OO-CC T2009 0117
 2015-Tour

2009 Norwegen



Das Land der Fjorde, Elche, Trolle, Kurven, Seen und Pannen

Gefahrene Kilometer ca. 2700 ab Halle

Die diesjährige Wochentour führte uns nach Norwegen. Insgesamt waren 4 Wörmlitz-Biker und 3 Münchener Bikerfreunde unterwegs - Opa Olaf (Tourneuling) - Frank - Schraubergott Thomas - Ahcim - Hase -Bodo und Ronald (auch Tourneuling). Jens musste die Tour leider kurzfristig absagen - Vorstellungsgespräch !

Im Vorfeld gab es zwar etwas Aufregung über das Ergebnis der Tourauswahl (Opa Olafs Spezialformel!!) - am Ende waren dann doch alle begeistert von der tollen Tour. Und um es gleich vorwegzunehmen - Fjorde gibt es reichlich, Elche nicht gesehen, Trolle nur aus Keramik, Kurven mehr als genug, Seen viele und Pannen zu viele.

Biker

Tourguide
Frank
Pannenkönig
Bodo
BMW R1150RAprilia Caponord

Rennhase
Mario
Gemeiner Höhlentroll
Aprilia Falco 1000Honda Pan European

Schraubergott
Thomas
Tourneuling
Olaf
Honda CBF1000Yamaha 1700 Roadstar

Tourneuling
Ronald
Aprilia Caponord

Vorbereitungen

Zunächst galt es eine optimale Route zu finden. Das kostete gehörig Zeit und einige kühle Blonde. Das Hauptproblem stellte die lange An-und Abreise dar. So entschieden wir uns für eine Kombination mit 2 Fähren, was erheblich Anreisekilometer, Zeit und Stress sparte.

Frank besorgte zusätzlich ein GPS und alle notwendigen Karten wurden eingescannt und einlaminiert. Notwendige Arbeiten an den Bikes wie neue Reifen, Bremsbeläge sowie Werkstattscheck wurden überwiegendenteils durchgeführt. Die Tickets für die 2 Fähren wurden von Frank bestellt.

Alle hatten Schlafsäcke dabei, da man uns vor der Qualität der Bettwäsche in den norwegischen Hütten gewarnt hatte. Der Wetterbericht für Norwegen sah ganz vielversprechend aus - es konnte also losgehen.

4.6.2009 - Grillen mit Bikernfreunden aus München

Unsere 3 Münchener Freunde kamen am 4.6. gegen 20:00 Uhr in Halle an. Thomas hatte sündhaft teure (aber leckere) Würstchen vom Röpziger Fleischer besorgt. Bier und Verdauerlies waren auch reichlich vorhanden.

Ein schöner Abend - wohl auch mit der Frage was uns an Essen und Trinken in Norwegen noch bevorstehen sollte. Gegen 23:00 Uhr gings ins Bett. Um 5:45 sollte es bei Ahcim Kaffee geben und die Abfahrt war für 6:00 Uhr geplant.

Das war der PLAN !

Die Route [ aus Übersichtsgründen nur der reine Norwegenteil]



TAG-1 [ 5.6.2009 Halle - Kiel 530 Km ]


Um 5:45 war dann also Kaffeetrinken bei Ahcim. Einige Frauen und Jens standen zur Verabschiedung bereit. Dann die erste Hiobsbotschaft - Bodos Aprillia Caponord wollte nicht anspringen. Nachdem er diese Probleme schon im letzten Jahr hatte, haben alle schon am Vorabend geunkt !!

Also ADAC anrufen und ab zu Frank, wo Bodos Maschine einsam rumstand. Der ADAC-Mann war bereits da und versuchte sein Bestes. Zusammen mit Schraubergott Thomas und der Aprilia-Hotline wurde das Schaltrelais schnell als Ursache gefunden. Den Tipp von Thomas, das Relais am besten zu überbrücken nahm der ADAC-Mann erst am Ende wahr. Die Nervosität war allen anzumerken - standen wir doch unter dem Zeitdruck die Fähre in Kiel bis spätestens 13:30 zu erreichen. Gegen 7:45 war dann eine Notlösung (mit viel zu dünnem Draht) gefunden, welche uns zunächst für einen Tag Ruhe geben sollte.

Es ging los. 530 stinklangweilige Autobahnkilometer lagen vor uns. A9-Berliner Ring - A24 -A7 !! Frank war wie immer der Tour-Guide und fuhr als erster. Die A9 muß ihn dann wohl so fasziniert haben, dass er kurzerhand am Berliner Ring in Richtung Frankfurt/Oder weitergefahren ist. Olaf-Haase-Bodo und Ronald bogen richtig ab. Für die anderen hieß das - einige Zusatzkilometer ! An der übernächsten Raststätte waren wir wieder alle zusammen.

Pünktlich um 13:00 Uhr waren wir am Norwegenkai in Kiel und standen vor der Colorline-Fähre - einfach gigantisch groß das Teil. Check-in - alle Bikes mit Spannriemen verzurren - keiner hatte Peilung wie das geht und das pfiffige Personal hatte sich gleich mal verzogen. Schweißtreibende Angelegenheit - Opa Olaf sah wie frisch geduscht aus. Dann ab in die Kabinen. Wir hatten 2 Vierbett-Innenkabinen a 7,5 m² gebucht.

Kurz umhosen und dann ab aufs Deck - davon gabs reichlich - 15 Stück - Unglaublich ! Zunächst erst einmal das Auslaufen der Fähre bestaunen und dann Erkundungsgang in der Shopping-Mall! Dort gibt es alles was das Herz begehrt, aber der Normalsterbliche deutsche Steuerzahler sich kaum leisten kann. Hatten aber alle Hunger und so gabs Pizza und Bier für ca. 25 € (pro Nase!). Dann ab in den TAX-Free Shop und einige Sixpacks Bier gekauft. Damit sollten wir noch eine böse Überraschung erleben.

Wir passieren auf unserer Fahrt auch die Öresundbrücke, welche Kopenhagen auf der dänischen Seite mit Malmö auf der schwedischen Seite verbindet. mit 7845 Metern ist sie die weltweit größte Schrägseilbrücke der Welt. Ein imposantes Bauwerk, was viele Passagiere auf den Decks zu einem Foto-Shutung der ganz besonderen Art veranlaßt.

