OO-CC T2016-S 0117
2016 - Schwedentour

2016 Schweden entschleunigt


Die Schwedenreise hat sich eigentlich mehr durch Zufall ergeben. Und es hat sich wieder mal gezeigt, daß spontane Aktionen oftmals die besten sind. Ich wollte die letzten 2 Wochen im August mit Heike, Franzi und Joshi Urlaub in der Finnhütte meiner Schwester in der Nähe von Graal-Müritz machen. Und so bin ich schon eine Woche eher mit dem Bike an die Ostsee gefahren. Vorher noch schnell die Schweden-Fähren gebucht und für die Übernachtungen 4 Hotels über Booking-Dot-Com klargemacht. Es wird die erste Fahrt sein, die ich allein unternehme und ich bin gespannt, wie ich das bewerkstellige.

Als Navi kommt wieder die Cockpit-App auf meinem Eierfone zum Einsatz. Programmiere die täglichen Routen ein und hoffe so auf ein entspanntes Fahren in Dänemark und Schweden. Die Tagestouren sind alle zwischen 200 und 250 km, damit immer noch genügend Zeit für Stadtbesichtigungen bleibt. Beobachte die Tage vor dem Start die Wettervorhersagen diverser Online Dienste und stelle wieder mal fest, daß die sich fast täglich ändern. Der allgemeine Trend für die 5-Tage-Tour schaut aber zum Glück vielversprechend aus. Zu guter Letzt lasse ich beim lokalen Reifendealer meines Vertrauens noch einen neuen Hinterreifen aufziehen. Es kann also losgehen.

Tag 1 - 5.8.2016
Halle - Graal Müritz
416 km - 95km/h Schnitt


9:15 Uhr ist Start. Da auf der A9 bei Dessau ständig Stau ist, habe ich ein Route über Magdeburg (A14) - Landstraße bis Wittstock - Autobahn A19 gewählt. Alles läuft supi bis zur Petersdorfer Brücke auf der A19. Die Brücke wird erneuert und so stellen sich hier regelmäßig alle zum Stau an. Ich bin aber mit dem Bike unterwegs und ziehe am Ende des 4 Kilometer langen Staus auf die Standspur und rolle bis zur Baustelle vor. Danach noch ein kurzer Stop an einer Raststätte und um 14:00 Uhr rolle ich bei meiner Schwester in der Nähe von Graal Müritz vor. Petra und Micha sind noch mit diversen Bauarbeiten beschäftigt. Da das Wetter sich aber von seiner besten Seite zeigt, fahre ich mit Petra kurzerhand mit dem Rad zum 3 Kilometer entfernten Strand um eine Abkühlung in der Ostsee zu nehmen. Anschlißend noch ein kurzer Stopp bei der bekannten Neudorfer Eisdiele und zurück zu Micha. Am Abend fahren wir zum Fischessen nach Graal Müritz zur Pension Witt. Ich speise eine sehr köstliche Kutterscholle nebst einem kühlen Duckstein vom Faß. Den restlichen Abend sitzen wir bei Petra auf der Terrasse, schlabbern ein paar Köhm und snacken allerhand Krams. Morgen muß ich früh raus, denn die Fähre Rostock-Gedser läuft um 9:00 Uhr aus.


Tag 2 - 6.8.2016
Graal Müritz - Lund
240 km - 62 km/h Schnitt


Aufstehen um 7:00 Uhr - Frühstücken - Sachen aufs Bike schnallen und los gehts kurz vor Acht. Kurz vor halb neun erreiche ich das Fährterminal in Rostock. Um 9:00 soll die Fähre nach Gedser losfahren. Die kommt erst um 8:45 Uhr und ich staune nicht schlecht, dass innerhalb einer Viertelstunde alle Autos von Bord sind und die alle neuen Passagiere inkl. Autos zzgl. LKW's und Busse verstaut sind. Pünktlich um 9:00 Uhr legt der Kahn ab. Das sollten sich die Kameraden in Italien mal anschauen, denn dort dauert das ganze Prozedere schlappe 3 Stunden, wie ich es auf meiner Tour nach Sardinien im Mai dieses Jahres selbst erlebt habe. Das nette dänishe Personal zeigt mir meinen Standort fürs Bike und hilft sogar beim Verzurren mit einem Spanngurt. Kein Vergleich zu den italienischen Schnürsenkeln in Genua.

