OO-CC T2016 0117
2015-Tour

2016 Sardinien


Sardinien - lt. vielen Reiseführern - Das Kurvenparadies im Mittelmeer. Ob sich das bewahrheitet, soll die diesjährige Wochentour beantworten. Es ist mal wieder eine Premiere, die in diesem Jahr stattfindet. Ich fahre mit einem Reiseveranstalter für Motorradreisen. Die Wörmlitzbiker Frank, Jens und Ronald gehen im November gemeinsam mit ihren Frauen auf große Harleytour quer durch Florida. Ich war schon mal mit dem Auto dort und habe keine richtige Meinung zu Fahrten über kilometerlange Highways. So wird etwas gegugelt und schließlich finde ich den Veranstalter "Reisen und Erleben" aus St. Wendel. Hier sind schicke und im Vergleich zur Konkurrenz preiswerte Touren im Angebot. Es fällt mir schwer zwischen den Angeboten das Richtige zu finden, da u.a. auch eine Reise "Route Napoleon" viel Spaß entlang der Westalpen und Rundfahrten auf Korsika verspricht. Schließlich entscheide ich mich doch für Sardinien.

Im Februar buche ich dann die Reise. Auf der Motorradmesse in Leipzig kaufe ich eine Gepäckrolle und ein Soziusrack bei Touratech. D.h. der Soziussitz wird gegen eine schicke Gepäckplatte getauscht. Da das Reisegepäck zum Veranstalter geschickt werden kann, kann ich auf die Koffer verzichten und in die Gepäckrolle kommt nur Zeug für die Fähren und die Zwischenstopps bei meinen Töchtern in Waldshut-Tiengen und München. Beim Reifendealer meines Vertrauens lasse ich noch einen neuen Vorderreifen aufziehen. Der Hinterreifen sollte noch reichen, da er nur die 4500 km der letztjährigen Irlandtour gesehen hat. Mit dem Fahrsicherheitstraining Ende April in Dölzig bin ich für die lange Tour hoffentlich optimal vorbereitet. Eine Woche vor Reiseantritt schicke ich meinen Koffer per DHL nach St. Wendel. Beim ADAC in Halle besorge ich mir noch die notwendige Mautplakette für die Schweiz.

Tag 1 - Freitag 20.5.2016
Halle - Waldshut-Tiengen - 655 km


Über diesen Tag gibt es wie üblich nicht viel zu erzählen, stehen doch schnöde 650 km Autobahnfahrt auf dem Programm. Jeder Biker kennt und hasst derartig lange Anreisetage. Aber was hilft‘s es - da muss er durch - der Lurch. Ich entscheide mich für die Route über die A38 und anschließender A71 - der Thüringenautobahn. Das Wetter spielt voll mit - Temperaturen um 20 Grad und teilweise schöner blauer Himmel begleiten mich während der gesamten Fahrt. Um 8:00 starte ich und lege 2 Tankstopps und 3 weitere kleine Pausen ein. Meine Tochter ist überrascht, als ich schon kurz vor drei vor Ihrer Haustür stehe. Der Samstag mache ich mit Steffi einen kleinen Abstecher nach Tittisee und an den Schluchsee. Hier war ich 2011 bereits mit den Wörmitzbikern und erkenne das eine oder andere wieder - sogar die damalige Pension Tannengrün finde ich wieder.

Tag 2 - Sonntag 22.5.2016
Waldshut-Tiengen - Genua - 520 km


6:00 Wecken - Kaffee - Brötchen - Anhosen - Start 6:45 Uhr. Zwischenziel ist zunächst die Raststätte Pratteln Süd in der Nähe von Basel. Dort ist Treffpunkt für alle Biker, die aus dem Süden kommen. Die Biker aus St. Wendel sind bereits seit 4:00 Uhr unterwegs. Als ich ankomme, sind schon etliche Biker auf dem Parkplatz zu sehen. Kurzes Registrieren und Einteilung der Gruppen. Ich bin erstmal überrascht, wie viele Leute mitfahren und erfahre, dass 59 Bikes und 66 Personen an der Tour teilnehmen. Insgesamt sind 6 Tourguides dabei, sodass in Gruppen zu 10 Leuten gefahren wird. Unser Guide Norbert sammelt seine Leute und schon wenig später rollen wir in Richtung Genua. Da wir gut in der Zeit liegen, möchte Norbert über den Gotthard-Pass. Alle stimmen zu und werden mit einem grandiosen Panorama belohnt. An den Straßen ragen teilweise bis zu 5 Meter hohe Schneewände empor. Oben angekommen sind es lauschige 4 Grad und wird staunen nicht schlecht, als sich gerade 2 Taucher bereitmachen um am kleinen Stausee einen Tauchgang zu unternehmen - Hobbies gibt's! Ich kann den nächsten Zweitausender Alpenpass abhaken!