Die Suche nach einem ruhigen Plätzchen, wo wir die TAX-Free-Sixpacks vertilgen konnten gestaltete sich als sehr mühsam. Auf dem ganzen Schiff gab es nur die Nachtbar, in der erst ab 23:00 Uhr bedient wurde. Also nichts wie hin - Bier raus und erstmal einen kräftigen Schluck nehmen. Sofort kam ein Security-Mann angeschossen und ohne uns zu versehen wurden die Büchsen mit den Worten

"This is not allowed"

konfisziert !!! Wir waren so überrascht, dass keiner auch nur ein Wort herausbrachte. Prima Service - aber wie heißt es so schön "Wer lesen kann ist klar im Vorteil". Der Hinweis auf diese sinnlose Festlegung stand an mehreren Stellen deutlich sichtbar geschrieben. So mußten wir nach anderen Alternativen suchen, die wir auch schnell fanden. Ab ins nächstgelegene Restaurant und 2 Bier bestellt. Diese wurden dann den ganzen Abend nicht mehr leer, da sie ständig mit den o.g. TAX-FREE Büchsen wiederbelebt wurden.

So ging der Abend dann doch noch ganz gemütlich zu Ende. Um 24:00 Uhr also alle ins Bett (außer Ronald und Thomas - das sollte die ganze Tour so bleiben). Alle haben super geschlafen.


TAG-2 [ 6.6.2009 Oslo - Geilo 260 km ]


Am nächsten Morgen fahren wir dann bereits in den Oslo-Fjord ein. Also erstmal Frühstücken - für 99,- NOK (ca. 12 €) im Grand Buffett - SUPER ! Dann raus aufs Deck und Landschaft gucken. Bereits hier konnte man ahnen, welche geilen Gegenden uns hier in Norwegen noch erwarten sollten. Das Wetter war fantastisch und wir dockten pünktlich um 10:00 Uhr an.

Alle auf die Bikes und los. Außer Bodo - wieder Startprobleme - das Käbelchen des ADAC-Manns war zu dünn und nahezu am Verglühen. Irgendwann sprang die Maschine dann doch noch an. Zum Glück hatte Jens in Halle nach einer Aprillia-Werkstatt gegoogelt und uns die Adresse per SMS geschickt. Na dann - alle auf die Bikes und per Navi zur "Werkstatt". Es ging über kleine Sträßchen, Schotterstraßen und Feldwege. Dann waren wir am Ziel - aber außer einigen geschlossenen Werkstatt-Toren -- Nichts !!!!

So mußten wir also weiter zur nächsten Werkstatt. Die wurde auch relativ schnell gefunden. Dort war ein total cooler Typ gerade damit beschäftigt einen Rennwagen für ein Rennen in Schweden flott zu machen. Er hatte den vollen Durchblick und fertigte uns richtige Kabel an, mit denen das "händische" Anlassen der Caponord dann endlich funktionierte. Der Spruch des Norwegers sollte sich für den Rest der Tour noch mehr als war beweisen.

"In Norway we have no problems - only solutions!"

Jetzt konnte es also mit unserer Norwegen-Tour so richtig losgehen. Langsam gewöhnten wir uns an den rauhen, reifenverschleißenden norwegischen Asphalt. Entlang der E7 wurde die Landschaft zunehmends schöner und kurviger. Am ersten See machten wir Halt. Opa Olaf konnte nicht widerstehen und ging ins Wasser - wenn auch nur für wenige Augenblicke - es war unbeschreiblich kaaaaallllllt !!!!

In Nesbyen verlassen wir die E7 und biegen links ab und fahren solange, bis wir auf die 40 stoßen. Dort wird die Landschaft immer schöner und rauher. Wir fahren an schneebedeckten Bergen vorbei, welche bereits ab 1000 m anzutreffen sind. Zwischendurch immer wieder Häuser, welche z.T. moosbewachsene Dächer haben - ob hier jemand wohnt ist nicht auszumachen - die Gegend ist menschenleer und erst in der Nähe unseres Zielortes Geilo trifft man ab und zu auch mal auf einige Autos. Ansonsten nur Landschaft satt.

Die Abfahrt nach Geilo ist die erste wunderbare Kurvenstrecke unserer Tour. Das sollte aber nur ein kleiner Vorgeschmack von dem sein, was uns noch erwarten sollte. Unmittelbar hinter einer Brücke am Ortseingang fanden wird unsere erste Hütte - im "Geilo Camping og Hytter‎". Wir buchen eine Hütte für alle mit 2 Schlafräumen, Küche, Bad/WC für 900,- NOK ! Die erste Überraschung gibt es dann bei der Besichtigung der Betten - offenbar wurden diese im letzten Jahrtausend zum letzten Mal gereinigt bzw. gewechselt. Da man uns aber über diesen Zustand bereits in Deutschland gewarnt hatte, haben wir alle Schlafsäcke mitgenommen.

In unmittelbarer Nähe befindet sich auch ein SPAR-Supermarkt, wo wir alles Notwendige bekommen um Spaghetti-Bolognese zu kochen. Diesen Job übernehmen Opa Olaf und Bodo - beides echte Gourmets, welche ihren Job verstehen und ein opulentes Abendmahl zaubern.

Da eine Spülmaschine vorhanden war, sollte es ein Leichtes sein, den Abwasch zu erledigen. In Ermangelung an Tabs griff Schraubergott Thomas kurzerhand zum Spülmittel und gab "einige Spritzer" in die Maschine. Im Ergebnis stand alsbald die halbe Küche unter Schaum.

Merke : Spülmaschinen sind anders als Moppeds !!!

Den Rest das Abends vertreiben wir uns mit reichlich Benzingesprächen - Bier und Cola-Rum. Rum hatten wird aus Deutschland mitgebracht. Und gerade damit sollte es noch eine Überraschung der besonderen Art geben - aber davon später. So geht der Abend langsam zu Ende, ohne dass es draußen sichtbar dunkler wird. Da wir uns auf Mittsommernacht zubewegen auch kein Wunder. Wir hätten um 24:00 Uhr noch Zeitung lesen können - für alle eine völlig neue Erfahrung.


