken angeblich 100% total wasserdicht! Sauber - die Dinger gehen nach der Tour sofort an die Blau-Weißen zurück.

Höchstes Augenmerk ist auf den Strecken geboten, wo schon Schilder auf möglichen Steinschlag hinweisen. Da hilft nix mehr - Visier hoch - Regen ins Gesicht - aber ich sehe dann wenigstens die oft herumliegenden Steine, die der Regen auf die Straße gespült halt. Zu allem Unglück ist auch noch eine Straße gesperrt und wir müssen 8 Kilometer zurück. Guide Claus ist das nun auch zu viel und er sagt den Navi, dass wir auf schnellstem Weg zum Ziel wollen. Die einzig richtige Entscheidung.

Der Regen lässt im weiteren Verlauf ein wenig nach. Wie legen eine kurze Rast ein um die Wasserschäden zu begutachten. Meine nagelneuen BMW-GS-Dry Goretexhandschuhe haben es, wie schon gesagt, nicht überlebt - sie sind völlig nass von innen und ich werde sie nach der Tour mit freundlichen Grüßen nach Bayern zurückschicken. Die Stiefel von Klaus gleichen einer Gießkanne - er wringt die Socken aus und zieht ein paar neue an. Claus seine nagelneuen wasserdichten Handschuhe sind auch völlig durch. Auch bei den anderen Bikern gibt‘s das eine oder andere Leck zu dichten. Nur wenige Kilometer weiter finden wir Platz zum Aufwärmen in einer Gaststätte. Der heiße Kaffee tut gut.

Wieder auf dem Bock gibt‘s nur eins - möglichst schnell zum Hotel in Briançon. Je näher wir dem Ziel kommen, desto besser wird das Wetter und als wir letztendlich dort eintreffen scheint wieder die Sonne. Na prima ! Ich glaube die Idee, die ich am Morgen hatte (2 Stunden warten) wäre wohl nicht die schlechteste gewesen.

Da wir schon um 15:00 Uhr im Hotel eintreffen, bietet sich die Gelegenheit zu einem Stadtrundgang. Es ist eine wunderschöne Stadt. Leider reicht die Zeit nicht aus, um uns die Citadelle anzuschauen. Die ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommene Zitadelle von Besançon, eines der Meisterwerke von Vauban aus dem 17. Jahrhundert, gilt als eine der schönsten Zitadellen Frankreichs. Die befestigte Stadt erstreckt sich über 11 Hektar und thront mehr als 100 Meter über der Altstadt, inmitten der Doubs-Schleife. Die Stadt Besançon wird ähnlich wie Cesky Krumlov von einer Flußschleife umschlossen - in diesem Fall der Doubs. Wir gehen weiter entlang dieses Flusses um wieder zum Hotel zu gelangen.

Dort angekommen sitzen schon viele der Biker über den Karten und informieren sich per App über das Wetter des morgigen Heimreisetages. Bei gutem Wetter und noch vorhandener Kondition wollte ich mit Klappi noch 2-3 Tage über die Schweiz-Österreich in Richtung Heimat fahren. Aber der Wetterbericht bedeutet nix Gutes. Nur morgen noch gutes Wetter, dann in der gesamten Region Regen und Sturm. Wir planen daher die direkte Heimfahrt über die Autobahn - das sind 860 Kilometer. Zur Not können wir ja jederzeit noch einmal eine Übernachtung einschieben.

Wir sitzen noch eine ganze Weile in der Gruppe zusammen. Manuela hat ein kleines spontanes Gedicht über unseren Guide Claus verfasst und wir überreichen ihm das zusammen mit einer kleinen Gruppenkollekte. Er ist gerührt und gibt spontan ne Runde Bier aus. Ich glaube wir hatten den coolsten Guide ! Er gibt noch einige Tipps zu schönen Reisen mit R&E, was mich darin bestärkt, im nächsten Jahr die Marokko-Tour zusammen mit Klappi zu machen. Dann geht es ins Bett - ich bin hundemüde .....


9. August - Besançon - Halle - 852 km


Heute ist früh aufstehen angesagt. Alles eine Stunde eher. Abfahrt soll um 8:00 Uhr sein. Klappi und ich sind relativ schnell mit dem Frühstück fertig. So verabschieden wir uns von den jeweiligen Mitfahrern der Gruppe und packen die Sachen. So rollen wir bereits um 7:40 vom Parkplatz des Hotels. Doch unsere Navis wollen heute nicht so recht und wir vertrödeln eine Unmenge Zeit ehe wir endlich die Autobahn finden.

Zweimal wird Maut fällig. Der Verkehr hält sich in Grenzen. Erst als wir uns Mulhouse und somit der deutschen Grenze nähern wird es richtig dicht. Die A5 ist die reinste Stauorgie. Aber wozu haben wir Motorräder. Schön laut Gas geben, dass es auch alle hören und dann immer wieder mitten durch. Wir fahren zeitweise an kilometerlangen Schlangen vorbei. Einzig bei dem Kameraden aus der Schweiz ist Obacht angesagt. Sie wollen mit aller Macht verhindern, dass wir vorbeikommen. Aber es klappt dann doch immer wieder - Jungs seid mal etwas entspannter!

Viel mehr gibt es wie so oft von letzten "Heimreisetag" nicht zu berichten. In Thüringen legen wir eine schöne Mittagspause ein. Um 18:00 Uhr sind wir in Halle. Das waren dann schlappe 850 Kilometer und das stellt sowohl Klappis als meinen persönlichen Tagerekord dar. Die nächste längere Tagestour war der letzte Tag der Norwegenreise mit 750 Kilometern.

Zu Hause erwarten mich Dani und Thomas. Heike ist ja zur Kur und kann mich nicht in Empfang nehmen. Die zwei haben leckeres Abendbrot vorbereitet und Biere kaltgestellt. Bei besten Wetter haben wir so einen wunderschönen Abend und ich muss natürlich von den Erlebnissen der Reise berichten.

Ich hoffe das auch alle anderen Biker wieder gut zu Hause angekommen sind. Mein ganz besonderer Dank gilt allen Mitfahrern der Blauen Gruppe. Ich freue mich, daß ich mit Euch eine so wunderbare Tour fahren durfte. Vielleicht sieht man sich ja mal wieder auf einer Tour mit R&E oder sonst irgendwem. Das Tourvideo gibts auf der Desktop-Version in der Rubrik Videos


Opa Olaf im August 2017

Bilder Grades-Alpes Tour