Die Fahrt verläuft unspektakulär. Ich suche mir ein nettes Plätzchen mit Meerblick und werfe einen Blick vom Freideck bei der Fahrt vorbei an Warnemünde. Auf die Minute um 10:45 Uhr sind wir in Gedser und darf als dritter von Bord rollen. Schnell das Navi scharf gemacht und los geht es Richtung Kopenhagen. Wer noch nicht in Gedser war, dem sei gesagt, das in Gedser nur ein Fährterminale ist - Sonst Nix - Nur flaches Land - Mc.Pomm läßt grüßen. Ich habe eine Route auf Nebenstraßen ausgewählt, was die lästige Fahrt auf der dänischen Autobahn vermeidet. Parallel zur Autobahn fahre ich bis Kopenhagen auf einer fast völlig geraden Straße. Mit der Öresundbrücke läst das erste Hightlight der Tour nicht lange auf sich warten. Es weht ein ziemlich heftiger Wind, was dem Erlebnis jedoch keinen Abbruch tut. In Schweden angekommen sind erstmal 28 Euronen Maut fällig, die sich aber wirklich lohnen. In Schweden angekommen habe ich die Anweisungen des Navis nicht richtig verstanden und prompt stehe ich 10 Minuten später wieder an der Mautstelle - nur diesmal in umgekehrter Richtung. Und ohne Chance zu wenden. Quatsche einen Mitarbeiter der Maustelle an, der grinzt und öffnet mir prompt eine Schranke zu einenr kleinen Nebenstraße, die mich streßfrei nach Malmö bringt. Von da aus sind es nur noch 25 km bis Lund, meinem heutigen Zielort. Vorher findet überraschenderweise eine kleine Malmörundfahrt statt.

In Lund angekommen versagt das Navi wieder und ich suche eine halbe Stunde nach dem Hotel. Das liegt mitten im riesiegen Uni-Campus und macht durch seinen eher heruntergekommenen Zusatnd von außen den Eindruck, als wolle es auch noch weitere 50 Jahre denn hypermodernen Uni-Gebäuden ringsherum wiederstehen. Das Hotel ist jedoch verschlossen und selbst das Klingen an der Pforte bleibt ohne Wirkung. An der Hoteltür steht eine Telefonnummer, die für solche Fälle offenbar zu wählen ist. Nach 2 Versuchen habe ich am anderen Ende eine nette Dame, die mir erklärt welchen Code ich am Ziffernschloß des Hotels zu wählen habe, damit ich ins Innere komme. Dort würden dann auf dem Tresen ein Umschlag mit meinem Namen liegen indem sich dann wiederum die Key-Karte zu meinem Zimmer befindet. Service ist das nicht gerade, spart aber bestimmt Unmengen Personalkosten. Ich probiere das Ganze also aus. Funktioniert prima und das Hotel macht innen einen sehr gepflegten Eindruck. Nach diesem kurzem und eigenwilligen Checkin mache ich mich auf den Weg ins Zimmer, dusche und schon geht es ab in Richtung City.

Ein Student zeigt mir den Weg dorthin un erklärt mir voller Stolz, daß von den 100.000 Einwohner über 50.000 Studenten sind. Lund sei keine Stadt, sondern eher eine Universität, die sich im internationalen Ranking hinter Oxford und Cambridge nicht zu verstecken braucht. Der gesamte Campus ist riesig groß und zwischen den weiträumigen und sehr gepflegten Grünanlagen befinden sich sowohl topmoderne Institute verschiedenster Fachrichtungen als auch sehr elegante Studentenwohnheime. Da kann ich verstehen, das es eine der beliebtesten Universitäten Europas ist. Nach einer halben Stunde bin ich in der Innenstadt und drehe einige Runden durch die netten Gassen, ehe ich in einem gemütlichen Restaurant eine leckere Pizza esse und mir ein 6 Euro-Bier genehmige. Zurück im Hotel sortiere ich schon mal die digitalen Ergebnisse des Tages und gegen 23:00 Uhr sagt der Sandmann guts Nächtle ...