Die Fahrt durch die Schweiz verläuft unkompliziert und störungsfrei. In Italien nerven dann die Mautstellen - ich bezahle mit Bargeld - andere mit Karte - mal funktioniert es - mal nicht! Bis Genua bin ich 16 €uro los. Teurer Spaß im Vergleich zur Schweizer Vignette, die einmalig 38 Euro kostet und das ganze Jahr gilt. Die letzten 50 km von Mailand nach Genua entschädigen für die sonst trostlose Fahrerei. Die Autobahn hat hier eher den Charakter einer 2 spurigen Schnellstraße und ist sehr kurvenreich mit z.T. kurzen Radien - in Good Old Germany hätte man die längst begradigt, was zu unserer Freude hier nicht passiert ist. Man merkt Kilometer für Kilometer, dass wir uns dem Mittelmeer nähern - und zwar an den Temperaturen. In Genua angekommen (16:00 Uhr) ist strahlender Sonnenschein und ich bin froh, dass wir die Bikes zunächst unter einer großen Brücke im Schatten parken können. Direkt nebenan befindet sich ein Supermarkt, in dem wir uns mit Büchsenbier und Baguettes eindecken.

Wieder bei den Bikes angekommen gibt Nadja, die Firmenchefin, einige organisatorische Hinweise. Plötzlich kommt ungeahnte Hektik auf - ein Kontrolletti der Fähre möchte, dass wir sofort auf die Einfädelspur fahren. Hoppla sollten wir schon auf die Fähre können. Also alle auf die Bikes und ab in die Einfädelspur. Die liegt im schönsten Sonnenschein und um das Ganze richtig auszukosten, dürfen wir noch bis 18:30 dort verweilen. Als wir dann endlich auf die Fähre kommen, die nächste Überraschung. Die mitgebrachten Spanngurte nützen nix, da am Boden keine Verzurr-Ösen zu finden sind. Stattdessen hängen an irgendwelchen Rohren toppdreckige Stricke, mit denen wir die Bikes festmachen sollen. Kein Vergleich zu dem Service des letzten Jahres in Irland, wo die Bikes nur abgestellt wurden und das Personal sich um das fachgerechte Verzurren kümmerte. Jo - Italien sag ich nur!

Während des unfreiwilligen Sonnenbades werden die Gruppen für die Tage auf Sardinien eingeteilt. Im Vorfeld konnte man sich für eine Gruppe eintragen, und zwar auf einem Zahlenstrahl von 1 bis 10, wobei 1 schnell bedeutet und 10 Bummelbiker. Ich hatte mich für Nummer 3 entschieden und lerne jetzt meinen Guide Larry, den Mann der Chefin Nadja kennen. Bin gespannt, wie es dann morgen auf der ersten Tour wird. In der Fähre verteilt Nadja die Kabinen-Karten und so lerne ich wenig später auch meinen Mitbewohner Martin auf der Fähre und im Hotel kennen. Ist eine netter Typ - kommt aus der Nähe von Aalen und fährt eine Stelvio 1200 Reiseenduro. Interessant ist ohnehin der Blick auf die 59 Bikes der gesamten Truppe. Gefühlt die Hälfte BMW G-Essen in verschiedensten Ausbaustufen. Im Rest sind erstaunlich viele Triumph's und "sogar" eine Super Tenere (außer mir).

Die Kabinen sind zum Glück 4-er Kabinen, in denen 2 Leute pennen. Im Vergleich zu den Norwegenfähren und England Fähren sogar erstaunlich groß - können unsere durchgeschwitzten Sachen auf den oberen Betten zum Austrocknen deponieren. Duschen - ab aufs Deck um gegen 20:30 Uhr das Auslaufen der Fähre zu beobachten. Wenige 100 Meter liegen die klägliche Reste der Costa Concordia, die im Hafen von Genua abgewrackt wird. Außer einem riesigen Schrotthaufen ist kaum noch etwas zu erkennen. Trincken anschließen noch ein paar einheimische Ishnusa Biere und gegen 22:30 Uhr liege ich in der schaukelnden Koje !