TAG-3 [ 7.6.2009 Geilo - Edland 240 km ]


Gegen 9:00 Uhr machen wir uns heute auf den Weg. Nach einem guten Frühstück in der Hütte geht es entlang der E7 in Richtung Halne Fjellstove, mit einer Höhe von 1140 Metern der höchste Punkt unserer Tour.

Auch wenn das nur Niveau der deutschen Mittelgebirge hat, erschlägt uns die Landschaft mit ihrer rauhen Schönheit. Vorbei an schneebedeckten schroffen Steinhaufen und Gletscherseen geht es bis zm Hotel Halne Fjellstova, wo wir Kaffee und Schokomilch trinken.

Wir treffen eine New Yorkerin mit norwegischen Wurzeln, die mir ihrem einheimischen Großvater ebenfalls eine kleine Rundreise macht. Doch wir haben ein kleines Problem - Marios Tank ist so gut wie leer und unsere Nachfrage nach der nächsten Tankstelle ergibt 60 km in die eine und 45 km in die andere Richtung. Da wir ja bereits die Hilfsbereitschaft der Norweger kennengelernt haben, versuchen wir auch hier eine Lösung zu finden. Auf unsere Frage ob es so etwas wie einen Schlauch zum Abzapfen von Sprit aus "Ahcims Großraumtank" gibt, macht sich sofort der Koch ans Suchen und zaubert einen passenden Schlauch ans Tageslicht.

Es kann also weitergehen. An dieser Stelle muß unbeding erwähnt werden, das der Haase seinen Reichweitenrekord mit einer Tankfüllung von 231 km auf sagenhafte 283 km verbessern konnte. Dies ist jedoch nur unserer extrem spritsparenden Fahrweise zu verdanken - getreu dem Motto :

Wir sind zwar nicht die Schnellsten - aber die SCHÖNSTEN !

An einem Gletschersee machen wir Halt und schießen eine Unmenge Bilder. Wir wundern uns über die kleinen Haufen an den Straßenrändern übereinander geschichteter Steine. Erst glauben wir an ein Naturwunder. Aber es soll angeblich einfach nur Glück bringen, die Steine so aufzubauen. Ein schöner Anblick ist es aber allemal.

Jetzt geht es nur noch bergab und wunderbare Kurven lassen das Herz unserer Kurvenheizer höherschlagen. Wir fahren fast 50 km bergab bis es weiter entlang des Eidfjord bis nach Brimnes geht. Dort biegen wir auf die E13 und fahren entlang des Sorfjorden. Eine herrliche Gegend, auch wenn Baustellen Fahrer und Maschine manchmal ganzschön forden. Da wir am Vorabend eine kleine Routenänderung vorgenommen hatten, geht es in Kinsarvik auf die Fähre, denn wir wollen auf der anderen Fjordseite eine mautpflichtige Gletscherstraße befahren.

Unser Bummelbiker Olaf war zu diesem Zeitpunkt am Ende der Gruppe, als eine Baustelle mit Forstarbeitern eine plötztliche Vollbremsung erforderlich machte. Dabei zog die Maschine stark nach LINKS (danke Haase) und konnte nur mit Mühe abgefangen werden. Was war los? Höchstwahrscheinlich Bremsschaden war der erste Gedanke. Also schön piano den Anderen hinterher, die beim Abzählen an der Fähre plötzlich feststellten, dass einer fehlt. Wir haben dann trotzdem alle die Fähre nach Utne (ca. 30 Min.) geschafft.

Dort angekommen machte Schraubergott Thomas eine Testrunde mit Olafs Yamaha und bestätigte das außergewöhnliche Bremsverhalten. Also der zweite Schaden dieser Tour. Jetzt hieß es eine Tanke zu finden und Bremsflüssigkeit kaufen. Die Diagnose von Thomas lautete "Bremse gegast - wir müssen entlüften" .

Die Tankstelle war schnell gefunden und in unmittelbarer Nachbarschaft bekamen wir von einem Fliesenleger den notwendigen Schlauch und Behälter. Aber auch das Entlüften und die anschließende Demontage und Kontrolle der Bremssättel konnten den Schaden nicht beseitigen. So entschlossen wir uns etwas langsamer weiterzufahren und am nächsten Tag eine Yamaha-Werkstatt aufzusuchen.

Durch die ca. 2-stündige Zwangspause war unser Plan den Gletscher zu befahren natürlich nicht mehr machbar. So ging es auf der Straße 550 entlang des Fjords bis nach Odda und Skare, dann weiter bis nach Horda wo wir auf die E134 fahren. Wir fahren bis Edland, wo wir ohnehin die nächste Übernachtung geplant hatten.

Zwei 4-Mann Hütten im "Tallksbru Camping" sind schnell gefunden. Diesmal mit zentraler Dusche und WC in der Nähe der Rezeption - daher auch sehr preiswert - pro Nase ca. 9 € !

Wir sind alle ziemlich hungrig und gehen in eine nahegelegene Fastfood-Bude. Auf dem Weg dorthin treffen wir die skurrilsten Moppeds, die wir wohl je gesehn haben. Zwei Honda Goldwings mit einem Anhänger und einem Wohnwagen. Wir können uns vor Lachen kaum halten. Goldwing-Fahrer sind eine eigene Spezies, was wir jetzt selbst erleben können.

In der Frittenbude haben wir die schlechtesten Burger der Tour bekommen. Zu allem Übel waren auch nur noch 3 Bier da! So also zurück in die Hütten und an die mitgebrachten Alkoholvorräte . Frank und Opa Olaf fahren zur nahen Tanke und holen Cola, damit wir was zur Rumverdünnung haben.

Während wir bis jetzt von norwegischen Wetter verwöhnt wurden, fängt es jetzt auch noch an zu regnen. Und morgen soll die Königsetappe dieser Tour durch das Sirdal zum Lysefjord kommen - das läßt nichts Gutes ahnen.

Doch wir sind guter Hoffnung, dass sich der Regen noch verzieht und wir sind wie immer gegen Mitternacht im Schlafsack.


TAG-4 Die Königsetappe
[ 8.6.2009 Edland - Sirdal - Lysebotn 230 km ]


Die ganze Nacht Regen. Unsere beiden senilen Bettflüchter Ahcim und Thomas holen uns aus den Betten - können es gar nicht erwarten loszukommen. Morgens hört es kurz auf zu regnen und wir kommen so wenigstens trocken auf die Motorräder.