Tag 3 - 7.8.2016
Lund - Växjö
214 km - 55 km/h Schnitt


Obwohl das Hotel von außen nicht gerade den besten Eindruck macht, ist das Frühstück jedoch exelent. Im Gegensatz zum gestrigen Checkin ist eine nette junge Schwedin damit beschäftigt, das Buffett ständig nachzufüllen und serviert nebenebie einen supi Kaffeee - dazu ganz frische Brötchen und allerhand nette Leckrigkeiten - ich bin gestärkt für die heutige Tour, die mich in Richtung Norden nach Växjö führen soll. Noch kurz an eine Tanke und dann rolle ich bei besten Wetter in Richtung Ortsausgang von Lund. Ich fahre wieder einige Kreise und stelle fest, dass ich offenbar beim Einprogrammieren der heutigen Route etwas "schluderig" war und das Navi daher nicht so recht weis was es eigentlich tun soll. Letztlich lasse ich mein Bauchgefühl entscheiden und liege genau richtig. Mit jedem Kilometer wird die Landschaft waldiger und die ersten kleinen Seen kommen in Sicht. Verkehr ist sehr sehr spärlich und je länger ich fahre, habe ich das Gefühl, daß sich hier alles entschleunigt. Außerdem sind die Schweden offenbar sehr genau was das Einhalten der Geschwindigkeiten anbelangt. Kann mich nicht entsinnen, wann ich mit dem Bike mit 70-80 km/h ganz relaxt einen ganzen Tag lang gecrused bin. Habe auch überhaupt kein Verlangen schneller zu fahren, denn dann hätte ich nicht die vielen kleinen Seen erblickt, die den heutigen Tag zu einem echten Erlebnis gemacht haben. Da ich allein fahre, kann ich auch beliebig oft anhalten, und Päuschen einlegen.

Bei einer der ersten Pausen merke ich daß sich eine Lampe verabschiedet hat. So halte ich kurzer Hand an der nächsten Tanke an und kaufe eine neue, die nach wenigen Augenblicken gewechselt ist - hier mein ausdrücklicher Dank an Yamaha, denn das Ganze geht komplett ohne Werkzeug ! 60 km vor Växjö halte ich an einem Supermarkt (die haben in Schweden auch Sonntags ganztägig auf) und hole mir für den Abend 2 Let-Öl, zwei Brötchen und etwas Leberwurst. Treffe dort zwei Biker aus Uelzen in meinem Alter die gerade vom Nordcap kommen. Sind mit der Fähre von Travemünde nach Helsinki und dann über Finnland ans Nordcap - von da aus über die Lofoten nach Trondheim und dann in Richtung Schweden. Wollen morgen über die Öresundbrücke nach Rodby und dann nach Hause. Sind schon 3 Wochen unterwegs und haben auch an Wetter so alles mitgemacht was im hohen Norden so im Angebot ist. Kamen aber aus dem Schwärmen garnicht mehr raus. Auch mal ne coole Tour über die ich nachdenken sollte.

Gegen 15:30 Uhr rolle ich in Växjö ein und heute findet das Navi das Hotel Best Western auf Anhieb. Es liegt zentral in der City. Auch hier kurz einschecken, Heike per Whatsapp-Call anrufen und los geht es wieder zu einer Stadtbesichtigung. Im Supermarkt kaufe ich für den Abend noch etwas Wasser. Beim Gang durch die Stadt stelle ich ohne Überraschung fest, dass auch hier in Schweden das Pokemon-Fieber voll ausgebrochen ist. Vorrangig Jugendliche in Tenee-Alter glotzen nur noch aufs Handy und sind ansonsten wohl kaum noch fähig andere Informationen auszunehemn. Nach der Stadtbesichtigung gönne ich mir noch eine halbe Stunde im hoteleigenen Wirlpool und im Schwimmbad. Das könnte es jeden Abend geben. Mal schauen wie es morgen in Karlskrona ausschaut.