Tag 3 - Montag 23.5.2016
Genua - Hotel Torre Moresco - 282 km


Um 6:00 weckt uns die nette Dame im Bordlautsprecher. Wir lassen uns Zeit, den die Fähre läuft erst 7:30 in den Hafen ein. Das Ganze verzögert sich aber erheblich, sodass wir erst gegen 9:00 vom Schiff rollen. Auf dem nahegelegenen Parkplatz sammelt Larry seine Schäfchen ein. Der erste Stopp ist bereits 20 Minuten später in einer direkt am Meer gelegenen Gaststätte, wo der Veranstalter für alle Frühstück bestellt hat. Die Lage des Restaurants und das schöne warme Wetter bei blauem Himmel lässt bei a eine gute Stimmung aufkommen. Das Frühstück für 10 €uronen ist seinen Preis leider nicht wert - macht aber wenigstens satt.

Danach geht es wieder gruppenweise in Richtung Hotel, welches im Nordosten der Insel liegt. Es ist für den ersten Tag ein ganz schönes Stück zu fahren. Wir sortieren uns in der Gruppe ein. Vorne natürlich der Guide Larry (BMW GS 1200), dann Uwe und Babette auf ihren Triumph Streat-Tripples, dann ich auf meiner Tenere, nach mir Mario (BMW GS 1200) und Bernd (BMW GS 100 Advanture), dann Petra und Wolfgang (Triumph Tiger 1050), Ingo (Triumph Tiger Sport), Klaus (Suzuki Bandit 1200), Thomas (BMW GS 1200) und am Ende der Gruppe Frank auf einer älteren BMW GS. Diese Reihenfolge wird während der gesamten Tour so eingehalten. Dadurch kann man sich so langsam an den Fahrstiel des Vorder- bzw. Hintermanns gewöhnen. Larry schlägt ein flottes Tempo an, vor allem wenn Kurven in Sicht sind. Entspricht genau meinen Vorstellungen und ich bin jetzt schon sicher, dass ich die richtige Gruppe gewählt habe.

Am späten Nachmittag erreichen wir das Hotel. Der Transporter mich unseren Koffern wartet schon und so geht‘s unverzüglich zum Check-In. Aber Gemach - am Empfang ist ein netter Herr, der die Formalitäten erledigt und eine andere Dame, die den Gästen ihre Zimmer in der weit verzweigten Anlage zeigt. Da auch gleich noch die Chipkarten für die Getränke aufgeladen werden, dauert es pro Person eine gefühlte Ewigkeit. Da sich die Temperaturen so langsam den 28 Grad nähern bin ich froh als ich endlich im gut klimatisierten Zimmer bin. Es ist schon 18:30 und so habe ich nach der Dusche noch Zeit 2 Bier zu zischen, ehe es um 19:30 Uhr ans Abendbuffet geht. Das lässt wirklich keine Wünsche offen. Nadja und die Guides verteilen noch schnell die bestellten T-Shirts und eine Werbeartikel wie Aufkleber, Namenssticker, Halstücher etc. Nette Geste finde ich.

Tag 4 - Dienstag 24.5.2016
Kurven - 328 km


Um 9:00 Uhr stehen alle Gruppenmitglieder auf dem Parkplatz und lauschen den Ausführungen des Guides, der kurz erklärt was er heute so vorhat. Es steht die längste Tagesetappe auf Sardinien an. Über 300 km Fahrspaß mit Stopps an einem Stausee, Nuoro und Orgosolo. Kurze Zeit später setzt sich der Trupp in Bewegung. Wir sortieren uns in der festgelegten Reihenfolge ein und rollen uns so langsam ein. Auf dem ersten Stück der SS125 zunächst recht gemütlich bis wir in Orocei die SS129 erreichen. Es wird langsam wieder kurviger - ich nehme eine etwas sportlichere Haltung ein und ziehe vor allem meine Füße enger auf die Rasten um nicht wie am Vortag mit den Stiefeln den teilweise recht rauen Asphalt zu tuschieren. Kurz hinter Nuoro biegen wir in südlicher Richtung auf die SS389 die bei Fonni in die SP7 und später in die SS295, SP8 und SS198 übergeht. Ich brauche es nicht zu erwähnen - Kurven und Panorama ohne Ende. Wir haben den südlichsten Teil der Tagestour erreicht und bewegen uns jetzt wieder in nördöstliche Richtung. Am Stausee "Lago Bau Muggeris" ist der nächste Stopp für Foto und Pullerpause. Die SS389 und SP48 sind die nächsten Kandidaten der Kurvenhatz ehe wir im Ort Orgosolo eine längere Pause mit Besichtigung der Stadt einlegen. Diese Stadt ist für seien Wand- und Häuserbemalung weit über die Insel bekannt. Im Netz findet man zu den Malereien folgende Zeilen:

