OO-CC T2015 0117
2015-Tour

2015 Wild Atlantic Way


In diesem Jahr ist alles anders. Die Wörmlitzbiker, mit denen ich die letzten 6 Jahre auf Wochentour durch halb Europa unterwegs war, haben keinen Plan wann und wo es 2015 hingehen soll. Während der 2014-er Tour hatten wir zwar mal wieder eine Norwegentour ins Auge gefasst, aber ich habe mich absichtlich mal ein wenig zurückgenommen, was die Organisation und Vorbereitung anbelangt. So passt es Anfang des Jahres ganz gut, dass ich Jens, einen ehemaligen Kollegen treffe, der sich mit dem Gedanken trägt, ein neues Bike zu kaufen mit dem er dann auch auf große Tour gehen möchte. Da er großer Freund der nordischen Länder ist, kommen wir schnell zu dem Entschluss, eine Tour durch Irland zu machen. Er hatte bei früheren Reisen gute Erfahrungen mit dem Reiseveranstalter „Trolltours“ gemacht, der sich speziell mit Angeboten für Nordeuropa einen Namen gemacht hat. Ich kontaktiere die Firma über ihre Webseite und fordere ein individuelles Angebot an. Rahmenbedingungen sollen sein:

 Anreise/Abreise per Fähre nach England-Irland
 Tagesetappen ca. 250-300km
 Unterbringung in Mittelklassehotels
 Zeitrahmen 14 Tage.

Es gehen dann mehrere Emails hin und her, bis eine optimale Variante gefunden wird. Alles sehr kompetent und professionell – ich kann diesen Veranstalter wärmstens weiter empfehlen. Jens kauft sich dann im April eine nagelneue BMW1200RT und wir unternehmen im Mai eine schöne Tagestour durch den Harz. Alles perfekt und so kann es im Juli auf Irlandtour gehen. Genauer gesagt ist unser Ziel der „Wild Atlantic Way“ – eine der längsten und schönsten Küstenstraßen der Welt – das sagt zumindest die Werbung, die ab und zu auch im TV zu sehen ist. Die Länge beträgt ca. 2500 km und führt entlang der irischen Westküste.

Im Juni treffen die kompletten Reiseunterlagen ein. Alles so wie geplant – Anreise mit der Fähre von Rotterdam nach Hull – Zwischenstopp in Schottland – weiter mit der Fähre nach Belfast – dann die Causeway Coastel Route an der nordirischen Küste entlang – weiter auf dem WAW (Wild Atlantic Way) in Richtung Süden bis Cork – dann nach Dublin – mit der Fähre nach Holyhead (England) – Zwischenstopp in Sheffield – mit der Fähre von Hull zurück nach Rotterdam und dann Richtung Heimat mit eventuellem Stopp in Deutschland. Inklusive der An- und Abreise kommen bestimmt knapp 5000 Kilometer zusammen. Alle Fähren und Hotels sind wie gewünscht gebucht - Perfetto ! Die nachfolgende Karte zeigt die Tour. Der Übersichtlichkeit wegen, verzichte ich aber auf die Anreise/Abreise Halle-Rotterdam.

Ich treffe noch einige Vorbereitungen für die Reise. Zunächst wird das Bike mit einer höheren Touringscheibe ausgestattet. Da Irland für das wechselhafte Wetter bekannt ist, gibt es auch noch eine Regenkombi, die auf den bisherigen Touren nicht nötig schien – obwohl ich die im letzten Jahr sehr gut gebraucht hätte. Ein neuer Hinterreifen wird auch aufgezogen und die 30-tausender Durchsicht, eine Woche vor Tourstart, gibt mir ein ruhiges Gewissen, alles Notwendige getan zu haben um ohne Defekt wieder heil zu Hause anzukommen. Da mir der Vorderreifen so ausschaut, als ob er die 5000 km nicht überstehen wird, fahre ich sicherheitshalber zu meinem Reifendealer, damit der sich die Sache mal anschaut. Er gibt aber grünes Licht und meint, dass ich damit noch locker 7000 km komme. Nun gut seine Worte in Gottes Gehörgang. Jens spendiert seiner neuen BMW noch ein NAVI und ich erstelle für jeden Tag eine Route, die alle Highlights berücksichtigt. Brenne die Tracks auf USB-Stick und wir wollen dann jeden Tag die aktuelle Route aufs NAVI laden. Bin gespannt, ob das auch so klappt.


Tag 1 – 19. Juli - Halle – Rotterdam – 665 km

Die Fähre geht 20:30 Uhr und wir müssen spätestens eine Stunde vor dem Auslaufen in Rotterdam sein. Wir einigen uns auf die Abfahrtzeit 8:00 Uhr ab dem Rastplatz Rhonetal auf der A38 Richtung Göttingen. Das heißt für mich, um 6:30 Uhr Aufstehen. Heike macht ein leckeres Frühstück während ich die Maschine sattele. Start 7:30 Uhr – Wetter schaut ganz passabel aus. Die Vorhersagen sehen jedoch reichliche Schauer im Raum Göttingen vorher und so können wir nur hoffen, dass es uns nicht zu sehr treffen wird. Bin kurz vor acht am Treffpunkt, wo Jens wenig später auch eintrifft. Es kann also losgehen. Wir kommen keine 30 km weit, da beginnen die angekündigten „Schauer“, welche sich alsbald in wolkenbruchartige Entleerungen des Himmels verwandeln. Unter einer Autobahnbrücke stoppen wird daher und es kommen erstmals die Gummi-Ganzkörper-Kondome zum Einsatz. Spätestens als wir an Göttingen vorbeifahren, erweist sich diese Entscheidung als richtig – es schüttet aus Kübeln. Zu unserem Glück werden die Schauer aber immer weniger je mehr wir nach Westen vorstoßen.

Als wir gegen 15:30 Uhr am Fährterminal in Rotterdam eintreffen scheint die Sonne – ein Zeichen für die Tour? Der gesamte Hafenbereich von Rotterdam erstreckt sich über eine Länge von 30-40 Kilometer und macht einen mehr als imposanten Eindruck – gefühlt passt der gesamte Hamburger Hafen dort fünfmal rein – einfach kolossal ! Das bedeutet aber gleichzeitig, dass wir eine kleine Ewigkeit brauchen um endlich am Terminal der Fährlinie P&O Ferries anzukommen, da der Verkehr enorm ist. Endlich angekommen, entledigen wir uns der Regenüberzieher und erfahren am Terminal zu unserer Überraschung, dass bereits ab 16:30 Uhr Checkin möglich ist. Das bedeutet – wir sind wenig später bereits auf der Fähre und verzurren unsere Bikes. Das geht wesentlich leichter als vor 6 Jahren auf der Kiel-Oslo-Fähre. Hier liegen zentimetergenau funktionsfähige Spanngurte für jedes Bike bereit, was das Arretieren der Bikes zu einem Kinderspiel werden läßt. Das das sogar noch besser geht, werden wir während unserer Tour noch erleben.

Jetzt geht es erstmal ab in die Kabine – Klamotten aus – duschen – rauf aufs Sonnendeck – 2 Pints Guinness bestellen. Der Preis hat sich gewaschen – 14 €uronen sind fällig. Da das Wetter sich jetzt von der allerbesten Seite zeigt, genießen wir die Zeit bis zum Abendessen auf dem Sonnendeck. Im Fährpreis enthalten ist Abendessen und Frühstück im Grand-Buffet-Raum. Das testen wir gegen 19:30 Uhr und werden nicht enttäuscht. Für jeden Geschmack ist etwas im Angebot. Nach dem Essen geht’s nochmal aufs Deck und weitere Pints finden den Weg ins Ziel. Morgen heißt es früh aufstehen, denn um 8:00 Uhr ist Ankunft in Hull. Stellen den Wecker auf 6:00 Uhr und hoffen auf eine ruhige Nacht. Ich habe jedoch Probleme mit dem relativ lauten Gebrumme des Schiffsdiesels und der einigermaßen unruhigen See. So wird es eine durchwachsene Nacht.


Tag 2 – 20. Juli – Hull - Dumfries - 352 km


Der Wecker holt uns pünktlich aus den Betten der kleinen Innenkabine. Zum Pennen völlig ausreichend, wenngleich die Unterbringung der Motorrad-Taschen und Klamotten nicht ganz so trivial ist. Das meiste landet unter meinem Bett. Am Buffett steht schon eine kleine Schlange hungriger Passagiere, die auf die Öffnung um 6:30 Uhr warten. Nach dem Vorzeigen der Bordkarten werden wir vom Personal an einem hübschen Zweiertisch platziert. Genauso wie das Abendessen werden wir vom sehr reichhaltigen und vielfältigen Angebot überrascht. Natürlich typisch Englisches Frühstück, aber auch leckere Brötchen, Käse, Kocheier, Rühreier, Spiegeleier, Joghurt, Müsli, Kuchen, Pencakes u.v.m. Das wird wohl das letzte Frühstück in dieser Art für die nächsten 14 Tage sein. Können nur hoffen, dass die Kameraden auf der Insel sich ggf. den kontinentalen Essgewohnheiten ein wenig angepasst haben. Schaun wir mal.

Zurück in der Kabine warten wir auf die Durchsagen des Bordfunks, der zu unserer Überraschung nicht nur in Englisch und Holländisch, sondern auch auf Deutsch ertönt. Kurz vor Acht werden wir aufgefordert uns aufs Deck mit unseren Fahrzeugen zu begeben. Das Rerangele mit voller Montur und den ganzen Koffern gestaltet sich auf den engen Gängen der Fähre zu einer schweißtreibenden Angelegenheit und wir sind froh kurz danach die Fähre verlassen zu können. Hinter dem Terminal biegen wir noch mal kurz auf einen kleinen Parkplatz ab, um das Navi Richtung Schottland scharf zu machen.