Tag 4 - 8.8.2016
Växjö - Karlskrona
252 km - 57 km/h Schnitt


Das Frühstück im Best Western ist eher Durchschnitt. Gegen 9:15 Uhr schaue ich mich erst einmal nach einer Tanke um. Die erste akzeptiert nur Kundenkarten und so finde ich erst in der zweiten eine Zapfsäule, die meine Karte akzeptiert. Der Verbrauch hat sich auf erfreuliche 4.5 l reduziert - kein Wunder bei der entspannten Fahrweise in Schweden. Die Fahrt führt zuerst mal nach Kalmar, der Küstenstadt mit einer großen Brücke zur Insel Öland. Die Strecke bis Kalmar ist unspäktakulär und durch den spärlichen Verkehr bin ich schon gegen 12:00 Uhr dort. Das Schloß Kalmar möchte ich mir gerne anschauen. Dort angekommen parkt gerade ein Biker aus Würzburg seine Triumph Explorer 1200. Hat schon eine riesen Runde über die baltischen Staaten, Finnland, und Norwegen hinter sich und will heute auf Öland übernachten. Als wir die Eintrittspreise von 130 Schwedenkronen sehen, drehen wir spontan um. Das lohnt sich nur, wenn man das imposante Gebäude mindestens 3-4 Stunden besichtigt. Die Zeit haben wir beide nicht und so verabschieden wir uns kurz drauf.

Ich fahre spontan auch noch mal kurz nach Öland um bei heftigen Böhen und wolkenfreiem Himmel wenigstens über die schöne Brücke gefahren zu sein. Es hat sich gelohnt. Zurück wieder über die Brücke und Kalmar lade ich die programmierte Strecke nach Karlskrona ins Navi. Habe wieder kleine Nebenstraßen gewählt. Damit fahre ich wieder goldrichtig, denn oft gehen diese nahe am Meer entlang und ich kann etliche kleine Pausen einlegen und schieße ein paar schöne Fotos. Punkt 15:00 finde ich nach einigem Suchen das Hotel in unmittelbarer Nähe des Marinemuseums, welches ich bei der folgenden Stadtbesichtigung als erstes ansteuere. Es hat einen kostenfreien Bereich in dem alte Ruderboote zu sehen sind. Ich habe mir nach dem duschen ein Rammstein-T-Shirt übergezogen, mit dem ich dann in der Stadt unterwegs bin. Hinter mir erzählt ein Typ um die 40 seinen beiden Kindern und der Frau auffällig laut, daß Rammstein doch diese grottige Band mit den schlimmen rechtsradikalen Texten sei. Auf meine Frage, er solle mal einen Titel nennen, wo so etwas zu hören ist, macht er erstmal ein dummes Gesicht um mir dann prompt zu sagen, daß ich doch auch ziemlich "Rechts" ausschaue, was ja auch das Tragen meines T-Shirts beweise. Ich zeige im den Mittelfinger und sage seinen Kindern, daß Sie Ihrem Alten nicht alles glauben sollen.

Auch die City ist nicht weit entfernt und ebenfalls eine Besichtigung wert. Noch kurz in einen Supermarkt um einige Kleinigkeiten zum Abendessen zu kaufen. Das liegt gerade hinter mir und bei immer noch fantastischem Sonnenwetter will ich gleich nochmal ans Wasser. Der folgende Rundgang führt am Marinestützpunkt vorbei, wo gelbe Schilder dringlichst darauf hinweisen, nicht zu fotografieren. Unmittelbar daneben ist eine Kirche vor deren Eingang eine lebensgroße Holzfigur steht. In der einen Hand hält er einen Zettel, auf dem in schwedisch etwas geschrieben steht und die andere verlangt offenbar eine Spende. Mache ein Foto und schicke es, als ich im Hotel wieder online bin meinem Nachbarn Peter, der schon einige Schwedisch-Volkshochschulkurse absolviert hat und mehrmals in Schweden im Urlaub war. Er weis bestimmt, was auf dem Zettel steht. Die Antwort läßt nicht lange auf sich warten. Meine Vermutung bestätigt sich. Wenn man Geld in die geöffnete Hand legt, soll das Glück bringen. So werde ich wohl morgen früh als erstes dort vorbei fahren und dem putzigen Kerlchen ein paar Taler überreichen. Den Rest das Abends sortiere ich wieder die digitalen Ergebnisse des Tages und schaue etwas TV.