In Orgosolo, dem einst berüchtigten Banditendorf in der Barbagia, verewigen seit Ende der 1960er Jahre zahlreiche Wandgemälde den Wiederstand gegen Faschismus, Kapitalismus, Krieg, Wettrüsten, Hunger und Apartheid. Mehr als 150 sozialkritische Murales zieren die Fassaden der sonst eher schlichten und schmucklosen Häuser des Dorfes. Die Atmosphäre wirkt politisch und idealistisch. Begonnen hatte alles 1969, dem aufgewühlten Jahr der italienischen Studentenbewegung. Damals entstand nach lateinamerikanischen Vorbild das erste Wandbild im Ortszentrum – gemalt von der anarchischen Theatergruppe Dioniso aus Mailand. Die Wandmalereien in Orgosolo drückten zunächst den Protest gegen den geplanten NATO-Truppenübungsplatz auf dem Pratobello aus. Neuere Bildnisse kommentieren z.B. die Weltpolitik. Andere Bilder stellen das einfache Hirten- und Dorfleben dar, setzen sich für die Erhaltung der Sardischen Sprache ein oder enthalten sogar Werbebotschaften. Ein Streifzug entlang der Hauptstraße des Dorfes ist wie der Gang durch ein neuzeitlich historisches Bilderbuch.

Zurück zum Hotel fahren wir noch ein kleines Stück auf der SP22 um den Rest der Etappe wieder auf der SS129 und SS125 zum Hotel zu gelangen. Es ist zwar schon kurz vor 18:00 Uhr, aber heute habe ich mir fest vorgenommen ans nahe gelegene Mittelmeer zu gehen. Also schnell aus den verschwitzten Klamotten und los in Richtung Meer. Das Wetter ist phantastisch und der Weg führt lediglich 200 Meter durch einen kleinen Wald. Dann eröffnet sich der Blick auf eine herrliche Bucht mit breitem Strand und türkisfarbenen Meer. Ich treffe zwei Biker, mit denen ich die Etappe von Basel nach Genua gefahren bin, sonst ist keine Menschenseele zu sehen. Das ist mehr als überraschend, denn hier ist es mit Abstand netter als am windgeschützten Pool der Anlage, wo sich ein Großteil der Biker unter Sonnenschirmen vor der Sonne versteckt. Da komme ich schon ins Grübeln - sollten wir Ossies doch irgendwie anders gepolt sein. Mir egal - ich gehe ins (vielleicht) 20 Grad kalte/warme Wasser und genieße den langsamen Sonnenuntergang. Der ganze Strand ist mit merkwürdigen, bis zu apfelgroßen braunen Filsknollen übersäht und weiß nicht so recht was es mit den Dingern auf sich hat. Ein abendliches Befragen von Herrn Gugel bringt dann folgende Erklärung:

Seebälle oder Meerbälle sind meist runde, faserig-filzige Gebilde, die weltweit an Stränden zu finden sind, wo sie besonders nach Frühjahrs- und Herbststürmen massenhaft auftreten können. Sie bilden sich aus dem durch die Wasserbewegung herausgerissenen Rhizomgeflecht von Seegras, dessen Fasern auf dem Sandboden durch Wellen und Strömungen hin und her bewegt werden und so kugelig miteinander verfilzen. An Mittelmeerstränden findet man häufig eigroße Seebälle aus den abgestorbenen Pflanzenteilen des Neptungrases


Da bin ich auf meine alten Tage doch wieder etwas schlauer geworden. Zurück geht‘s ins Hotel - ab 19:30 Uhr gibt es Abendessen. Danach noch für 2 Stunden an die Bar und ein paar Ishnusa einverleibt - ein prima Tag geht langsam zu Ende ....