Im Vorfeld hatte ich zwei verschiedene Routen ausgesucht. Die erste entlang der englischen Ostküste über Scarborough und Newcastle und die zweite über York und den Lake District National Park. Wir entscheiden uns für die zweite Variante, da wir hier bessere Möglichkeiten haben bei Verspätungen auf die Autobahn auszuweichen. Außerdem zählt der Lake District zu den schönsten Gegenden Englands.

Dann geht es langsam los. Wir haben Linksverkehr und ich bin erstaunt, wie schnell ich mich daran gewöhne. Das liegt aber sicher auch daran, dass Jens schon mal in England, Schottland und Malta war und somit über einige Erfahrung verfügt. Da ich nur hinterher fahre, bilden wir schnell ein perfektes Team. Hull ist natürlich ebenfalls ein riesiger Fährhafen und so dauert es doch eine ziemliche Zeit, bis wir dem Hauptverkehr entfliehen können. Erster größerer Ort ist York. Die Fahrt bis dorthin erinnert teilweise an Mäc-Pommsche Pampa. Kaum in York angekommen fährt Jens links ran und fuchtelt an seinem Bordcomputer rum. An der „BeEmDabbelju“ wird nämlich so gut wie alles überwacht. Und das Ding meldet „Reifendruck hinten zu gering“. Anstelle von 2.8 sind es nur 2.0 was so viel bedeutet, dass wir an der nächsten Tanke ein wenig aufpumpen müssen. Die ist natürlich Dank des BMW-Navis schnell gefunden – Kurz mal eingeben „Suche nächste Tanke“ und wenig später sind wir schon da. Aber hier ist es wieder mal nicht so wie zu Hause. Es werden 50 Pence fällig – nur mit Automat geht das hier. Kaufen im Supermarkt, der an jeder Tanke zu finden ist etwas zu trinken und wechseln Geld. Nachdem wir wieder 2.8 auf dem Reifen haben, gibt das Ding immer noch keine Ruhe – es geht wieder etwas runter mit dem Druck. So untersuchen wird den Reifen etwas genauer und stellen fest, das sich genau in der Mitte ein Nagel eingefahren hat. Damit geht es natürlich nicht weiter. Also wieder Navi befragen „Wo ist die nächste BMW-Werkstatt ?“ Auch hier kennt das Ding die Lösung – keine 10 Meilen weiter in einem Gewerbegebiet. Die Werkstatt von „Paul Robsen“ ist somit schnell gefunden und der super nette Chef meint „That’s no problem“. Die direkt nebenan gelegene Reifenwerkstatt zieht innerhalb von 30 Minuten einen nagelneuen Schlappen auf. Wir sind froh, dass es so komplikationslos ging und können kurz nach zwölf unsere Fahrt fortsetzen.

An der Gegend ändert sich nicht wirklich viel. Besser wird es erst, als wir in die Nähe des Lake District kommen. Schon von weitem sind die großen Bergketten der Cumbrian Mountains am Horizont zu erkennen. Die Berge haben deutsches Mittelgebirgsniveau bei Höhen zwischen 600 und knapp 1000 Metern. Erstes Ziel der Region ist der Ort Windermere. Hier beginnt auch Englands gleichnamiger größter See. Sorgen macht uns jedoch der sich mehr und mehr ins dunkelgrau einfärbende Himmel, je näher wir den Bergen kommen. Das ist nicht unbegründet, denn als wir die ersten kleinen Bergketten erreichen beginnt es zu regnen. Die Regenbekleidung muss her, da auch die weiteren Aussichten bis zum Ziel in Dumfries nicht besser werden. So gestaltet sich die Fahrt durch den Lake District als Schlacht mit den Naturgewalten. Je höher wir kommen, desto stärker regnet es und hinzu kommt Nebel. So wird es nichts mit den erwarteten genialen Aussichten. Lediglich ein kurzer Stopp am Windermere See ist drin. Hier läßt sich erahnen, wie schön diese Gegend bei Sonnenschein ist. Die Straßen sind zum Teil nur 3 Meter breit und werden, typisch für diese Gegend, auf beiden Seiten von ein Meter hohen Trockenmauern umrahmt. So sehen wir also wirklich kaum etwas und sind froh als wir in etwas flacheres Terrain kommen, da hier die Straßen wieder normale Breite haben und auch der Regen etwas nachlässt. Das folgende Bild aus Wikipedia zeigt, wie schön es hätte sein können.

Irgendwann überschreiten wir dann auch die imaginäre schottische Grenze und als der Regen aufhört rollen wir um 17:30 Uhr beim altehrwürdigen Cairndale Hotel in Dumfries vor. Die Bikes können wir unter einem kleinen Dachüberstand parken. Von außen eher klein wirkend, entpuppt sich das Hotel als regelrechtes Labyrinth. Wir sind mit unseren vielen Klamotten gefühlte 200 Meter in kleinen Gängen mit etlichen Feuertüren unterwegs ehe wir das Zimmer erreichen. Highlight ist das Bett – 1.40 Meter breit mit einer Bettdecke – und Pfosten wie ein Himmelbett. Das wird bestimmt eine lustige Nacht. Alles andere aber super – großes Bad und wir in allen kommenden Hotels üblich Wasserkocher inkl. Kaffee, Tee, Zucker und Mich zur kostenlosen Bedienung – Klasse.

Jens macht sich sofort ans Käffchen kochen und ich schlüpfte unter die Dusche. Dieses Ritual wird sich die kommenden 14 Tage täglich wiederholen. Ein Stündchen später gehts zur Stadtbesichtigung, die allerdings nicht viel zu bieten hat. Straßen fasst lehrgefegt und auch architektonisch nicht gerade der Brüller. Da sich bei mir so langsam Unterhopfung einstellt suchen wir einen netten Pub, den wir auch wenig später finden. Die Speisekarte ist sehr übersichtlich. Wir nehmen jeder einen Burger, den sie hier wirklich gut hinbekommen. Das Ganze begleitet von einigen Pints of Guinness. Zurück im Hotel gibt es noch ein Guinness als Absacker und wenig später liegne wir im Himmelbett. Die Nacht wird doch ganz gemütlich - ich schlafe wie ein Murmeltier auch das Fehlen einer zweiten Zudecke ist kein Problem.


Tag 3 – 21. Juli – Dumfries - Belfast - 210 km


Der heutige Tag wird sicherlich zu einem der entspannteren werden, da nur rund 200 km vor uns liegen. Ziel ist Belfast in Nordirland und das bedeutet wir peilen den Fährhafen in Cairnryan an. Die ausgewählte Route führt uns immer in Richtung Süd-West möglichst nah am Meer lang. Sehr schön ist die Strecke zwischen Dalbeattie und Kirkcudbright, wo im Hafen aufgrund von Ebbe viele Boote im Schlamm liegen und auf die Flut warten. Da die Fähre bereits um 15:30 Uhr ablegt und wir spätestens eine halbe Stunde vorher da sein müssen, wird nicht groß gebummelt. Gegen 13:30 Uhr gönnen wir uns jedoch eine halbe Stunde Pause in dem kleinen Fischerdörfchen Port William. In einem kleinen Imbiss schnabulieren wir jeder ein leckeres Sandwich und eine Cola. Das süße Dörfchen hat einen netten kleinen Hafen, indem die Boote wieder im Schlamm liegen und die Flut warten. Die setzt gerade ein und es ist imposant zu schauen, wie schnell das Wasser steigt. Leider können wir das Schauspiel nicht bis zu Ende beobachten, denn die Fähre legt sicher auch ohne uns ab.

Wir erreichen Cairnryan pünktlich und beim Reinrollen ins Parkdeck erwartet und ein kleine Überraschung. Für jedes Motorrad steht ein Servicemann bereit, weist uns ein bis wir passgenau auf dem zugewiesenen Platz stehen und das war’s dann auch schon. Das verzurren der Maschine übernehmen die Jungs. Prima Service finden wir. Das wir die ersten auf der Fähre sind, sitzen wir keine 5 Minuten später in der vordersten Reihe des Schiffsrestaurants und entledigen und der Jacken. Die restlichen britischen Pfund werden in 2 Cidre investiert. Die Überfahrt nach Dublin dauert nur knapp zweieinhalb Stunden.

Danke des Navis ist schon wenig später das Days Hotel gefunden. Das scheint bei einigen Reisebusunternehmen sehr beliebt zu sein. Vor dem Eingang mehrere Busse aus Good Old Germany. In der Lobby komme ich vor lauter deutschen Touris kaum bis zur Rezeption. Nach einiger Zeit ist es dann doch geschafft und ich bin im Besitz der Checkkarten fürs Zimmer. Auf dem Weg nach draußen, wo Jens derweil eine Zigarette durchgezogen hat (oder 2 oder 3) quatscht mich noch ein Ehepaar aus Deutschland an. Sie fragen ob wir wirklich mit dem Bike bis hierher gefahren sind und sind ganz ungläubig, als ich ihnen erkläre, dass die Reise jetzt erst richtig losgeht. Sie kamen gerade aus Dublin und sind vom Hotel ziemlich enttäuscht – in Dublin hätten sie in einem wunderschönen Hotel geschlafen. Uns ist das ziemlich schnuppe, denn wir brauchen das Zimmer eigentlich nur zum Duschen und Schlafen.

Unser Zimmer ist im neunten Stock. Auch hier wieder der gleiche Rhythmus – Jens macht Kaffee während ich schon mal dusche. Der erste Blick aus dem Fenster offenbart, was der nachfolgende Stadtrundgang bestätigen wird. Belfast ist ein Drecknest. Hinter dem Hotel eine wahre Müllhalde. Die meisten Gebäude farblos und nicht mehr in bestem Zustand. Ich frage mich, ob das alles noch Auswirkungen des Bürgerkriegs Ende der 60-er Jahre zwischen den katholischen und protestantischen Bevölkerungsgruppen der Stadt sind, wo die IRA maßgeblich beteiligt war. Eine Stunde reicht aus und wir haben genug gesehen. Ein netter Pub wir gesucht, indem wir die üblichen Pints bestellen. Auch das Essen ist prima. Ich trinke erstmals ein Smithwick‘s und bin schwer begeistert. Es wird für die restlichen Tage der Tour zu meiner bevorzugten Standardmarke. Der Weg zum Hotel zurück ist kurz und in der Lobby gibt’s noch Guinness für Jens und für den Opa Smith…– ihr wisst schon.