Tag 5 - 9.8.2016
Karlskrona - Abbekas
263 km - 59 km/h Schnitt


Der Himmel begrüßt mich mit einem strahlenden Blau. So kann es bleiben bei meinem (fast) letzten Tag hier in Südschweden. Zum Frühstück gibts es Müsli und ein Brötchen mit Rührei, dazu wirklich guten Kaffee. Dann geht es auch schon los. Zuerst natürlich wieder die obligatorische Tanke finden. Dort prüfe ich mal wieder den Ölstand und muß feststellen, daß er etwas zu niedrig ist. Hatte mir aber schon vorsorglich 1/2 Liter der Sorte 10-W40 eingepackt, sodaß das Auffüllen in 5 Minuten erledigt war. Leider ist das eine reine Automatentanke, an die ich geraten bin, denn so kann ich mir kein Wasser kaufen für den heutigen Tag. Beschließe daher an der nächsten Tanke nochmal anzuhalten und mir nen Liter zu holen. Nach ca. 10 Kilometern ist die nächste Tanke auch gefunden.

Als ich dort vorrolle habe ich son komisch warmes Gefühl am rechten Hosenbeim und im rechten Schuh. Außerdem riecht es verdammt nach heißen Öl. Mein lieber Scholli - was ist denn jetzt passiert. Steige ab, und sehe, daß die gesamte rechte untere Hose voller heißem Öl ist. Außerdem dampft und spritzt es aus den offenen Öleinfüllstutzen. Die rechte Seite des Bikes ist auch ziemlich eingesaut. Mir fällt es sofort wie Schuppen aus den Haaren. Als ich das Öl nachgefüllt hatte, habe ich den Verschluß in eine kleine Mulde hinter dem Sitz gelegt, damit er mir bei dem sehr heftigen Wind nicht wegfliegt. Dann wollte ein hinter mir stehendes Auto vorbei, und meinte er hat nicht genug Platz. Ich also das Bike etwas nach vorne geschoben und dabei den Verschlußstopfen völlig vergessen. Also rauf auf die Karre und los. Opa wo hast du blos deine Gedanken ? Es grenzt an ein Wunder, daß ich den Stopfen noch an der zweiten Tanke dort gefunden habe, wo ich ihn vorher deponiert hatte. Sonst währe wohl wenige Kilometer das Ende meiner Schwedentour gekommen und mit ganz viel Pech hätte ich wahrscheinlich auch noch den Motor geschrottet. Oh Opa - das hast Du aber wirklich einen großen Schutzengel gehabt ! Noch mal Schwein gehabt. So kann ich nach einigen Reinigungsarbeiten an Sachen und Bike und dem nochmaligen Auffüllen von Öl die Fahrt doch noch fortsetzen. Wie kann so etwas passieren. Plötzlich wird es völlig klar - ich wollte doch eigentlich vor der Abfahrt dem Holzmännel vor der Kirche ein paar Taler in die Hand legen. Das habe ich natürlich vergessen und so brauch ich mich nicht zu wundern, wenn danach etwas schief geht. Zum Glück war die Bestrafung nicht so doll, daß es das Ende der Fahrt bedeutet hätte.