Tag 5 - Mittwoch 25.5.2016
Kurven - 250 km


Wie jeden Morgen steht die blaue Truppe um 9:00 Uhr auf dem Parkplatz um den Ankündigungen von Larry zu lauschen. Als erste Neuigkeit erfahren wir, dass ab heute Sebastian aus der Gruppe von Nadja bei uns mitfährt. Ihm war es dort doch etwas zu gemütlich und wenn schon Kurven - dann richtig. Die heutige Route verläuft in einer großen Schleife entlang der Ostküste der Insel bis hinunter nach Arbatax. Besonderen Fahrspaß soll die SS125 versprechen - wir sind gespannt. Wir nehmen anfänglich die gleiche Route wie am Vortag. Doch schon wenig später biegen wir links in ein kleines Ministräßchen ein, welches kontinuierlich bergan verläuft. Ob es hier weitergeht, frage ich mich hinter jeder kleinen Biegung? Doch kaum auf dem Kamm der kleinen Bergkette angekommen offenbart sich eine Aussicht auf den in einer malerischen Bucht gelegenen Ort Cala Conone, der zum Fotoschuting geradezu einlädt. Die Straße hinab hat zwar eher den Charakter eines ehemaligen DDR-Grenzwegs an der Ostsee, jedoch entschädigt der Blick in die Bucht völlig. Schon wenige Augenblicke später durchfahren wir den kleinen Küstenort um dann auch schon bald auf der angekündigten SS125 mit dem Kurventraining zu beginnen. Was folgt ist einfach genial. Die Straße ist hier hervorragend ausgebaut und die nächsten 25 km gehören zu den schönsten, die ich während der gesamten Tour gefahren bin. Immer am Bergkamm entlang folgt Kurve auf Kurve. Und alle mit wunderschön zu fahrenden Radien, wie man es sich als Biker wünscht. Der Gegenverkehr ist zum Glück auch mehr als überschaubar - meist kommen uns Biker entgegen. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass wir auf fast allen Straßen höllisch aufpassen müssen, da alle möglichen Arten von Getier urplötzlich am Straßenrand und mitten auf der Straße auftauchen kann - Ziegen - Schafe - Kühe - Wildpferde und nicht zuletzt sogar eine Schildkröte.

Ein Restaurant lädt zum Morgen-Macciato ein. Ich bin nicht so der Kaffee-Freak und bestelle eine eiskalte Cola. Larry dreht derweil eine kleine Extrarunde um die Gegend nochmal mit der Action-Cam festzuhalten. Ich krame derweil mein kleines Visierreinigungsset hervor um den Helm von lästigem Insektendreck zu befreien. Das ruft sofort Franks Interesse hervor und schwup-di-wup beginnen wir eine kleine lustige Verkaufsverhandlung. Die Verschnaufpause ist auch bald schon zu Ende und weiter rollen wir auf der SS125 in Richtung der Hafenstadt Arbatax. Die letzten 20 km bei Arbatax verlaufen durch ein Industriegebiet und frage mich, was der Guide sich hier wieder ausgedacht hat. Nur wenige Augenblicke später wird es klar. Direkt am Meer ragt ein ca. 20 Meter hoher roter Felsen ins Meer - das Fotomotiv des Ortes schlechthin. Hier schießen wir einige schöne Gruppenfotos ehe es ins wenige Meter entfernte Restaurant am Hafen geht, wo leckeres Eis angeboten wird. Wir verlassen Arbatax um in einem großen Bogen auf der SS198 und SP7 dann doch wieder auf die SS125 zu Stoßen.Die SP7 wird kurz hinter dem Ort Villagrande Strisaili verlassen. Der Straßenbelag wird zunehmend schlechter, manchmal ist nur noch Schotter und Geröll zu sehen. Larry hält an und fragt die Gruppe, ob wir hier weiterfahren, oder umkehren. Da kurz vorher noch eine Gruppe GS-Fahrer entgegenkam, entscheiden wir uns für Weiterfahren. Was wir auf den nächsten 20 km erleben ist schlichtweg eine Offroad-Einlage. Teilweise ist die Hälfte der Straße ins Tal gerutscht, kleinere Bäche überqueren die Straße, Geröll uns Steine wohin das Auge schaut. Es wird Kilometer für Kilometer schlimmer und die angesagte Geschwindigkeit ist ausschließlich Schritttempo. Aber alle sind hervorragende Biker und meistern die Offroad-Einlage mit Bravour. Larry ist hinterher offenbar auch froh, die Gruppe heil über diese Strecke gebracht zu haben - entschuldigt sich und gibt ne Runde Kaffee aus. Bald schon sind wir wieder auf der SS124 und es folgen wieder die am Morgen schon in anderer Richtung befahrenen 25 km Kurvenparadies.