Tag 4 – 22. Juli – Belfast - Letterkenny 255 km


Der Tag beginnt mit einem guten Frühstück, welches heute sogar Brötchen und eine kleine Auswahl von Käsesorten enthält. Wir vermuten, dass dies nur der Fall ist, weil mehrere deutsche Reisegruppen eingescheckt haben. Uns soll’s Recht sein. Zusätzlich natürlich das typische englische Frühstück. Ein riesiger Toastautomaten steht zur Verfügung, in dem bis zu vier Scheiben parallel auf eine Art Fließband gelegt werden um nach einigen Augenblicken eine Etage tiefer wieder rausgeschossen kommen. Trotzdem bilden sich kleinere Schlangen vor dem Teil. Bloß gut, dass wir vor den hunderten Bus-Touris im Speiseraum sind.

Das Packen der Maschinen hat sich nach 4 Tagen bereits zur Routine entwickelt. Nur das leidige Schleppen vom Zimmer bis zum Parkplatz ist immer eine schweißtreibende Angelegenheit. Das Wetter ist heute gut und so bleiben die GKK (Ganz-Körper-Kondome) im Koffer. Zunächst gilt es dem morgendlichen Berufsverkehr in Belfast zu entkommen. Wie in ganz England, sind auch hier kaum Kreuzungen zu finden, da man total auf Kreisverkehr setzt. Wir lernen das zu schätzen, rollt doch der enorme Verkehr ziemlich flüssig. Hier sollten sich die deutschen Kommunen und Städte mal ein Beispiel nehmen. Die Chance ist jedoch sicherlich nicht sehr groß, da natürlich in Germany alles mit sauteuren Ampelsystemen gelöst wird und wir ohnehin die Größten sind – jetzt aber Schluss mit dem Sarkasmus – weiter mit dem Wesentlichen.

Wir brauchen eine Stunde um Belfast zu entfliehen. Wir fahren auf der Causeway Coastel Route, die in vielen Reiseführern ebenfalls als eine der schönsten Küstenstraßen angepriesen wird. Hauptattraktion ist Giant’s Causeway, eine aus über 40.000 sechs bis achteckigen Basaltsäulen bestehende Felsformation in der Nähe des Städtchens Bushmills, wo der gleichnamige Whisky gebrannt wird. Wir passieren Larne, wo ebenfalls Fähren von Cairnryan ankommen. Ärgern uns ein wenig, da diese Fährlinie uns Belfast erspart hätte und wir die mehr Zeit für den Rest des heutigen Tages hätten. Kann also nur allen Nordirland-Irlandreisenden diese Möglichkeit empfehlen.

Das Wetter entwickelt sich zum Besten - Sonnenschein und ca. 20°C – in Ballycastle legen wir das erste Päuschen ein. Gepflegte Grünanlagen und Wege sowie herrliche Blumenampeln in der ganzen Stadt geben der Hafenstadt mit angrenzendem Golfresort ein mondänes Angesicht. Keine halbe Stunde ist wieder ein Stopp angesagt. Wir werden mit einem herrlichen Blick auf die Carrick-a-Rede Rope Bridge und den damit verbundenen Felsen im Meer belohnt. So kann’s weiter gehen – macht’s aber leider nicht. Das bedeutet, dass wir wenig später durch das typisch irische Wetter überrascht werden. Und das genau zu der Zeit, als wir am Giant’s Causeway ankommen. Zu allem Übel sind alle Parkplätze hoffnungslos überfüllt und selbst auf den Zufahrtsstraßen stehen wir im Stau. Kurzerhand beschließen wir weiterzufahren.

Vorbei an Portrush und Portstewart peilen wir die Fähre Greencastle-Magilligan an, da wir die nördlichste Spitze Irlands – Malin Head anschauen möchten. Gegen 14:30 Uhr erreichen wir die Fähre und nach einer kurzen Wartezeit geht’s los. Die Bikes dürfen wie immer als erste aufs offene Deck. Der Wellengang ist ganz ordentlich und durch die Klappe am Bug schwappt lustig das Wasser rein. Mir wird ein wenig mulmig, da ich unwillkürlich daran denke, daß unser Teil hier die „Estonia“ macht – irische Fähren sind irgendwie anders und das scheint keinen außer uns zu interessieren. Die Überfahrt dauert aber nur 20 Minuten. Wir checken noch mal das Navi, mit dem Ergebnis, dass es bis Malin Head noch eine ziemliche Strecke ist, um noch zu christlicher Zeit in Letterkenny anzukommen. Von der Fähre hatten wir einen herrlichen Blick zum Leuchtturm „The Lighthouse“ und beschließen daher dorthin noch einen kleinen Abstecher zu machen und Malin Head nicht zu besuchen. Die 5 Kilometer sind schnell geschafft. Der Parkplatz direkt neben dem Leuchtturm ist so gut wie leer. Ein schmaler Weg führt zu einer kleinen Bucht. Am Strand sehen wir nur eine Familie mit Kindern, sonst nur Natur. Zurück auf dem Parkplatz rollt ein Reisebus mit deutsch-österreichischen älteren Leuten vor. Sie bestaunen unsere Bikes, während ein Österreicher ganz stolz erzählt, dass er ja eigentlich auch Biker ist. Ich frage ihn, warum er dann hier mit nem Rentnerbus unterwegs ist. Er deutet heimlich auf die Angetraute … Armer Mann !

Entlang des Lough Foyle, an dessen Ende sich die Stadt Londonderry / Derry befindet, folgen wir der R238 in südwestlicher Richtung bis Maff, wo wir auf die R239 abbiegen. Nun sind es nur noch knapp 30 km bis wir Letterkenny sehen. Gleich hinter dem Ortseingang finden wir das „The Mount Errigal Hotel“. Ein elegantes in typisch irischer Backsteinbauweise gebautes Hotel. Unser Zimmer ist sehr groß und mit 2 jeweils 1.60 Metern breiten Betten ausgerüstet. Nach dem üblichen Ritual steht eine Stadtbesichtigung an. Vorher holen wir an der Bar jedoch noch ein Guinness und ein Smithwick’s und setzen uns gemütlich auf die sonnenüberflutete Terrasse.

Die City ist ein ganzes Stück entfernt. Nach 30 Minuten sind wir dort. Der eigentliche Stadtkern ist eine schmale ca. 1 km lange Geschäftsstraße, wo sich Pubs, Friseure und kleine Klamottenläden ablösen. Es gibt’s bestimmt so viele Friseure, wie in ganz Halle zusammen. Hoch über der City ragt eine große Kirche mit reichlich Nebengelass - alles sehr gepflegt. Wir bummeln langsam zurück. In unmittelbarer Nähe eines Einkaufszentrums finden wir eine nette Kneipe in der Fish&Chips zum Angebot gehören. Jens nimmt so ein Teil, während ich mal wieder einen Burger verdrücke. Durchaus lecker und preislich um die 12,- €uronen. Bei herrlichem Sonnenschein schlendern wir zum Hotel zurück, wo wie üblich per WIFI die neuesten Infos mit Verwandten und Freunden austauschen. Das Ganze natürlich bei gleichzeitiger Begutachtung der hiesigen Qualität von Guinness und Smithw... Ihr wisst schon. Der erste Tag auf dem WWW liegt hinter uns.


Tag 5 – 23. Juli
Letterkenny - Enniscrone - 345 km


Das Wetter zeigt sich heute von seiner besten irischen Seite. Wir suchen die N56, die in nördlicher Richtung zum Atlantic führt und die wir heute die meiste Zeit befahren werden. Sie ist in County Donagal, in dem wir uns gerade befinden Teil des WWW. Die Beschilderung des WWW ist übrigens genial und nahezu perfekt. Die Hauptroute wird auf einem braunen Schild mit WWW und nachfolgendem (S) oder (N) dargestellt. „S“ steht dabei für South und „N“ natürlich für North, je nachdem in welcher Richtung man die Route befährt. Kleinere Sehenswürdigkeiten links und rechts der Hauptstrecke werden auf etwas kleineren braunen Schildern mit einer kleinen Welle gekennzeichnet, sowie dem Namen. Es ist nahezu unmöglich sich zu verfahren, was so viel bedeutet, dass Navi und Karte fast unnötig sind.

An der Küste in Dunfanaghy angekommen verläuft die N56 meist entlang der Küste. Hinter jeder Kurve bieten sich einzigartige Panoramen und man möchte ständig anhalten und nur staunen. Bei Gortahork verlassen wir kurz die N56, um näher am Meer zu fahren. Prompt werden wir mit wunderschönen Ausblicken belohnt. Bedingt durch den Golfstrom, sind hier auch im Winter selten Temperaturen unter null Grad Celsius zu erwarten. Dadurch wachsen zu meinem Erstaunen in vielen Gärten Palmen mit bis zu 5-6 Metern Höhe. Durch den häufigen Wechsel von Regen und Sonne sind alle Wiesen in sattem Grün zu bewundern. Der Kontrast zum azurblauen Meer macht die Insel einzigartig.

Die nächste angepeilte Station sind die „Sleave League“ – Irlands höchste Klippen am Atlantik. Dazu verlassen wir wieder mal die N56 kurz nach Edergol. Die Sleave League gehören mit 600 Metern zu den höchsten Klippen Europas und werden nur noch von einigen auf den Achill Islands (da kommen wir hoffentlich in 3 Tagen hin) und einigen in Norwegen übertroffen. Kurz nach zwölf sind wir dort und stellen fest, dass der Reiseführer nicht zu viel versprochen hat. Wir können uns nicht satt sehen, so einzigartig ist die Gegend.