Die Fahrt in Richtung Ystad soll wieder hauptsächlich nahe der Küste vorbeiführen. In den ersten 2 Stunden sieht das allerdings genauso aus, als wenn man durch MC-Poom gurkt - will sagen Einöde und Pampa - nicht zu vergleichen mit den schönen Waldgegenden bei Växjö. Je näher ich dann aber Ystad komme desto schöner wird es aber wieder. Ich fahre oft nahe am Meer und nutze viele kleinere Abstecher zum Strand. Hier ist es dann so wie ich es mir vorgestellt habe - kaum Menschen - ensame endlos weite Strände - Ostseewind ! In Ystad ist es so wie an vielen deutschen Ostseebädern - viele Menschen und Unmengen Hotels etc. Bis zum heutigen Ziel in Abbekas sind es nur noch 20 km und schon wenig später komme ich dort auch an. Das Navi schickt mich prompt zu einem Top Golfresort - von meinem kleinen Hotel mit Wohnwagen als Schlafgelegenheit nix zu sehn. Frage ca. 10 Leute die mich alle in der Gegend herumschicken - aber ohne Erfolg. Erst ein Paketlieferservice kennt sich aus und zeigt mir den richtigen Weg zum Hotel Vagabond. Endlich angekommen werde ich von Janna der Chefin, einer gebürtigen Schwedin, freundlichst empfangen und in meinen "Wohnwagen" eingewiesen. Alle Wagen haben Namen - meiner ist Lizzy ! Coole Sache kann ich nur sagen. Mladen, ein gebürtiger Bosnier und Lebenspartner der Chefin kommt wenig später mit einem Transporter voller neuer Matrazen vom IKEA. Beim Ausladen unterstützen ihn zwei bildhübsche junge Mädels. Wie sich heraustellt sind das 2 Schülerinnen aus England, die als Ferienhilfen auf dem Anwesen helfen. Dafür gibts es kostenloses Essen und Logie. Im ganzen Haus wird nur Englisch gesprochen, was mir sehr entgegenkommt.
Die Inhaber sind beide eigentlich Schauspieler, die 2002 von Stockholm nach Abbekas gezogen sind, um sich den Traum von einem eigenen kleinen Theater mit Namen Kapija (klick auf Bild) zu erfüllen. So gibt es im großen Gebäude einen kleinen Theatersaal und auch sonst reichlich Nebengelaß. Im Hauptraum lädt eine kleine Bühne zum musizieren ein. Alles mit sehr viel Liebe hergerichtet. Auch eine kleine aber erlesene Speisekarte ist vorhanden und auf Nachfrage bestätigt die Cheffin, daß alles vorhanden ist. Ich soll nur Bescheid geben, dann wird sie das Essen frisch zubereiten. Ich kümmere mich erst einmal um das umfangreiche Bildmaterial, welches ich auf meinen kleinen neuen Laptop kopiere. Das Ding hat sich bis jetzt wirklich bezahlt gemacht.

Um 19:00 Uhr bestelle ich als Vorspeise spanisch-italienische Tappas und als Hauptspeise Cepapcici. Zum Servieren erscheinen Cheff und Cheffin persönlich, hübsch als Spanier verkleidet und ich bin mehr als beeindruckt. Und das Essen ist wirklich köstlich - das Beste was ich während der Tour auf dem Teller gehabt habe. Die nächsten zwei Stunden hören wir wunderebare Jazzmusik und unterhalten uns über alle möglichen Dinge. Dieses Haus kann ich wirklich ohne Einschränkungen weiter empfehlen. Um 21:30 Uhr verziehe ich mich in meinen kleinen Wohnwagen. Morgen ist um 6:30 Aufstehen angesagt, da die Fähre um 8:30 Uhr ausläuft. Die Nacht im Wagen ist wirklich ein Erlebnis.


Tag 6 - 10.8.2016
Abbekas - Halle
413 km - 120 km/h Schnitt


Aufstehen 6:30 - Chefin hat guten Kaffe gekocht und Lunchpaket für mich zubereitet. Um 7:00 Uhr Start für die letzten 30 km auf schwedischen Boden. Vorbei am "Most Southern Point of Schweden" bin ich kurz vor acht in Trelleborg an der Fähre. Dort rolle ich ohne Aufenthalt aufs Schiff. 6 Stunden Ostsse warten ... um 14:40 verlasse ich als erster die Fähre. Die Autobahn ist frei, nur ein sehr böiger Wind erfordert höchste Aufmerksamkeit. Um 17:50 rolle ich zu Hause vor - Drei Stunden und zehn Minuten von Rostock bis Halle inkl. Tanken und Bocki-Pause - nicht schlecht. Ich bin wieder gut gelandet. Am Samstag gehts mit Heike, Franzi und Joshi wieder hoch an die Küste - 14 Tage Urlaub warten auf alle.


Statistik-Teil & Ende


Gesamtkarte der Tour


Resümee


Insgesamt stehen am Ende der kleinen Schweden-Tour 1800 km zu Buche. Es war für mich eine völlig neue Erfahrung mal ganz allein mit dem Motorrad unterwegs zu sein. Das hat den großen Vorteil, daß man den Tag ganz individuell gestalten kann und ich viel mehr Zeit hatte, viele kleinere Stopps einzulegen. Auch die abendlichen Stadtbesichtigungen haben viel dazu beigetragen, daß es eine völlig entspannte Tour war. Durch die vorgebuchten Hotels wurde viel Zeit gespart, die sonst mit der manchmal mühseligen Suche nach einer passenden Unterkunft benötigt wurde. Ich werde solch eine Tour bestimmt noch einmal unternehmen - evtl. mal durch die baltischen Staaten.

Bilder Schweden