Das Wetter wird immer besser. Bei strahlendem Blau steigen die Temperaturen so langsam aber sicher in Richtung der 30 Grad Marke. So ist es von Vorteil, dass wir heute schon um 17:00 Uhr zurück sind. Im Supermarkt kurz vor dem Hotel kaufen wir noch schnell ein paar eiskalte Bierbüchsen, die auf dem Parkplatz unverzüglich vertilgt werden. Babette ist offenbar so heiß und "abgedreht", dass Sie Sich ein paar eiskalte Büchsen unter die Hosenträger zur Kühlung steckt. Die Zeit bis zum Abendessen ist noch lang und so ruft mich wieder der nahe Strand und das blaue Meer zum Relaxen. Keine Viertelstunde später bin ich in den Fluten und sonne mich hinterher noch ein Stündchen. He - was für eine coole Gegend. Beim Abendessen wartet wieder lecker Prosuitto auf mich ehe es die restlichen 3 Stunden an die "Ishnusa-Bar" geht. Was für ein Tag - mir ist jetzt noch schwindelig von den Kurven.


Tag 6 - Donnerstag 26.5.2016
Kurven und ein Ausfall- 245 km


Jeden Morgen das gleiche Prozedere - 7:30 Uhr aufstehen - ein paar Bahnen im Pool ziehen - Frühstück - 9:00 Routenbesprechung mit Larry. Heute soll es etwas mehr in Landesinnere gehen. Kurven sind wieder garantiert, aber auch einige Kilometer in der Pampa bei heißen Temperaturen verspricht uns der Guide. Los geht es - zunächst die SS125 in nördlicher Richtung nahe dem Meer. In Siniscola biegen wir in westlicher Richtung auf die SP3, wo ich wieder die etwas sportlichere Kurvenhaltung einnehme, da sich wieder eine Kurvengebiet ankündigt. Je mehr wir dann ins Landesinnere kommen, desto heißer wird es - die 30 Grad Marke ist geknackt. In einem Kreisverkehr will mein Bike hinter ausbrechen - ich kann es gerade noch verhindern. Nanu was war das denn jetzt. Im Rückspiegel sehe ich gerade noch, dass es einem der Biker hinter mir noch schlimmer ergeht. Ein kurzes Krachen und Bike plus Biker liegen am Rand des Kreisverkehrs auf dem Asphalt - Mist ! Larry, Babette, Uwe und Mario haben das nicht mitbekommen und fahren weiter. Ich drehe und fahre zurück im Kreisverkehr. Die anderen stehen dort alle und helfen dem Pechvogel Sebastian sein Bike wiederaufzurichten. Eine nähere Betrachtung des Unfallortes gibt Klarheit. Auf der rechten Seite liegen Unmengen grauer Split, der man aufgrund der gleichen Straßenfarbe nicht sehen kann - keine Chance ! Aus Sebastians GS sind einige Liter Öl ausgelaufen. Eine erst vor einer Woche montierte "Bummelbiker-Bequem-Fußauflage-Raste" hat sich in den Zylinder-Abdeck-Deckel gebohrt. Nix geht mehr. Sebastian geht es zum Glück gut - bis auf einige kleine Schäden an der Klamotten ist nix passiert.

Watt Nu ? Fahren geht nicht ! Leider ist der Reiseveranstalter in dieser Situation nicht sehr hilfreich. Den Transporter von Hotel zu schicken und Maschine und Fahrer zurück ins Hotel zu bringen ist angeblich nicht möglich, da ja Öl in den Transporter laufen könne und dann auf der Rückreise die Koffer verschmutzen. Hallo frage ich mich - wozu gibt es Panzertape und Plastiktüten zum abdichten ? So muss der arme Kerl etliche Telefonate mit der Versicherung führen und wartet einige Stunden bei brütender Hitze um 30 Grad mitten in der Pampa bis sein Bike in eine Werkstatt geschleppt wird und er mit dem Taxi zurück ins Hotel fahren kann. Larry telefoniert mit Nadja, deren Gruppe nur wenige Kilometer entfernt gerade Rast macht. Larry bleibt bei Sebastian, während der Rest der Gruppe zu Nadja fährt. Dort sollen die beiden Gruppen dann gemeinsam weiterfahren. Schon kurze Zeit später treffen wir bei der anderen Gruppe ein und machen auch ein Päuschen. Larry kommt wenig später auch noch dazu und wir können den Rest der Runde wieder in gewohnter Reihenfolge (außer Sebastian) fahren. Wir sind gegen 16:30 Uhr wieder im Hotel - Sebastian gegen 19:00 Uhr !!!! Ich finde Service sieht ein klein wenig anders aus.