Fahren zur nahe gelegenen Tanke um die Bikes wieder aufzufüllen. Dann geht es Richtung Süden auf der E90 Richtung Hovden. In der nächsten größeren Siedlung sehen wir einen Supermarkt, wo wir ordentlich frühstücken. Schokomilch - Kaffee - belegte Brötchen - Süßstückle etc.

Kurz vor der Abfahrt fragt sich Opa Olaf beim Betrachten seines Bikes, was wohl mit der Rumflasche, welche in der Lederrolle unterhalb der Telegabel angebracht ist, passiert wenn die Telegabel bei einer starken Bremsung voll eintaucht. Owee - eine Vorahnung! Nach näherer Untersuchung bemerke ich, das im vorderen Radschutzblech eine ziemlich symmetrische Beule ist. Da fällt es wie Schuppen aus den Haaren! Die Bremsprobleme bei Opa Olaf entstehen, wenn die mit Rum gefüllte Rolle bei einer starken Bremsung auf jenes Radschutzblech trifft und somit die Telegabel das Vorderrad blockiert. Das Gelächter der anderen Biker war natürlich gewaltig - aber wir hatten damit das Problem gelöst und konnten unsere Tour fortsetzen, ohne eine Yamaha-Werkstatt aufzusuchen. Und was lernen wir daraus:

Alkohol und Moppeds passen wirklich nicht zusammen !

Wir sind gestärkt und es geht weiter auf der E9 über Bykle - Sandnes und Brokke. Dort biegen wir rechts ins Sirdal ab. Je höher wir kommen, desto fantastischer wird die Landschaft. Nur noch Steine, Moose und Seen und das Ganze in einer unwahrscheinlich kurvigen Gegend. Kurz hinter Suleskard biegen wir wieder rechts ab und wollen nun Richtung Lysfjord.

Der Himmel wird zunehmend dunkler und es fängt an zu regnen. Mist - das hat uns noch gefehlt. Sollen doch gerade jetzt die schönsten 30 km der Tour beginnen. Aber es hilft nichts - wir müssen weiter. So bleibt nicht viel Zeit, die Schönheit dieser Gegend zu bewundern. Volle Konzentration auf die nasse Fahrbahn und die engen Kurven.

Regelmäßig erscheinen Schilder mit dem Hinweis "Ferrest" - das sind quer zu Fahrbahn liegende Eisenstäbe, die es gilt, mit äußester Präzission zu überfahren. Besonders spannend werden die letzten Kilometer abwärts nach Lysebotn - 27 Serpentinen!

Kurz vor dem Ziel dann die nächste Panne - und das im wahrsten Sinne des Wortes. Kurz hinter einer Serpentine stehen Bodo und Ronald neben ihren Maschinen. Diagnose - platter Reifen an Ronalds Aprillia. Prima - und das mitten im Nirgendwo.

Ronald telefoniert mit dem ADAC - die werden einen Abschleppwagen schicken - welcher das Bike zur Fähre nach Lysbotn bringt. Von dort soll es dann am nächsten Morgen per Schiff durch den Lysefjord bis nach Lavvik gebracht werden. Irgendwo in Sandnes gibt's 'nen Reifenhändler wo wir dann den Reifen bekommen sollen.

Plötzlich lautes Hupen bergaufwärts. Alle stutzen zunächst. Ein roter Kleintransporter mit einem Anhänger, der wie ein Schweinetransporter aussieht. Vorne hinter der Scheibe ein A4-Zettel mit der Aufschrift - ADAC ! Halloooo ??? Im Transporter saßen die restlichen Biker und kamen vor Lachen nicht zu Stehen!

Hier kam wieder mal die norwegische Hilfsbereitschaft zum Vorschein. Die Betreiberin der einzigen offenen Kneipe in Lysebotn hat das ganze Gespann kurzerhand zur Verfügung gestellt. Leider passte die Maschine nicht auf den Hänger. So mußten Ronald und Bodo notgedrungen doch warten, bis der ADAC kommt.

Der Rest der Truppe fährt runter nach Lysbotn in die Kneipe. Die Koch, keine Ahnung welche Nationalität - aber mit einem Aussehen wie Dschingis Khan - macht hervorragendes Essen. Klasse Burger und Nudeln mit Scampis und selbstgemachten Pesto. Endlich mal wieder ein ordentliches Essen, wenn auch nicht ganz billig. Für schlappe 7 Euro gibt es 0.4 l Bier im Plastebecher - köstlich nach solch einer Regentour.

Endlich kommt der richtige ADAC-Mann und bringt Ronalds Maschine zum Hafen. Wir buchen 2 Hütten für ca.18 € pro Nase - die relativ neu und auch sauber sind. Der Weg dorthin führt über ca. 50 Meter pitschnasse Wiese, wo das Mopped von Thomas plötzlich ein Eigenleben entwickelt und beide den Flieger machen. Zum Glück nichts passiert und alles heile.

Wir leihen uns eine Angel um das Abendessen zu organisieren. Aber Pustekuchen - wir fangen nichts und müssen wieder auf das teure aber klasse Essen der Kneipe zurückgreifen. Wir entdecken in unmittelbarer Nähe eine Werkstatt (wahrscheinlich von so einer Art Stadtwerken), welche auf unsere Bitte hin öffnet - einfach erstaunlich wie hilfsbereit die Norweger sind. Wir bauen das Vorderrad von Ronalds Maschine aus (Danke an Aprilia für den nicht vorhandenen Hauptständer!) und fixieren es mit einem Spannriemen um dann Luft aufzupumpen. Es funktioniert ! Probefahrt ist i.O. und wir beschließen am Morgen noch einmal den Luftdruck zu prüfen.

Was würden wir nur ohne Schraubergott Thomas machen. Werden ihn kommendes Jahr wieder mitnehmen und er bekommt eine ADAC-Service-Weste. Kommen in der Kneipe mit der Chefin und ihrem Mann ins Gespräch und erfahren, das wir unsere Wanderung zum Preikestolen lieber gegen eine Wanderung auf den nahegelegen Hausberg Kjerag tauschen sollen. Der Preikestolen ist nämlich nur "Disneyland" - die echten Kenner gehen auf den Kjerag. Dort treffen sich auch regelmäßig völlig durchgeknallte Base-Jumper, die in so eine Art Batman-Kostüm gekleidet vom Berg springen! Schauen uns auf dem TV ein Video an und entscheiden, das das nix für uns ist.