Wieder auf der N56 geht’s kurz nach Donagal auf die N15 bis wir drehen in Ballyshannon einige Extrarunden drehen, ehe sich das Navi von Jens wieder einbekommen hat. In Cliffony biegen wir auf die R279 in Richtung der Halbinsel Mullaghmore. Sie ist nicht sehr groß und so umrunden wir sie kurzerhand. Einige kurze Stopps sind immerhin drin um Fotos zu schießen. Immer weiter in Richtung Süden auf der N15, die in Sligo in die N4 mündet. Nur wenig später biegen wir auf die N59, die uns bis zum heutigen Ziel, dem „Diamon Coast Hotel“ in Enniscrone bringt. Der riesige Komplex liegt direkt zwischen einem Golfplatz und großen Caravan – Camp, nur einige 100 Meter vom Meer entfernt. Wir beschließen daher vor dem Abendessen einen kleinen Gang zum Meer zu unternehmen. Auf einer kleinen Düne angekommen blicken wir dann auf ein riesiges Areal mit „Mobilhomes“, in dem viele Iren Ihren Sommerurlaub verbringen. Hat alles so ein wenig den Charakter deutscher Dauercampingplätze, nur dass die Teile dort so Maße von 12x3 Metern haben. Im Hotel zurück wird erstmal lecker gespeist. Danach suchen wir in der riesigen Lobby eine bequeme englische Ledercouch und es gibt – na Ihr wisst schon – Guinness und Schmith…..

Wir sind jeden Tag wieder aufs Neue überrascht wir sich das Leben in unseren Hotels abspielt. Die Bar bzw. Lobby ist meist riesig groß und es stehen sehr bequeme englische Ledergarnituren zum relaxen bereit. Überall sitzen Familien mit Kindern, spielen Karten oder tippen auf ihren Tabletts und Smartphone herum. Dabei scheinen die Kinder, ähnlich wie in Italien absolute Narrenfreiheit zu besitzen – das gesamte Mobiliar dient als großer Spielplatz, woran jedoch niemand Anstoß nimmt. Gegen 21:00 Uhr schleppt ein Musiker gesetzteren Alters sein Equipment in die Lobby. Ah – endlich gibt’s mal irische Musik um die Ohren. Gegen 22:00 Uhr geht’s los. Leider eher internationale Songs, die aus der Dose kommen. Der „Künstler“ spielt dabei Gitarre und versucht zu singen. Das geht aber zumindest heute gründlich schief. Die Iren scheint’s nicht zu stören – bald singt der halbe Saal fröhlich mit. Hoffen wir mal, dass sich die Qualität in den kommenden Tagen noch ein wenig verbessern wird. Halten es noch bis kurz nach elf aus, ehe wir uns ins Bett verkrümeln.


Tag 6 – 24. Juli - Enniscrone - Westport - 265 km


Gute 250 km versprechen vergnügliches Fahren am heutigen Tag. Leider fehlen heute die Brötchen beim Frühstück. Wir müssen also wieder die Toastautomaten bemühen. Dafür haben Sie aber leckere Sunny-Side-Up-Eggs – das sind bei uns Spiegeleier. Sogar schmackhafter Cheddar ist mal im Angebot. So wird’s doch noch ein super Start für den Tag. Nur kurze Zeit sind wir auf der R297, denn wir fahren wieder auf kleinsten Nebenstraßen möglichst nach am Meer. Es geht bis Ballina südwärts und ab dort wieder nordwärts auf der R314. Die verlassen wir aber wieder um am Meer zu bleiben. Erster Fotostopp ist der kleine Ort Killala mit einem schicken Hafen. In Castletown bestaunen wir eine riesige Sand-Landzunge, welche die Halbinsel Kilcummin fast zu Fuß erreichbar macht.

Einige Kilometer weiter holen wir doch mal die Karte raus, um zu schauen wo wir überhaupt sind. Bisher ging alles mit den vorprogrammierten Routen des Navi’s. Aber irgendwie spinnt das Ding ein wenig, sowie wir die Route verlassen. Da trifft es sich ganz gut, dass ein netter Ire gerade mal mit seinem Hund Gassi geht. Unsere Bitte uns mal auf der Karte zu zeigen nimmt er dankend an und wir kommen ins Gespräch. Er empfiehlt uns unbedingt den Besuch von Downpatricks Head, was wir dann auch schon wenig später erreichen. Auf dem großen Parkplatz ist nur ein Wohnmobil und ein Auto zu sehen. Ein weiteres kommt unmittelbar nach uns und parkt direkt neben mir. Vier deutsche steigen aus und wir kommen sofort ins Gespräch. Es stellt sich heraus, dass einer von ihnen ein Reiseleiter ist, der kleine Gruppen oder Familien individuell Irland zeigt. Er legt uns dringend ans Herz die 500 Meter bis zur eigentlichen Spitze von Downpatricks Head zu gehen – wer nicht dort war hat ein Highlight Irlands verpasst. Außerdem gibt er uns der Rat auf unserer weiteren Reise entlang des WWW nicht den Ring of Kerry zu fahren, sondern stattdessen lieber die Halbinsel Dingle zu besuchen.

So geht es also bergauf bis zur Spitze. Dort erwartet uns wirklich ein Ausblick den man so schnell nicht vergisst. Mitten im Meer ein riesiger Felsen, der ausschaut, als ob Oma eine Torte gebacken hätte. In kleinen Buchten geht’s senkrecht 100 Meter abwärts in den tosenden Atlantik. Der ganze Hügel bedeckt von satt grünen Moosen und Gräsern. Ich könnte hier noch Stunden verweilen. Ein wenig abwärts ist ein gigantisches Loch in der man es rauschen hört und das man von einer kleinen Aussichtsplattform besichtigen kann. Das Ding nennt sich Blowhole (dt. Blasloch) und ist im Sprachgebrauch und in der Geologie eine enge Öffnung am Ende einer Meereshöhle, die über die Höhlendecke hinauf ins Freie reicht. Ich bin schwer beeindruckt von dem Teil. Lt. dem deutschen Guide sollen dort zu früheren Zeiten die Engländer kurzen Prozess mit den Iren gemacht haben und einfach reingeworfen haben. Wir freuen uns, dass wir dem Rat des Iren und des Reiseführers gefolgt sind. Aber auch diesen schönen Ort müssen wir mal wieder verlassen.

Die R314 führt uns südwestwärts in Richtung Achill Island, einer Halbinsel die im Reiseführer ausdrücklich für einen Besuch empfohlen wird. Und auch hier werden wir nicht enttäuscht. Auf der Insel drehen wir eine schöne Runde. Einsame Buchten laden hier zum Verweilen ein. Wieder auf der R319 treffen wir in Mallaranny auf die N59 und sind gegen fünf im „Westport Coast Hotel“.

Es liegt eingebettet in einer wunderschönen Häuserfront aus altem Stein. Wir zeigen wie üblich unsere Voucher vor und bekommen ein Zimmer in der ersten Etage. Unsere Bikes können wir auf dem hoteleigenen Parkplatz im Hinterhof des Hotels parken. Der Blick aus dem Fenster zeigt einen kleinen Mini-See direkt gegenüber und zur rechten den Blick auf eine Meeresbucht. Leider ist wie immer Ebbe – vom Meer also keine Spur. Vor dem Essen vertreten wir uns die Beine. In einer kleinen Kneipe wimmelt es von Leuten, die offenbar alle zum Essen hier sind. Also nix wie rein, denn so langsam stellt sich Hungergefühl ein. Kein Platz frei. 10 Minuten warten, dann werden wir an einem kleinen Tisch platziert. Beim Studieren der Speisekarten kommen wir jedoch leicht ins Grübeln. Während an den vergangenen Tagen Preise von 10-15 €uronen pro Essen der Standard waren, werden hier satte Preise jenseits der 20 € Marke aufgerufen. Das ist uns der Spaß nicht wert und wir verlassen fluchtartig das Restaurant um in der Lobby unseres Hotels nach Essen Ausschau zu halten. Das war genau die richtige Entscheidung. Wir bestellen jeder einmal „Seefood Showder“ sowie gebratenen Fisch mit Pommes sowie einem Salat der Extraklasse . Seefood Showder ist eine oberlecker Fischsuppe bestehend aus Muscheln, Krabben, verschiedene Fischsorten, Speck, Sahne, Knobi und allerhand Gemüse. Kann ich Fischliebhabern nur wärmstens empfehlen. Nach so viel Essen steht ein Verdauungsspaziergang an. Er führt uns bis zu einer kleinen Landzunge jenseits des Hafenbereiches etwa 1 km entfernt vom Hotel. Langsam setzt auch die Flut ein und der Sonnenuntergang am Meereshorizont erzeugt geniale Fotomotive. Es ist einer der schönsten Sonnenuntergänge der Tour. Wir schlendern langsam zurück ins Hotel und – na Ihr wisst schon – Guinness für Jens und für den Opa ein Smithw……


Tag 7 – 25. Juli – Westport - Galway - 255 km


Auf geht’s zur nächsten Etappe. Jedoch beginnt der Tag mit einer kleinen Überraschung. Als ich die Sachen auf dem Motorrad verstaue, merke ich, dass es nicht so steht, wie ich es am Abend geparkt habe. Beim Anlassen dreht der Anlasser zwar durch, aber Anspringen will die Maschine nicht. Was ist jetzt los. Schaue nach dem Öl und beschließe einen halben Liter nachzukippen. Nächster Versuch - wieder nix. Dann nach etlichen Versuchen springt die Maschine endlich an. Keine Ahnung woran das gelegen hat.