Der Spätnachmittag und Abend nehmen ihren gewohnten Lauf. Auf dem Parkplatz wieder ein kaltes Büchsenbier - ab ins Zimmer - ab an den Strand - zurück an die Bar - Bier schlabbern - Whatsapp an alle möglichen Bekannten schicken - mit Heike telefonieren - Abendbrot essen - weiter an der Bar Bier schlabbern - Benzingespräche führen! Das Leben is halt eines der Härtesten!


Tag 7 - Freitag 27.5.2016
Freier Tag - 0 km


Heute ist ein Tag zur freien Verfügung. Während viele der Biker sich alleine oder in kleineren Gruppen auf's Motorrad schwingen um eine Runde zu drehen, entscheide ich mich für einen Relaxtag an Strand. Dort komme ich gegen 10:00 Uhr an und stelle fest, dass direkt an der Stelle, wo ich sonst planschen war Unmengen der o.g. Knollen und anderes Zeugs im Wasser tummelt. Ich unternehme einen kleinen Spaziergang am Strand entlang. Ca. 500 Meter weiter wird das Waser glasklar und herrliche Klippen laden zum Verweilen aus. Hier gefällt es mir. Bleibe also dort - gucke Wellen und gehen baden. Zurück in Höhe des Hotels - nur wenige Menschen sind am Strand - suche ich mir eine der Liegen zum Sonnenbad. Am Nachmittag gehe ich noch ein wenig an den Pool und mache einen Rundgang ums Hotel. Eigentlich wollte ich noch eine kleine Tour zu einem 30 km entfernten kleinen Hafenort unternehmen, aber so richtig will ich nicht in die Pötte kommen und lasse das Ganze einfach bleiben. Leider wird es morgen schon wieder in Richtung Fähre nach Porto Torres gehen und die schöne Zeit auf der Insel neigt sich zum Ende.


Tag 8 - Samstag 28.5.2016
Hotel - Porto Torres - 260 km


Es heißt Abschied nehmen. Am letzten Tag auf Sardinien stehen noch einmal 260 km zur Fähre in Porto Torres auf dem Programm. Diesmal wählt Larry eine Tour entlang der Nordost- und Nordküste der Insel. D.h. wir bewegen uns die Hälfte des Tages vorbei an der Costa Smeralda, der Gegend mit den meisten und luxeriösesten Hotels und der schönsten Strände Sardiniens. Vorbei an etlichen kleinen Buchten und traumhaft gelegenen Luxushotels jeglicher Preisklasse rollen wir in eher gemütlichem Tempo Richtung Norden.

Natürlich hat Larry noch ein Ass im Ärmel - den Besuch des "berühmten" Elefantenfelsens ca. 50 km vor Porto Torres. Schon von weitem ist dieses grazile Gebilde sowie eine Heerschar von Touris zu erkennen. Aus einer Entfernung von etwa 100 Metern sieht der Felsen wirklich so aus, als stünde ein Elefant direkt am Straßenrand. Zum Glück verziehen sich die Touris bald in ihren Bus, sodass wir genügend Zeit haben ein paar Erinnerungsfotos zu schießen.

Die restlichen 50 km vergehen wie im Flug - wir sind schon gegen 16:00 Uhr in Porto Torres. Wir fahren einen Supermarkt an, um Getränke und kleine Snacks zu kaufen. Noch kurz Tanken, ehe Larry zielsicher eine kleine Bar ansteuert. Um 17:00 Uhr treffen sich alle Gruppen auf einem kleinen Parkplatz in der Nähe der Fähre. Kurz darauf kommt Unruhe auf, alle setzten sich in Bewegung und nehmen Stellung vor der Fähre ein. Das dauert jedoch nicht lange, dann kehrt die ganze Truppe zum Parkplatz zurück. Irgendwas ist wieder mal anders als immer ! Nadja verteilt jetzt die Bordtickets und wir unternehmen den zweiten Versuch auf die Fähre zu kommen. Diesmal klappt es dann auch. Wieder werden wir an den Seitenrand der Fähre beordert und können die Bikes an den schon erwähnten topdreckigen Schürsenkel verzurren.

Nach den Duschen in der Kabine gönne ich mir erstmal das im Supermarkt gekaufte Baguette und leckeren Käse - dazu ein Bier. Die restliche Zeit bis zum Auslaufen verbringen die meisten auf Deck. Danach in die Lobby, denn das Endspiel der Championsleague beginnt um 21:00 Uhr. Ich finde das Spiel mehr als grottig und endschließe mich noch während der Verlängerung in die Koje zu klettern. Die Wetterapp auf dem Handy verspricht für den morgigen Rückreisetag von Genua nach Waldshut viel Regen. Wollen wir mal hoffen, dass sich die Wetterfrösche wie so oft irren.