Wir lassen den Abend gemütlch ausklingen die eine Hälfte beim Skat und die andere im Bett. Morgen soll das Wetter besser werden und wir werden das Sirdal wieder zurückfahren um dann eine Hütte in der Nähe des Preikestolen zu finden.


TAG-5 - 9.6.2009
[ Lysebotn - Algard - Preikestolen - 200km ]


Heute steht die Wanderung zum Preikestolen, Norwegens wohl bekanntestem Ausflugsziel, auf dem Programm. Wir bekommen in der Kneipe ein fantastisches Frühstück mit Eiern und Bacon sowie guten Kaffee. Herz was willst Du mehr !

Wir fahren bei herrlichstem Sonnenschein los und die Kurvenheizer sind in Ihrem Element. Es geht wieder 22km die Serpentinen und Kurven den Berg hinauf. Auch Opa Olaf läßts für seine Verhältnisse so richtig krachen und hinter den Trittbretten fliegen die Funken.

Wir fahren in Svartevatn auf die Straße Nr. 45, die uns entlang der Ovstabodalen-Bergkette über Byrkjedal und Dirdal nach Algard führt. Hier kommen wir gegen 11:00 Uhr an. Liegen sehr gut im Rennen und haben gegenüber der Planung eigentlich kaum Rückstand.

Also umziehen und startklar machen für die Besteigung des Preikestolen. Da Opa Olaf mit seinen Knien reichlich Probleme hat, enschließt er sich auf die anstrengende Tour zu verzichten und stattdessen nach Stavanger zu fahren. Der Bericht der anderen sollte zeigen, dass das eine gute Entscheidung war.

--Bergsteiger-Bericht--

Auf nach Disneyland?

Ok, ausnahmsweise mal ohne Motorrad-Kluft machen wir uns in Jeans und Turnschuhen auf die ca. 40 Kilometer von Algard bis zur 'Talstation' unterhalb des Preikestolen. Unterwegs nichts besonderes, das Wetter passt, noch schnell ein Fast-Food-Mahl nach der kurzen Fährüberfahrt (Lauvvik - Oanes) und wir sind nach einer Stunde am Parkplatz unterhalb des Preikestolen angekommen. Bikerfreundlich muss man nicht die Haupteinfahrt des Parkplatzes mit Schranke benutzen, sondern erreicht die 'Mopped-Ecke' durch eine kleine Schlängelfahrt zwischen einigen Findlingen. Das ist übrigens die offizielle Einfahrt für Zweiräder!

Da wir sämtliches Gepäck ja in den Hütten gelassen haben, sind die Seitenkoffer bereit für die Aufnahme von Helmen, Handschuhen usw. Der Rest wird mit den mitgebrachten Seilschlössern an den Moppeds angschlossen - es kann losgehen.

Kurz das Schild angeschaut, auf dem der gesamte Aufstieg zum Preikestolen dargestellt ist: Angegebene Zeit für den Aufstieg/Abstieg jeweils zwei Stunden! Da auch Biker so etwas wie sportlichen Ehrgeiz haben, beschließen wir: Das muss schneller gehen! Mal seh'n.

Erste (relativ kurze) Etappe bis zu einem kleinen Plateau etwas oberhalb des Parkplatzes. Kein Problem, zwar ein wenig steil, aber für jeden (der einen Einkaufsbummel mit seiner Frau übersteht) machbar und schon einmal ein (wirklich kleiner!) Vorgeschmack auf die Aussicht. Der weitere Pfad erinnert am ehesten an eine sehr schlecht gepflasterte Mittelalter-Straße, ist aber wandertechnisch auch noch ganz moderat zu meistern.

Das erste Drittel ist geschafft und eines der Hinweisschilder verzeichnet einen steilen Anstieg. Da es auch bisher schon ordentlich bergauf ging, fragen wir uns, wie eine solche Steigung denn aussehen soll: Lift? Leitern? Nö! Steine! Oder besser gesagt: Das Ganze sieht aus, als hätte Godzilla die ganze Schlucht mit seinen Spielmurmeln zugeschüttet. Das grenzt für Flachland-Tiroler wie uns ja schon fast an Kletterei, ist aber für jemanden mit normaler Ftness absolut machbar. An dieser Stelle hätte aber wohl Opa Olaf kapitulieren müssen - für Leute mit Knieproblemen ist hier definitiv der Drops gelutscht.

Die Route durch die Steine ist mit roten Markierungen gekennzeichnet, weitere Hilfsmittel gibt es nicht - bis auf einen kleinen Teil kurz vor dem Ende des Aufstiegs. Dort sind dann doch ein paar Treppen gebaut worden und wir finden für ca. 50m Halt an einem Geländer. Danach haben wir es dann fast geschafft - auch wenn sich die 'Halleschen Wiesel' von den 'Münchner Faultieren' mittlerweile deutlich abgesetzt haben. Eine letzte Biegung, ein kleiner Anstieg und dann: WOW! Was Mutter Natur hier veranstaltet hat ist einfach nur beeindruckend. Bilderbuch-Landschaft ist untertrieben. Vom Vorplateau aus genießen wir den Blick auf den Preikestolen (Predigtstuhl) und begreifen, woher der Name kommt! 604 Meter tiefer schillert der Fjord in blautürkis. Die Touristenschiffe dort unten sehen aus wie Ruderboote.

Zeit für erste mutige Fotos. Über einer Felsspalte von 50 Metern Tiefe breitbeinig stehen, sich an den Abhang setzen und die Beine baumeln lassen oder doch lieber vorsichtig auf dem Bauch liegend so lange kriechen, bis der Blick in hunderte Meter ungesicherte Tiefe einem die Sinne verwirrt. Alles machbar - je nach eigenem Mut.

Mittlerweile hat die ganze Truppe den eigentlichen Preikestolen über eine letzte gefährlich anmutende Ecke mit nur 10 cm breiten Trittflächen erklommen. Erst einmal eine kleine Stärkung in Form von mitgebrachtem Mineralwasser und dann: So viel Stil muss sein! - Das letzte Tax-Free-Bier von der Fähre (Der Hase hat es in den Tiefen seines Tankrucksacks noch entdeckt.) - Genuss pur!