Zunächst bietet die R335 zur Rechten teilweise wieder atemberaubenden Blicke auf den Atlantik und zum anderen zeichnen sich auf der linken Seite schöne Berge ab. Vorbei am etwa 700 Meter hohen Croagh Patrick beigen wir in Louisburgh auf die R378 und R335 die uns in Richtung Süden zwischen 2 Bergmassiven hindurch wieder ans Meer bringen wird. Mittlerweile haben wir uns an die wechselnden Witterungsverhältnisse gewöhnt. Auch heute ist es nicht anders. Wir nähern uns dem fantastischen Bergsee „Doo Lough“, wo es an beiden Seiten des langgestreckten Sees bis zu 600 Meter in die Höhe geht. Hier fängt es mal wieder leicht an zu pieseln. Am Horozont sind jedoch schon wieder blaue Flecken zu erkennen und wir sind uns sicher, dass uns spätestens in 10 Minuten wieder die Sonne begrüßt.

Bei Aasleagh bahnt sich ein kleiner Fluss den Weg in den weit ins Land reichenden Fjord, den wir komplett umrunden müssen. Hier treffen wir auch wieder auf die N59. Die Hauptroute des WAW in Richtung Süden. Im Fjord sehen wir zahlreiche Fischzuchtanlagen, deren Größe beeindrucken kann. Vorbei am Lake „Kylemore Lough“ verlassen wir die Hauptstraße jedoch bald wieder, da wir einen Abstecher zum Omey Island vorhaben. Und wie sich herausstellt, war das mal wieder eine saugute Entscheidung. Die kleine rundliche Insel liegt ungefähr einen knappen Kilometer vom Festland entfernt und kann bei Ebbe zu Fuß bzw. mit einem Fahrzeug erreicht werden. Da wir gerade mal wieder Ebbe haben, passt das ausgezeichnet, um mal die Offroad-Qualitäten meiner Tenere zu testen. Da auch gerade mal wieder strahlend blauer Himmel vorherrscht, entledige ich mich kurzerhand von Jacke und Helm und auf geht’s auf die riesige Sandpiste. Der Sand ist so hart, dass ich sogar meine Maschine abstelle und einige Fotos schieße. Jens filmt das Ganze vom sicheren Festland. Mit seinem Reisedampfer bleibt er lieber auf festem Untergrund. Es war ein jedenfalls eine riesen Gaudi und bisher eines der schönsten Erlebnisse auf der Tour.

Während Jens ne Kippe raucht bemerke ich meim Betrachten meines Bikdes, dass das Nummernschild ein wenig eingedrückt ist. Nanu - wo kommt das denn her ? Inspiziere das Ganze etwas genauer und stelle deutliche Kratzer am Motorschutzbügel und dem rechten Handprotector fest. Jetzt erklären sich auch die morgentlichen Probleme beim Anlasssen. Wir vermuten, dass beim Einparken irgendein Vollpfosten die Maschine von hinten gerammt hat und sie dabei umgefallen ist. Sonst ist jedoch nichts weiter zu sehen. Es kann beruhigt weiter gehen.

Wieder zurück auf der N59 biegen wir auch schon gleich wieder ab um auf der Sky Road eine kleine Halbinsel zu umrunden. Wieder zurück auf der Hauptstraße legen wir die nächsten Kilometer nicht direkt am Meer zurück. Durch hügelige Landschaft, wo überall Schafe und Kühe frei von jeglicher Umzäunung rumlaufen, geht es weiter über Clifden und dem Ballynahinch Lake, an dessen Ende wir rechts auf die R341, dann die R342 und zu guter Letzt auf die R340 abbiegen. Wir sind wieder fern ab von großen Hauptstraßen und das bedeutet, dass kaum Verkehr auf den Straßen ist. Dafür sind die Straßen aber teilweise nicht breiter als 2-3 Meter und in der Mitte manchmal mit Grasstreifen bewachsen. Da heißt es höllisch aufpassen um nicht auszurutschen. Für Jens ist es sicher noch komplizierter, da er parallel auch noch das Navi beobachten muss. Hinzu kommt, dass er von den vielen Fahrmodi seiner mit Elektronik voll bestückten BMW noch nicht so den richtigen gefunden hat. Ist ständig am Schalten Bremsen. Aber datt wird schon …

Kurz vor vier finden wir in Galway das „Menlo Park Hotel“. Auch das liegt leider wieder weiter vom Stadtzentrum entfernt und somit werden wir es kaum schaffen uns die Stadt anzuschauen. Hinzukommt, dass der irische Regen wieder eingesetzt hat. So verbringen wir den Rest des Tages im Hotel und da können es dann auch schon mal mehr als 2-3 Guinness und Smith…. werden…

Zu unserem Glück ist heute auch wieder Lifemusik angesagt. Und diesmal so, wie ich es gerne höre. Ein junger Musiker steht ab 22:00 Uhr ist einer Ecke der Bar und spielt irischen Folk. Die Stimmung ist sehr ausgelassen und die Gäste können sich Stücke wünschen. Zu guter Letzt gesellt sich ein älterer Herr aus dem Publikum zum Musiker und singt mit – herrlich. Hörend noch eine ganze Weile zu und finden erst nach Mitternacht, dass es Zeit wird ins Bettchen zu kriechen.


Tag 8 – 26. Juli – Galway - Killarney - 221 km


Heute ist eines der bekanntesten Naturspektakel Irlands das Hauptziel des Tages – die „Cliffs of Moher“. Die weltbekannten Klippen erstrecken sich über fasst acht Kilometer am Ozean und fallen bis zu 200 senkrecht nach unten. Als wir morgens aus dem Fenster schauen, stellen wir fest, dass es immer noch leicht nieselt. Auch die Temperaturen sind mit 10 Grad nicht gerade einladend. Jens zieht sofort sein GKK an, während ich auf das irische Wetter vertraue und das Ding auslasse. Als erstes machen wir einen Stopp an einer alten Burgruine, die offenbar ein Touristenmagnet ist. Zwei Busse besetzt mit deutschen und englischen Touris wollen ebenfalls ein paar Bilder schießen. Der Regen wird stärker. Ich schalte die Griffheizung und die Zusatzscheinwerfer ein, da leichte Nebelschwaden aufziehen. In Richtung der Cliffs geht es immer stetig bergauf. Wir sind auf der N67 und der R477/R478 unterwegs während sich der Himmel immer dunkler färbt um dann seine Wassermassen über uns auszukippen. Am Black Head, einem mit riesigen schwarzen Steinen übersäten, zum Meer abfallenden Gegend schieße ich noch schnell ein paar Fotos. Zum Regen hat sich jetzt auch noch stärker werdender Nebel gesellt und ich ahne nichts Böses. Am Parkplatz der Cliffs angekommen schüttet es weiter aus vollen Kannen und die Sichtweite ist keine 20 Meter. Na prima – das wird heute also nichts mit der Besichtigung.

Ich ziehe entnervt mein GKK über die schon reichlich nassen Sachen und wir suchen das Weite. Keine 10 Kilometer weiter lichtet sich der Nebel und weitere 10 km weiter kommt die Sonne wieder zum Vorschein. Wie verhext – wir haben „Das Highlight“ Irlands nicht gesehen. Da werden wir wohl nochmal hin müssen. Da wir keinen riesigen Bogen über Limerick fahren wollen, hatte ich im Vorfeld der Tourplanung die Fähre von Killimer nach Tabert ausgeguckt. Die ist unser nächstes Ziel. An der Fähre angekommen haben wir noch eine halbe Stunde Zeit. Als die Fähre kommt staune ich nicht schlecht, als meine Bike nicht mehr anspringt. Ich schiebe das gute Stück auf die Fähre um wenigstens erst mal drauf zu sein. Drüben angekommen fährt Jens erstmal seinen Maschine runter, um mir dann beim Schieben zu helfen – es geht leicht bergan – schweißtreibende Angelegenheit. Alle Versuche das Teil zu Arbeit zu bewegen schlagen fehl. Nur ein Tak-Tak-Tak-Tak-Tak …. Ist zu hören. Schrauben also die Seitenverkleidung ab um an die Elektronik zu kommen. Vielleich ist ja Wasser irgendwo hingekommen, wo es nix zu suchen hat. Es ist aber nichts zu finden. Wat Nu ? Koffer ab und Anschieben ist der Plan. Zweiter Gang rein und ab die Post. Zum Glück geht’s es leicht bergab. Aber wieder kein Glück. Die Karre verweigert den Dienst. Nochmal das Ganze – diesmal im ersten Gang. Brrrrmmmmmmhhhhhh …. Oh was für ein Geräusch. Die Maschine läuft.

Programmieren das Navi neu um möglichst schnell in Killarney zu sein. Evtl. müssen wir da ja eine Schraubenbude suchen, die sich der Sache mal annimmt. Dort kommen wir gegen 16:00 Uhr an. Das Castlerosse Hotel mit angrenzendem Golf Platz sowie Wellness und Spa-Abteilung ist eine Augenweide. Stelle die Maschine ab um sie sofort wieder mehreren „Anlaßtests“ zu unterziehen - No Problemo ! Die Diagnose ist dann eigentlich Klar. An der Fähre war die Batterie alle. Und das höchstwahrscheinlich durch die Anzahl der zusätzlichen Verbraucher während der Regen-Nebel Tour des Tages. Zusatzscheinwerfer, Griffheizung und Navi an der Bordsteckdose haben die Lichtmaschine wahrscheinlich überlastet und so musste Strom aus der Batterie her. Werde mal nach der Tour mit meinem YAM-Händler sprechen. Evtl. kennt der ja eine Lösung. Für mich bedeutet das, während dem Rest der Tour die Zusatzscheinwerfer und möglichst auch die Griffheizung auszulassen.

Da wir erst ab halb fünf das Zimmer beziehen können, setzen wir uns so lange in die Lobby und schlabbern zwei Pint. Nachdem wir die Zimmer bezogen haben und uns die Örtlichkeiten näher angeschaut haben holen wir noch unserer Bikes auf einen Parkplatz hinter dem Hotel, von dem es nur 50 Meter bis zu unserem Zimmer sind. Wir haben dieses Hotel für zwei Nächte gebucht und wollen morgen auf Anraten des deutschen Reiseführers, den wir vor ein paar Tagen getroffen haben, auf die Halbinsel Dingle.