Tag 9 - Sonntag 29.5.2016
Genua - Waldshut - 475 km


Tag der Leiden. Nach dem Weckruf des Bordlautsprechers will ich am liebsten liegen bleiben. Ich ahne was heute auf mich zukommt. Und meine Vorahnungen werden spätestens beim Betreten des Decks bestätigt. Wir sind zwar noch eine ganze Ecke vom Zielhafen in Genua entfernt, aber es regnet von Allerfeinsten. Da werden wohl die Ganzkörperkondome zum Einsatz kommen. So ziehe ich mich das Ding bereist in der Fähre über - wie fast alle Biker. Wir haben vereinbart, dass wir den größten Teil der Strecke mit Larry und Nadja zusammen fahren. Als wir das Schiff verlassen hat der Regen natürlich aufgehört. Der Himmel schaut jedoch nicht sehr vertrauenserweckend aus und so behalte ich die Regenteile an.

Die letzte Rast bedeutet auch gleichzeitig Abschied zu nehmen. Larry, Nadja und die restlichen 4 Leute müssen noch bis ins Saarland - Uwe, Babette und ich wollen bis in den Schwarzwald. Ich programmiere das Navi und genau um 17:00 Uhr rollen wir in Waldshut über die schweizerisch-deutsche Grenze. Da meine Tochter und ihr Mann erst gegen 19:00 Uhr von einem Wochentrip aus Flensburg zurückkommen, bin ich allein in der Wohnung. Klamotten runter, Wanne einlassen - Relaxen. Steffi und Jan kommen 18:30 Uhr und wir bestellen Pizza. Das war's dann wohl mit der diesjährigen Wochentour

Die nächsten 3 Tage bleibe ich noch in Waldshut. Schaue mir mit Steffi Bad Säckingen an, wo wir in einem kleinen Einkaufscenter das beste Eis lecken, was mir im letzten Jahr unter die Zunge gekommen ist. Am Mittwochabend erfreuen wir uns am wirklich guten Speisenangebot des Mexikaners in Tiengen.

Donnerstag bin ich schon auf dem Weg zur älteren Tochter nach München. Wie durch ein Wunder werde ich während nicht Nass. In München erwartet mich Franziska. Der Enkel kommt erst am Freitag von Klassenfahrt. In der Schule ist ab 13:00 Schulfest. Joshi begrüßt uns herzlichst ehe er die zahlreich angebotenen Sportgelegenheiten nutzt. Samstag begleiten wir Franzi zum Bayerischen Schwesternfest ihrer Schwesternschaft. Sie ist 10- jährige Ehrenschwester und erhält aus den Händen der Generaloberin eine Anstecknadel mit Bergkristall. Woran erinnern mich nur die diversen Reden und Lobgesänge ? Am Sonntag sind wir den ganzen Tag auf einem Sportplatz zu finden und schauen Joshi beim Leichtathletik-Wettkampf zu. Coole Sache - er macht den dritten Platz, obwohl er bei den eine Jahr älteren an den Start geht.

Montag heißt es endgültig Sachen packen für die Heimfahrt nach Halle. Ich programmiere eine Route ohne Autobahn ins Navi und werde nicht enttäuscht. Die Fahrt durch die ländliche Gebiete Bayerns, Franken und Thüringens ist ein Genus. Um 16:00 Uhr bin ich in Halle und Heike wartet schon auf mich. Abends grillen wir noch mit Dani und Thomas – Supi.

Wie fast jedes Jahr, lasse ich die Tour revuepassieren, zeige Heike, Dani und Thomas schon mal das Video von Larry, sowie einige Fotos von mir. Was wird das nächste Jahr bringen ? Eigentlich steht mal wieder eine Tour mit den Wörmlitzbikern an, nachdem ich im letzten Jahr aus planungstechnischen Gründen nicht dabei war und Frank, Jens und Ronald dieses Jahr mit ihren Frauen auf Harley-Florida-Tour im November gehen. Im nächsten Jahr hat man wohl schon gemeinsamen Motorrad-Jahresurlaub mit den Frauen in den Alpen geplant. Das war's dann wohl mit den Wochentouren der wörmlitzer Biker. Werde mich also nach einer schönen Tour (evtl. mit Reisen und Erleben Motorradreisen) umschauen müssen. Denke so an Pyrenäen oder Route Napoleon. Mal schaun - vielleicht finde ich ja auch noch was ganz Anderes.

Bilder Sardinien



Opa Olaf im Juni 2016