Nachdem unser Foto-Hunger gestillt ist, ein banger Blick nach oben. Wetterwechsel. Hmm, wir werden wohl doch noch nass. Uns kommen kurz die Batman-Flieger vom Kirjak in den Sinn - allerdings überlassen wir 600 Meter tiefen Freiflug dann doch lieber anderen und gehen zu Fuß. Auf dem Abstieg erwischen uns ordentliche Prasselregen, ansonsten gelangen wir aber wohlbehalten wieder bei den Moppeds und machen uns auf den Rückweg nach Alborg, wo (Wie wir dachten!) uns Opa Olaf erwartet, der sich für die Bier-Beschaffung verantwortlich gemacht hatte.

Ach ja, der sportliche Ehrgeiz: Die 'Halleschen Wiesel' haben 1h15min für den Aufstieg gebraucht! Den Abstieg schafften dann (fast) alle in einer ähnlich guten Zeit. Wir waren also die Schönsten UND die Schnellsten!

-- Stavanger Besichtigung --

Opa Olaf fährt nach Stavanger. Die ca. 30 km sind in einer halben Stunde geschafft. Stavanger ist mit ca. 122000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Norwegens und wird von Touristen sehr gerne besucht.

Mitten in der City gibt es für Biker einen kostenlosen Parkplatz, den ich gern in Anspruch nehme. Schon von weitem sind hinter bzw. über den Häusern die Konturen zweier riesiger Schiffe zu erkennen. Beim Näherkommen erkenne ich , das es sich um die Queen Mary 2 und die MSC Orchestra handelt.

Wie heißt es doch so schön - Ein junger Mensch muss Glück haben. Die Queen Mary ist das derzeit viertgrößte Kreuzfahrtschiff der Welt und mit 345 Metern das längste. Je näher man herankommt um so mehr wird man sich der Winzigkeit seines eigenen Daseins bewusst. Die MSC Orchestra ist mit 295 Metern Länge zwar nicht viel kleiner als die QM2, kann aber ca. 500 Passagiere mehr aufnehmen.

Am Hafen wimmelt es von Passagieren die einige Stunden Landgang haben sowie von Touristen, die sich dieses einmalige Spektakel nicht entgehen lassen wollen. Ich mache einen kleinen Rundgang, der mich auch in das unmittelbar in der Nähe gelegene historische Stadtviertel Gamle-Stavanger führt. Kleine weiß gestrichene Holzhäuser aus dem 18. und und 19. Jahrhundert machen einen sehr gepflegten Eindruck. In 50 Metern Luftlinie sieht man darüber die Silhouette der Queen Mary 2 . Was für Genensätze, die aber hier wie ein harmonisches Ganzes ineinander verschmelzen.

Auf dem Bikerparkplatz treffe ich eine Deutsche mit einer Yamaha-Dragstar und norwegischem Kennzeichen. Sie ist vor einem Jahr mit ihrem Mann ausgewandert und will sich das Spektakel der beiden riesen Schiffe auch einmal anschauen.

Ich fahre zurück nach Algard, wo ich mich noch um die alkoholische Versorgung der restlichen Biker kümmern muß. Kaufe aus im Supermarkt für jeden 2 Büchsen richtiges Bier und erwarte in der Hütte die Ankunft der Bergsteiger. Eine Stunde später treffen alle ein und sie haben auch schon alles Notwendige für eine Mahlzeit gekauft. Es soll Tagliatellieal Olio, Aglio, Scampi & Peperoncini für die Gourmets und Spaghetti Bolognese für die Normalesser geben. Das Ganze liegt natürlich wieder in den Händen unserer 2 Chefköche.

Da die 2 Büchsen Bier für jeden ein schallendes Gelächter auslösen, macht sich Frankie noch mal in den Supermarkt um Bier zu holen. Wollen unbedingt auch mal Let-Öl kosten. Soll so etwas wie Kölsches Leichtbier sein. Sind alle gespannt. Während das Essen wieder die reinste Köstlichkeit ist, verziehen sich beim Verkosten des Let-Öl die Gesichter und wir fragen uns, wie mal so etwas für den Verzehr freigeben kann.

Trotzdem haben wir noch einen schönen Abend. Da die Anstrengung der Preikestolen-Besteigung allen anzumerken ist, gehen wir etwas früher ins Bett als gewöhnlich.

Am nächsten Tag geht es ans Meer und wir freuen uns schon auf die von Peter (unserem daheimgebliebenen Norwegenkenner) empfohlene Gegend.


TAG-6 [ 10.6.2009 Algard - Loshamn 195 km ]


Das Wetter meint es wieder gut mit uns und wir wollen die Straße Nr. 44 befahren - immer an der Nordsee entlang. Es gibt zunächst Frühstück in der Hütte. Die am Vortag gekauftte Milch entpuppt sich als irgendeine BIO-Kultur und ist ungeniesbar - ja wenn wir doch Norwegisch könnten. So gibts den Kaffee also diesmal ohne Mich. Wir fahren in Algard zunächst ein Stück ca. 20 km Richtung Süden auf der E39. Da wir auf unserer bisherigen Route die Erfahrung gemacht haben, daß die wesentlich interessanten Straßen auf Nebenstrecken zu finden sind, verlassen wir die Hauptstraße und biegen kurz hinter Kydland auf die Straße Nr. 504 rechts ab. Auch dieses Mal sollten wir nicht enttäuscht werden. Entlang einer schönen Panoramastrasse geht es über Moi dann auf einer mautpflichtigen Straße bis nach Varhaug. Wir müssen keine Maut bezahlen, denn auch hier ist wir überall auf unserer Tour die Maut für Biker kostenlos - Klasse Service !

Kurz nach Varhaug fahren wir auf die 44 - gleich danach sehen wir bereits die Nordsee in kleinen Buchten. Die 44 ist ein Traum für Biker. Kaum Verkehr und ständig wechselnde Landschaften. Zur Rechten ständig kleine Buchten eingefaßt von mehr oder wenig großen Steinen. Überall kleine Häuser und Boote - nur Menschen sind nicht zu sehen.

Machen zwischendurch noch einen Abstecher ans Meer, um festzustellen daß die in der Karte eingezeichneten Symbole für Kaffee und Imbiss wirklich nur Symbole sind. Außer einer traumhaften Bucht mit Hütten und Booten - Nichts !