Der Regen hat so langsam aufgehört und wir können noch einen Spaziergang um den Golfplatz machen. Es sind auch wieder einige Nimmermüde auf den Greens und schlagen ein paar Bälle. Golf ist in Irland so eine Art Volkssport. Es gibt eine Unmenge von Plätzen auf denen sich auch sehr viele Kinder tummeln. Alle Plätze in einem super gepflegten Zustand. Das Klima spielt dabei bestimmt eine wichtige Rolle. Während des Rundganges entdecken wir in einem kleinen Bach einen Silberreiher, der keine 2 Meter entfernt auf Beute im Bach wartet. Zwei Golfbälle entdecken wir am Rand des Platzes auch noch.

Zurückgekehrt ist Abendbrot Zeit. Heute mal wieder Burger. Der Abend endet wie so oft mit Livemusik ab 22:00 Uhr. Die bar ist rammelvoll und die Kinder gehen wieder über Tisch und Bänke. Der Musiker ist mal wieder ein „älterer“ Herr. Der diesmal die Songs aus der Dose mit einem Keyboard und Gesang begleitet. Nicht so unser Fall. Der gestrige Abend war viel besser.


Tag 9 – 27. Juli – Dingle Halbnsel - 192 km


Wir befolgen heute den Rat des Reiseführers und wollen anstatt des “Ring of Kerry” eine Runde um die Halbinsel Dingle drehen. Wettertechnisch schaut es bis auf den starken Wind ziemlich gut aus. So fahren wir entgegen unserer sonstigen Richtung heute auf der N22 erst einmal nach Norden bis nach Tralee und dann auf der N86 bis Camp. Unsere Hoffnung, dass sich der starke Wind etwas legt, gehen leider nicht in Erfüllung. Im Gegenteil, das Ganze scheint sich zu einem kleinen Orkan auszuweiten – zumindest für Motorradfahrer. Den bei Windgeschwindigkeiten bis 70 km/h auf Küstenstraßen zu fahren ist schon eine ziemliche Herausforderung. An einigen Stellen bläst der Gott des Windes so stark, dass ich Probleme habe meine Maschine einigermaßen in der Spur zu halten. Zu allem Ungemach gesellt sich, kaum dass wir auf der R580 sind auch noch der übliche Rieselregen hinzu. Es wird dunkler und dunkler – das kann ja lustig werden.

Auf Höhe Ballinknockane sehe ich eine kleine Stichstraße, welche direkt zum Meer führt. Die ersten Kilometer der 2 Meter breiten „Straße“ sind noch halbwegs geteert, dann wird es sandig. Jens hält hier sicherheitshalber an, denn die Wendemöglichkeiten seine BMW sind eher begrenzt. Ich fahre auf dem Sandweg weiter bis ca. 100 Meter vorm Meer. Ein junges Paar in einem Camper beobachtet das Ganze gespannt. Ich stelle meine Maschine ab und gehe noch ein paar Meter bis zum Strand. Erst jetzt merke ich wirklich, wie stark der Wind wirklich bläst. Schieße ein paar Fotos uns kehre zu Jens zurück, der seine Bike mit Mühe gewendet hat.

Kaum zurück auf der Straße schüttet es wieder wie aus Kübeln. Und das genau zu dem Zeitpunkt als wir uns den Connor Pass nähern. Dieser Pass ist mit knapp 500 Metern Irlands höchster Pass. Zur rechten blickt man tief ins Tal hinab und zur rechten geht’s steil nach oben. Der Regen macht die Auffahrt nicht zu einem Vergnügen, denn die knapp 3 Meter breite Straße verlangt allerhöchste Aufmerksamkeit, zumal ständig Autos entgegen kommen. Ich ärgere mich wieder etwas, denn nach den Cliffs of Moher ist das jetzt schon die zweite Sehenswürdigkeit, die dem Wetter zum Opfer fällt.

Kaum geht es jedoch wieder abwärts ändert sich auch schon das Wetter und so haben wir in Dingle bereits Sonnenschein. Von hier aus wird eine Runde auf den Slea Head Drive gedreht. Der rund 30 Kilometer lange, kurvenreiche Slea Head Drive entpuppt sich als einer der spektakulärsten Küstenabschnitte auf der Dingle-Halbinsel. Von Slea Head bietet sich ein großartiges Panorama: Im Süden reicht der Blick bis zu den Skellings, im Norden ragt Dunmore Head, der westlichste Punkt Irlands, in den Atlantik und im Westen fallen die Blasket Islands ins Auge. Ich nutze eine steile, schmale Straße einer kleinen Bucht um fast bis zum Meer hinunter zu fahren. Aufgrund des starken Windes sind die Wellen, die gegen die Klippen branden, bis zu 5 Meter hoch. Einfach nur toll. Jens beobachtet meine Aktion vom sicheren Parkplatz oberhalb der Bucht und schüttelt nur den Kopf.

Der Slea Head Drive führt uns wieder zurück nach Dingle. Ab hier halten wir uns auf der Hauptroute N86 um bei Annascaul sofort die R561 wieder in absoluter Küstennähe zu fahren. Auch hier bieten sich fantastische Ausblicke und ich bin dem Reiseführer sehr dankbar für seinen Tipp. Die verbleibenden paar Kilometer zurück zum Castlerosse Hotel sind schnell geschafft. Es ist erst 15:00 Uhr und wir haben ohnehin eine Stadtbesichtigung von Killarney geplant. Kurz frisch gemacht und auf geht’s entlang des Golfplatzes bis nach ca. 3 Kilometern die große Kathedrale in Sichtweite kommt. Die Marienkathedrale von Killarney ist eine römisch-katholische Kathedrale und ist gleichzeitig Bischofskirche des Bistums Kerry. Wir besichtigen das imposante Bauwerk, ehe es weiter in die City geht. Hier herrscht Trubel ohne Ende. Man merkt, dass die Stadt Anziehungspunkt für viele Touristen und auch einheimische Urlauber ist. Viele kleine bunte Läden laden zum Schlendern und reinschauen ein. Es macht es auch Spaß. Entdecken eine Fish&Chips Gaststätte, die brechend gefüllt ist. Die Schlange der Wartenden geht bis auf die Straße und wir reihen uns dort ein. Damit die Zeit nicht zu lang wird, bringt ein geschäftstüchtiger Kellner schon mal die Speisekarte raus, sodass sich die Wartenden schon mal aussuchen können. Wir machen das auch so, denn kaum sind wir dran kommt auch eine Dame und nimmt die Bestellung auf. Es gibt Fish&Chips in mehreren Variationen mit verschiedensten Sorten von Fisch. Wir nehmen Kabeljau und treffen damit eine super Entscheidung. Es ist der beste Fisch, den wir bisher auf der Tour gegessen haben. Danach wandern wir, während es wieder zu regnen beginnt ins Hotel zurück, wo gegen 22:00 Uhr natürlich Livemusik ertönt. Heute wieder ein älterer Alleinunterhalter, der zwischendurch das Publikum offenbar mit irischen Witzen animieren möchte. Wir verstehen so gut wie kein Wort und auch die Musik ist nicht der Brüller. Wir sitzen auf einem gemütlichen englischen Sofa und schlabbern derweil – na Ihr wisst schon – Guinness und Schmithw……


Tag 10 – 28. Juli – Killarney - Cork - 305 km


Woh – was für ein Wetter. Sonnenschein zum Frühstück, welches im verglasten Obergeschoß des Hotels angeboten wird. Erst jetzt sehen wir den unmittelbar hinter dem Golfplatz beginnenden See „Lough Leane“, an dem gleichzeitig der riesige, über 10.000 Hektar große Killarney National Park beginnt. Durch den Einfluss des Golf-Stromes ist auch in dieser Gegend Irlands die Temperatur mediterraner und es können zahlreiche Blütenpflanzen aus dem Mittelmeerraum wunderbar gedeihen, wie z.B. strauchartige Erdbeerbäume und großwachsende Rhododendron-Sträucher.

Zu unserer Überraschung bietet das Buffet heute frische Brötchen und Weißbrot. Na da kann der Tag ja kommen. Nachdem wir 2 Tage in diesem herrlichen Hotel Gast waren, heißt es heute Abschied nehmen. Cork ist unser heutiges Ziel - Los geht’s. Ich bin ein wenig verwundert, dass Jens die Ausfahrtstraße in Richtung Nordwesten nimmt. Die sind wir doch erst gestern während der Dingle-Runde gefahren. Naja evtl. will er noch nen kleinen Abstecher zum Ring of Kerry machen. 20 km später in Killorglin fährt Jens links ran und stellt fest, dass wir leider in die falsche Richtung gefahren sind. Also Retour und zurück bis nach Killarney, wo es auf der N71 quer durch den Nationalpark geht.

Vorbei am Muckross Lake und dem Upper Lake sind wir auf Teilen des Ring of Kerry unterwegs. Die Gegend ist wirklich einzigartig. Wir halten am Ladies View an, von dem aus man einem herrlichen Blick auf große Teile des Parks hat. Bei Kenmare verlassen wir wieder die N71, denn der Ring of Beara ist heute unser erklärtes Hauptziel. Steile, zerklüftete Klippen, tiefe Schäreneinschnitte und sanft ansteigende Wiesen sowie Steinmauern und Hecken bestimmen das Landschaftsbild. In ihrer touristischen Attraktivität fällt die Beara-Halbinsel gegenüber den nördlicheren Halbinseln Dingle und Kerry nur wenig ab. Die Küstenringstraße, der Ring of Beara ist jedoch wegen der engen und kurvigen Straße für Reisebusse über 2,8 t und Wohnmobile verboten, daher ist sie touristisch weniger erschlossen. Das ist gut für uns, denn die ohnehin schon schmalen Straßen verlangen höchste Konzentration.