In Hauge, dem ersten größeren Ort, fahren wir zum Hafen. Wollen unbedingt Fischbrötchen essen sowie frischen Fisch für ein abendliches Grillerchen kaufen. Doch die Enttäuschung ist groß. Auch hier nur Fastfood. Das ist nicht zu verstehen, da doch Norwegen die 10-t größte Fischfangnation der Welt ist. Aber sowohl hier als auch an anderen Orten ist nirgends Frischfisch zu bekommen. Alles in allem ist das Essen in Norwegen für uns eine ziemliche Enttäuschung. Bleibt also wieder nur Fastfood in Form von Chicken-Burger, Polsern (ähnlich IKEA-Würstchen), Cola und Schokomilch.

Die 44 wird immer kurviger und damit erhöht sich zwangsweise der Spaßfaktor. Nur für Bodo nicht - auch Bremsprobleme. Unser Schraubergott hat den Fehler schnell gefunden. An der Vorderbremse ist auf der linken Seite der Bremsbelag völlig verschwunden. Damit ist die Bremse praktisch funktionslos. Jetzt haben wir ein richtiges Problem an der Backe. Bodo telefoniert mit seiner Versicherung. Wir beschließen langsam weiterzufahren und eine Werkstatt zu suchen. In Sogndal halten wir an einer Mitsubishi-Werkstatt an. Wir erklären dem Chef unser Problem, worauf der anfängt zu telefonieren. Kurze Zeit später kommt er mit der Nachricht, das die passenden Bremsbeläge für die Aprillia in Bykle bei einem Händler zu haben sind. Das sind ca. 100 km und in unmittelbarer Nähe von Algard, wo wir am Morgen losgefahren sind. Jetzt ist der Hase gefordert. Als schnellster und erwiesenermaßen bester Kurventechniker fährt er zurück um die Bremsbeläge zu holen. Die anderen fahren langsam weiter und suchen eine Hütte am Strand. Bodo benutzt nur noch die Motorbremse, da die Wirkung der Hinterradbremse bei der Aprillia nicht zu spüren ist - eine starke Leistung - zumal auf dieser sehr kurvigen Straße.

Die 44 führt uns weiter nach Flekkefjord, wo wir auf die E39 fahren. Die Anzahl der Tunnel erhöht sich ständig. Über Feda und Liknes weiter, denn wir wollen auf die Straße 465. In einem der Tunnel nehmen wir eine falsche Ausfahrt und müssen umkehren. Im Tunnel dann regelrechte "Autobahnkreuze" - gigantisch was die hier bautechnisch drauf haben. Nachdem wir die richtige Ausfahrt gefunden haben, finden wir in der Nähe von Farsund im Ort Loshamn einen schön gelegenen Zeltplatz mit Hütten. Bis zur feinsandigen Bucht sind es nur 50 Meter. Es beginnt die tägliche Prozedur - Sachen von den Bikes runter - Hütten beziehen ....

Frank und Ahcim fahren in Farsund einkaufen und wollen dort auch auf Mario warten. Eine Stunde später sind alle wieder zusammen und die Bremsbacken für Bodos Machine sind auch da. Unser Schraubergott tritt wieder in Aktion und es dauert keine halbe Stunde bis die Bremsbeläge gewechselt sind. Probefahrt o.k. und wir sind alle froh, daß wir die Tour Morgen normal fortsetzen können - steht doch noch die sehr kurvige Etappe nach Lindesnes und Kristiansand auf dem Programm.

Es hat leider wieder angefangen zu regnen und die winzigen Mücken machen uns zu schaffen. Es sind s.g. Black Flies die zu Hunderten um uns herumschwirren und sehr lästige juckende Stiche hinterlassen. Der Kopf von Mario sieht nach kurzer Zeit aus wie ein Streuselkuchen. Trotzdem lassen wir es uns nicht nehmen Baden zu gehen. Im strömenden Regen eine richtige Gaudi! Danach ab unter die Dusche und gegessen. Es gibt Kartoffelsalat mit Würstchen und geräucherten Lachs mit Weißbrot. Dann noch ein paar Bier und wir können nur hoffen, daß der Regen am kommenden Tag (unserem letzten) weg ist.


TAG-7
[ 11.6.2009 Loshamn - Hobro - 260 km ]


Der Tag begrüßt uns mit strahlendem Sonnenschein. Wir geniesen das letzte Frühstück auf norwegischen Boden. Um 16:00 geht unsere Speed-Fähre von Kristiansand nach Hirtshals. Wollen spätestens um 15:00 Uhr dort sein. Haben reichlich Zeit für die 135 km, sodaß wir einen Abstecher zum Leuchtturm nach Lindesnes planen. Fahren gegen 9:00 Uhr los und biegen in Farsund auf die 43. Hier geht es wieder auf wunderschönen Kurven bis Kvavik, wo wir rechts abbiegen und wieder kleine Straßen bis Hollen benutzen. Dort biegen wir rechts auf die 460 ab, die uns direkt bis Lindesnes führt.

Die Defekthexe meint es aber auch an diesem Tage nicht gut mit uns. Bodo klagt auf dem Weg zum Leuchtturm über Schlackern an der Vorderachse. Unser Schraubergott ist wieder geftragt. Klare Diagnose folgt sofort - Schaden am vorderen Radlager. Das bedeutet, daß Bodo es mit der Maschine mit Sicherheit nicht bis München schaffen wird. Jetzt ist auch der Schaden mit den Bremsbelägen klar, denn die eigentliche Ursache dafür ist das ausgeschlagene Radlager. Auf dem Parkplatz in Lindesnes telefonieren Bodo und Ronald daher -mal wieder- mit der Versicherung. Obwohl die Maschine eigentlich nicht mehr fahrbar ist, sollen wir irgendwie bis nach Hirtshals kommen. Dort wird die Maschine dann per Transporter nach München gebracht. Bodo soll ab Aalborg mit irgendeinem Flieger bis München gebracht werden. Wie er aber nach Aalborg kommt ist sein Problem - Klasse - willkommen in der Servicewüste Deutschland.