Die R571 bis Ardgroom immer entlang der Kenmare Bay ist bald geschafft. Zur linken sehen wir die Slieve Miskish Mountains. Wir biegen rechts ab, auf eine Straße ohne Nummer. Na was Jens denn jetzt wieder vor. Die Straße, oder soll ich besser sagen das „Sträßchen“ hat’s in sich. Keine 2 Meter breit, in der Mitte eine rutschige Grasnarbe, Kurven und immer hoch und runter. Jens ist mit seinem Dickschiff auf diesem Terrain sichtlich überfordert. Aber da müssen wir durch. Erst kurz nach Eyeries Cross finden wir die R571 wieder. Da wir wie immer an der Küste bleiben möchten wird auch schon gleich wieder auf die R575 abgebogen. Immer weiter geht’s auf schönem kurvigem Terrain. Um ans äußerste Ende der Halbinsel zu gelangen sind nur noch ca. 10km auf dem R572 zu absolvieren. Am Ende liegt ein Parkplatz an dessen oberen Teil die Ballaghboy Cable Car die Halbinsel über eine Meerenge mit der Insel Dursey Island verbindet. Es ist übrigens Irlands einzige Seilbahn. Der Ausblick gehört absolut zu den schönsten der Tour. Dieser Abstecher hat sich definitiv gelohnt.

Wir bleiben jetzt bis Gelgarriff auf der R572. Gegenüber von Castletown Bearhaven haben wir einen wunderbaren Ausblick zum Beer Island. Wir nähern uns Glengarriff – zur Linken die Sugarloaf Mountain und zur Rechten die Bantry Bay. Eine kleine Bucht mit glasklarem Wasser und Anlegeplatz für Kanu- und Schlauchboot-Touristen ist Anlass für einen weiteren Stopp. Kurze Zeit später sind wir auch schon wieder auf der N71, die weiter nach Süden führt. Wir schauen auf die Uhr und stellen fest, dass es bereits dreivierteldrei (für die Bewohner der gebrauchten Länder -> Viertel vor Drei). Die herrliche Runde über die Beara Halbinsel hat doch seine Zeit gebraucht. Eigentlich sollte es noch weiter auf der N71 und kleineren Küstenstraßen bis Cork gehen. Das würde jedoch ziemlich spät werden und so wählen wir eine Route über die R584/R585 und N72 nach Cork. Genauer gesagt ist das Ziel der kleine südliche Vorort Douglas. Kurz vor fünf stehen wir vor dem Rochestown Park Hotel.

Da waren es dann doch wieder fast sieben Stunden auf dem Motorrad. Das Hotel ist riesig groß, auch wenn es gar nicht so den Eindruck macht. Allerdings scheinen einige Teile schon bessere Zeiten erlebt zu haben. Ein Teil, der früher höchstwahrscheinlich für Tagungen oder sonstige Großereignisse genutzt wurde ist menschenleer. Durch endlose Gänge gelangen wir zum „bewirtschafteten“ Teil des Hotels. Hier ist alles sehr edel – riesige Lobby mit Ledergarnituren, Piano-Bar etc. Unser Zimmer liegt supi im Souterrain-Bereich in unmittelbarer Nähe der Rezeption. So parken wir die Bikes noch mal um und checken ein. Auch hier bekommen wir ein schönes Zimmer. „The same procedure as every day“ – Jens macht Kaffee und der Opa geht duschen - dann Kaffee und Jens geht duschen - dann ab in die Bar – Guinness und Smithwicks bestellen. Der Rundgang ums Hotel ist schnell beendet, ehe wir heute mal wieder Fisch essen. Die Temperaturen sind noch recht angenehm. Der überdachte Außenbereich der Bar ist zusätzlich mit sehr effektiven Heizstrahlern ausgerüstet und wir beschließen dort die üblichen Pint’s zu leeren. Heute ist leider kein Smithwicks im Angebot. Teste daher einige andere und bleibe bei Beamish hängen, welches auch sehr lecker schmeckt.


Tag 11 – 29. Juli - Cork - Dublin - 327 km


Das Ziel des Tages ist die irische Hauptstadt Dublin. Wir haben uns für eine Route entschieden, die wieder am Meer entlang führt und sich von Süden über die Wicklow Mountain nach Dublin erstreckt. Damit verlassen wir auch endgültig den Wild Atlantic Way, der bei Kinsale unterhalb von Cork endet. Wir sind auf der E30 unterwegs. Erster größerer Ort ist Dungarvan. Da mal wieder Ebbe ist, liegen wie üblich viele Boote im Schlamm versunken und warten auf den Flut. Um wieder näher ans Meer zu kommen biegen wir hinter Dungarvan auf die R675 ab.

Hier beginnt ein weiterer sehr interessanter Abschnitt Irlands. Wir sind im County Waterford und befinden uns am Anfang der s.g. Copper Coast. Sie hat ihren Namen vom Kupferbergbau, der hier früher betrieben wurde. Die R675 wird dafür für einige Zeit verlassen und über Stradbally geht’s bis nach Kilfarrasy. In einer kleinen einsamen Bucht bei Ballyvooney schießen wir noch ein paar Bilder und weiter rollen wir bis zum Küstenstädtchen Tramore. Hier stoppen wir an einem riesigen Strand, wo sich allerhand Leute tummeln.

Ein Blick auf die Karte zeigt uns, dass wir als nächstes die Fähre Passage Harbour – Ballyhack Harbour finden müssen. Das spart einen großen Umweg auf unserer Fahrt in Richtung Dublin. Das Navi findet die Fähre problemlos und als hätten wir sie bestellt rollen wir prompt als letzte auf Deck bevor die 5 minütige Überfahrt beginnt. Ja – auch ein älterer Mensch muss mal Glück haben. Drüben angekommen bewegen wir uns auf der R733 bis Wexford weiter in nordöstlicher Richtung bis wir in Höhe Arklow angekommen den direkten Weg in Richtung Wicklow Mountains anpeilen. Im Gegensatz zum Rest Irlands finden wir hier mal richtigen Wald vor. Und je höher wir kommen, desto schmaler werden auch die Straßen. Leider schlägt das irische Wetter mal wieder erbarmungslos zu. Kurz bevor wir durch ein gewaltiges Portal fahren und wieder an der Hauptstraße stehen, geht es so richtig los. Wir steigen ab und verpieseln uns unter einem Baum um unsere GKK überzustülpen. Der Blick auf das Portal zeigt das Wappen derer von „Fitzgerald“ – wer immer die auch sind oder waren.

Der Regen lässt jedoch schnell wieder nach und so können wir die restlichen Kilometer durch die Wicklow Mountains doch noch genießen. Teilweise sind die Straßen links und rechts mit meterhohen Hecken bewachsen, die sich oftmals oben in der Mitte treffen und zusammenwachsen. Man hat das Gefühl durch einen natürlichen Tunnel zu fahren.

Gegen 15:00 Uhr erreichen wir den Stadtrand von Dublin. Hier wird es mit dem Verkehr dann „lustig“. Mehrspurige Motor-Roads und ständig Kreisverkehr. Man muss höllisch aufpassen in welche Spur man in den Kreisverkehr hineinfährt, denn ein Wechsel der Spuren mittendrin ist nicht ganz ohne. Ich staune wie gut Jens das alles im Griff hat. Sein Navi zeigt alles rechtzeitig an und so sind wir gegen 15:45 Uhr im „Sheldon Park Hotel“. Das liegt praktisch mitten in einem Gewerbegebiet und direkt an einer Hauptstraße. Von der Lage das mit Abstand schlechteste Hotel der Tour. Jens holt auch erstmalig sein Zusatz-Radschloß hervor, da er um seine nagelneue Dabbel-Ju bangt. Ime Hotel wiederum ist alles top in Ordnung. Das Zimmer liegt zum Glück nach hinten raus und vom Verkehr ist nicht viel zu merken.

Nach der üblichen Prozedere versuchen wir uns etwas die Beine zu vertreten und so folgt ein kleiner Spaziergang durch Gewerbegebiet. Hier reihen sich Autohäuser, Gebrauchtwagenhändler und sonstige Gewerbe aneinander. Keinen Kilometer weiter entdecken wir eine Mac-Doo… und beschließen dort heute mal unser Glück. Das Essen ist sowohl von der Art und dem Preis ähnlich wie in Deutschland. Einziger Unterschied ist jedoch ein knapp 2 Meter großer dunkelhäutiger Security-Mann, der peinlich darauf achtet, was im Laden abgeht. Ist auch dringend notwendig, denn das Publikum, das hier verkehrt ist offenbar eher in bildungsfernen Schichten angesiedelt. Haben wir leider nicht auf Anhieb so geschnallt. Daher verdrücken wir unser Essen möglichst ohne größere Pausen und verlassen den Laden schnurstracks, um dann im Hotel den restlichen Abend zu verbringen. Am Nachbartisch sitzen 3 Deutsche – offenbar Opa mit Sohn und Enkel. Der Opa scheint sich hier auszukennen und erzählt die tollsten Geschichten. Offenbar ist er auch ein PC und Handy-Experte und uns kommt so manchmal ein Grinsen übers Gesicht, als wir seinem Pseudowissen lauschen – köstlich. Bestellen dann an der Rezeption für morgen früh noch ein Lunch Packet „TOGO“, da die Fähre bereits um 8:30 Uhr fährt und wir spätestens um 8:00 Uhr dort sein müssen. „No Problem“ meint der nette Herr. Sollen nur die Zimmernummer sagen, dann bekommen wir alles. Dufte – na hoffentlich klappt das auch. Gegen 22:45 geht’s ab ins Bettle ….


Tag 12 – 30. Juli - Dublin - Sheffield - 256 km


Früh aufstehen ist angesagt. Um 6:00 Uhr raus aus den Betten und Sachen packen. An der Rezeption machen sie große Augen, als ich nach dem TOGO-Packet frage. Man werden sich kümmern. Na so viel Zeit haben wir dann doch nicht. Satteln erstmal die Bikes und als sich immer noch nichts tut fahren wir los. Werden auf der Fähre schauen, was dort im Angebot ist. Dreiviertelsieben rollen wir vom Hof und wie nicht anders zu erwarten entwickelt sich die Fahrt zum Fährhafen mitten in der Rush Hour als zu einem Geduldspiel. Jens hat vergessen beim Navi "Schnellste Route" einzugeben. Da sind wir also auf der "Kürzesten" unterwegs. Das hat den Vorteil, dass wir Dublin so richtig kennenlernen. Da wir aber ein ordentliches Zeitpolster haben, geraten wir nicht in Panik.

Genau um halb acht rollen wir am Terminal ein, zeigen unsere Buchungen vor uns dürfen uns schon wenig später in der zugewiesenen Einfädelspur aufstellen. Wir meist auf den Fähren sind die Biker wieder die ersten, die wenig später aufs Parkdeck rollen. Auch hier werden wir wieder vom optimalen Service überrascht. 2 Typen warten und weisen uns ein bis wir auf den markierten Parkflächen stehen. Das war's auch schon - um's Verzurren der Motorräder brauchen wir uns nicht zu kümmern. Suchen uns eine schöne gemütliche Ecke auf dem Passagierdeck. Während Jens erst einmal den Nikotin-Spiegel wieder auf Normalpegel bringt erkunde ich schon mal die Frühstücksangebote. Nehme ein Sandwich, einen Kaffee und eine Cola. Sind froh, dass Irland zur Eurozone gehört, können wir doch so unser Kleingeld loswerden.

Gegen 12:00 Uhr erreichen wir englischen Boden. Wir sind zwar mit die ersten, die von der Fähre rollen dürfen, aber das hat heute nicht viel zu bedeuten. Unmengen LKW's und andere Transporter aller Art bahnen sich den Weg aus dem Hafengeländer heraus. Und das dauert ... zum Glück ist angenehmes Sonnenwetter. Brauchen eine knappe Stunde, ehe der Verkehr sich etwas aufgelöst hat. Die meist 4-spurige A55 führt uns entlang des Meeres, für dass wir aber aufgrund des wieder stärker werdenden Verkehrs keinen Blick haben. Den Rat eines englischen Bikers, den wir auf der Fähre getroffen haben, lautete bei Chester die A55 zu verlassen um dann von Süden her in Richtung Sheffield zu fahren. Die Bedienung des Navis scheint jedoch nicht ganz so funktionieren. Im Ergebnis landen wir sogar bald auf dem Motorway M56 um nahe Warrington auf der A56 zu landen. Und das ist der Teufel los. Der Grund ist, dass wir uns dem Großraum Manchester und Stockport nähern. Stockport ist die flächenmäßig größte Stadt Europas. Und das bekommen wir zu spüren - heißt Stopp & Go für eine sehr lange Zeit. Nervig ohne Ende - Jens meint er kommt sich vor wie bei der Fahrschule, wo einen halben Tage Anfahren geübt wird. Er ist leicht angesäuert und somit fallen auch Stopps für Fotos aus. Er will nur raus aus dem Molloch.

Die Entschädigung folgt aber noch in Form eines wunderschönen Passes kurz vor Sheffield. Der Snake Pass ist der Name eines Abschnitts der Fernstraße A 57 zwischen Glossop und Sheffield im Peak District. Er führt mit einer Steigung von bis zu 7 % bis auf die Passhöhe in einer Höhe von 512 m über dem Meeresspiegel hinauf. Über fast 40 Kilometer endlich mal Kurven - Kurven - Kurven. Ein Genuß nach soviel Highway und Motorway. Ich muß mich sputen, meinem Vordermann zu folgen. Auch hier leider keine Bilder - Jens will ins Hotel.

Sheffield ist mit gut einer halben Million Einwohnern eine der größten Städte Englands. Und das merken wir deutlich am Verkehr. Es dauert eine reichliche 3/4 Stunde ehe wir uns zum Hotel durchgekämpft haben. Da Holiday Inn Express in Sheffield erreichen wir gegen 17:00 Uhr. Ein viereckiger hässlicher Retortenbau der 70-er Jahre. Auch ringsherum schaut's nicht viel besser aus. Checken in der siebenten Ettage ein. Unsere Bikes können wir auf dem hoteleigenen Parkplatz gegen eine Gebühr von 10 Pfund parken. Nicht gerade billig.

Da wir nahezu in der City sind, möchten wir die Gelegenheit nutzen uns die Stadt näher anzuschauen. Man muss das mal gesehen haben um einschätzen zu können, wie schöne Halle doch ist. Eine dreckigere Stadt ist mir bisher noch nicht untergekommen. Wikipedia sagt : "Sheffield war einer der Ursprungsorte der Industriellen Revolution und über mehr als ein Jahrhundert ein weltbekanntes Zentrum der Stahlindustrie. Vom Strukturwandel nach Niedergang der Schwerindustrie in den 1970 und 1980er Jahren wurde die Stadt hart getroffen, erlebt aber seit der Wende zum 21. Jahrhundert einen erneuten Aufschwung." Na prima - wenn das Aufschwung ist, dann möchte ich nicht wissen was Abschwung heißt. Dazu kommt noch geschätzt ein Anteil von 50% Bewohnern mit Migrationshintergrund, von denen ich keinen näher kennen lernen möchte. Nach anderthalb Stunden haben wir genug gesehen. Das Abendessen wird wie so oft im Hotel eingenommen. Heute mal zu Abwechslung Fish&Chips, die jedoch äußerst schmackhaft zubereitet sind. Wir sind in England und das geliebte Schmithwicks ist hier nicht im Angebot. Daher gehen dann mehrere Guinness über den Tresen. Mal schauen ob unsere Bikes morgen früh noch da sind. Ein wenig mulmig ist uns schon.


Tag 13 – 31. Juli - Sheffield - Hull - 233 km


Der Weg aus Sheffield offenbart erstaunlicherweise, dass nur die alte Innenstadt ein wenig unter den Jahren gelitten hat. Die Randbezirke sind erfreulich bunt und auch die Architektur kann sich sehen lassen. Die Tour bis zum Fährhafen in Hull verläuft durchs ländliche England, was sich kaum von einer Tour durch MC-Pom unterscheidet. Abgesehen von der z.T. angenehmen, bunten Architektur der kleineren Städte. Di A631 verläuft teilweise durch schöne Wälder und vorbei an Louth riechen wir schon wenig später wieder Meeresluft der englischen Ostküste, die wir bei Mablethorpe erreichen. Im großen Badeort Grimsby suchen wir einen Supermarkt. Am Ortseingang – was für ein Zufall – ein Lidl. Werbesprüche wie „Save an Shop a Lidl smarter“ begrüßen die Kunden. Der Laden ist etwa doppelt so groß, wie die in Deutschland bekannten – das Angebot vom Preis und Umfang etwa vergleichbar. Wir nehmen 2 „Four-Packs“ Bier mit, da wir ja von der Herfahrt die fetten Preise auf der Fähre kennen.

Zum Fährhafen müssten wir normalerweise um den Fluß Humber herum fahren. Eine Abkürzung ist die Humber Bridge, die mit einer Mittelspannweite von 1410 Metern eine der längsten Hängebrücken ist und seit 1981 in der Nähe von Kingston upon Hull den Humber zwischen Hessle und Barton-upon-Humber überspannt. Nach ihrem Bau war sie etwa 17 Jahre lang die längste Hängebrücke der Welt. Ein imposantes Bauwerk, für das normalerweise Maut entrichtet werden muß. Für Biker ist sie allerdings mautfrei und so genießen wir die Fahrt über die gewaltige Brücke. Hull ist gegen 15:30 erreicht und ähnlich wie in Rotterdam kann bereits ab 16:30 Uhr eingecheckt werden. Eine große Zahl Biker wollen aufs Schiff. Nach dem Verzurren der Maschine beziehen wir die Kabine.

Dann ab auf’s Sonnendeck und die Bierbüchsen raus. Wie schon 2009 auf der Fähre von Kiel nach Oslo erlebt, kommt jedoch auch hier das Personal sofort angeschossen um uns darauf aufmerksam zu machen, dass das nicht "Allowed" ist. Also Deck tiefer, wo kein Service ist und dort weitertrinken. Um 19:30 Uhr sind wir im großen Buffettraum und genießen ein herrliches Abendessen. Auch mal wieder schön nach 2 Wochen Fish&Ships und Burgern satt. Die Fähre legt 20:00 Uhr ab und wir beobachten die Rausfahrt aus dem Fjord von Hull. Der Sonnenuntergang ist wieder ein Erlebnis für sich. Gegen 22:30 Uhr geht‘s ins Bett .....


Die folgenden Ereignisse sind dann die Schlimmsten, welche ich in meinem bisherigen Leben mitgemacht habe und lassen sich mit Worten einfach nicht beschreiben. Mein Freund und Begleiter der letzten 14 Tage verstarb auf der Fähre an Herzversagen. Hier endet dann auch der Reisebericht.

An dieser Stelle komme ich jedoch nicht umhin, meinen ganz besonderen Dank an Dani, Thomas und Frank zu richten, die ohne zu zögern nach Rotterdam gekommen sind um mich nach Hause zu holen. Frank fuhr mein Bike und ich konnte im Auto mitfahren. Ganz besonderer Dank gilt auch der Crew der P&O Fähre.


Bilder Wild Atlantic Way


Am Ende eine längerer Videozusammenschnitt der Tour. Dauert ca. 16 Minuten und hat 100 MB. Für Leute mit langsamer Internet-Geschwindigkeit kann es also etwas länger dauern. Nicht ungeduldig werden.



Opa Olaf im September 2015