Die restlichen Biker machen sich hoch auf den Leuchtturm. Der kurze Anstieg ist schnell geschafft und oben angekommen erwartet uns ein genialer Ausblick. Treffen beim Abstieg zwei deutsche Biker-Rentner, welche aus Hildesheim kommen. Wollen noch bis zum Nordkap, immerhin 5000 km hin und zurück. Wollen sich ca. 5 Wochen Zeit lassen für den Trip - alle Achtung. Opa Olaf weis jetzt, was er in spätestens 5 Jahren, wenn seine passive Altersteilzeit beginnt, machen wird. Die anderen Biker müssen nicht traurig sein - sie bekommen mit Sicherheit einen Tourbericht zu lesen.

Wieder am Parkplatz angekommen, besprechen wir, wie es mit Bodo und seiner Maschine weitergehen soll. Wollen langsam bis Kristiansand bis auf die Fähre. Dann in Hirtshals die Maschine in der Werkstatt abgeben. Bodo fährt ab dort auf Ahcims 3-2-1 Sitzer mit bis nach Flensburg, von wo aus er den Zug nach München nimmt.

Es geht in Richtung Kristiansand. Fahren die 460 bis nach Vigeland, wo wir wieder die E39 benutzen. Sind gegen 13:30 in Kristiansand. In der Nähe des Zentrums suchen wir Parkplätze, was sich als ziemlich kompliziert erweist. Finden jedoch was passendes und es geht in Innenstadt. Dort haben wir das Gefühl, ganz Norwegen ist hier versammelt - soviele Menschen sind in der Stadt. Während wir uns in den dicken Bikerklamotten durch die Straßen quälen, laufen Heerscharen gut gebauter , sparsam bekleideter norwegischer Blondinen durch die Stadt. Nach soviel Natur eine angenehme Abwechslung.

Im Restaurant "Spis, Drikk & Vaer Glad" (vielleicht kann Peter und das mal übersetzen) gehen wir essen. Pizza + Coke für 25 €! Können nur hoffen, daß es nicht umsonst ist und die Nordseeüberfahrt nach Hirtshals nicht zu stürmisch wird.

Pünktlich um 15:30 läuft die Colorline-Superspeed im Hafen ein. Wir verzurren unsere Motorräder, was diesesmal viel schneller geht. Die Überfahrt soll bis 19:45 dauern. Haben also Zeit uns auf dem Schiff etwas umzusehen und im TAX-Free-Shop Whiskey, Portwein und andere nette Sachen zu kaufen. Im Bistro werden die letzten norwegischen Kronen für Essen und Kaffee ausgegeben. Dann bereiten wir uns auf die Ankunft in Hirtshals vor. Haben schon gehört, daß es in Dänemark katastrophales Wetter geben soll.

Pünktlich um 20:00 Uhr verlassen wir die Fähre und das Navi von Frank führt uns problemlos in die ca. 3 km entfernte Werkstatt, wo wir Bodos Aprilia parken und die Papiere im Briefkasten versenken. Letzte Bilder werden gemacht und während es jetzt zu regnen beginnt brechen wir auf um die ca. 130 km bis Randers zu schaffen, wo wir uns ein Hotel suchen wollen.

Die Fahrt in Dänemark ist kein Zuckerlecken. Der Regen wird immer stärker und es gesellt sich ein Sturm hinzu. In der Nähe von Hobro nehmen wir die falsche Spur und befinden uns auf der Autobahnabfahrt. Zürück wollen und können wir nicht und beschließen nach Hobro, einem größeren Ort, reinzufahren. Es ist 22:00 Uhr ,es giest in Strömen und das einzige Hotel im Ort entpuppt sicht als 4-Sterne (Ortkategorie) Teil. Preis für eine Übernachtung im Doppelzimmer 160,- € - Au Backe. Beraten im strömenden Regen was wir machen. Ronald kann den Preis auf 140,- € herunterhandeln. Thomas ist stinksauer und will unbedingt bis Randers (ca 20 km). Ob wir dort allerdings ein billigeres Hotel finden, wissen wir auch nicht. Also entscheidet Opa Olaf, diesmal in der Funktion des Alterspräsidenten, dass wir hier bleiben.

Beziehen unsere Zimmer und in der Hotellounge trinken wir noch 1-2 Bier zum Stückpreis von 7.- € pro 0.4 Liter - auch nicht billiger als in Norwegen. Um Mitternacht sind alle in den Betten - stehen doch am nächsten schlappe 750 km bis nach Halle auf dem Programm.


TAG-8 [ 12.6.2009 Hobro - Heimat 750 km]


Wir stehen früh um 7:30 auf und stärken uns bei einem oppulenten Frühstück. Kann man auch erwarten bei diesen Preisen. Draußen regnet es in Strömen. Keiner hat Lust auf die Bikes zu steigen. Aber was ist die Alternative - es gibt keine. Mario versucht sein Aprillia anzulassen - Blub - Blub - Blub ---> Nichts ! Entnervt setzt er sich in die Ecke. Jetzt bloß nicht noch eine Panne. Noch ein Versuch - Hurra sie läuft. Nix wie los !!

Gegen 9:00 geht es los. Verfahren uns erstmal bis wir endlich auf der Autobahn sind. Dort ist es die Hölle. Nicht nur, das es nach wie vor aus Eimern schüttet - der Wettergott hat auch windmäßig noch eine Kelle nachgelegt. Mehr als Tempo 120-130 ist nicht drin. Thomas wird auf seinem Leichtbaumotorrad hin und her bewegt. Er kämpft wie ein Löwe mit seinem Bike. Noch beschi... hat es Ahcim dessen 3-2-1 Sitzer mit Bodo als Sozius hoffnungslos überladen ist. Das Vorderrad scheint überhaupt keinen Kontakt zur Fahrbahn zu haben. Jede größere Windböe brings das Gespann ins Schlingern. Erst die Verstellung der Frontscheibe, was bei seiner Eck-Couch natürlich elektrisch geht, bringt Erleichterung.

Nach 100 km tanken und erstmal heiße Getränke zu uns nehmen. Es geht weiter durch Dänemark - immer mit Regen und Sturm. Als wir in Flensburg-Weiche ankommen bessert sich das Wetter zum Glück und man kann sogar ab und zu blauen Himmel sehen. Der Wind begleitet uns jedoch noch bis zu Hause. Wir verabschieden Bodo herzlich und es geht weiter.

Fahrn Fahrn Fahrn auf der Autobahn

Am letzten Rasthof vor dem Berliner Rings verabschieden wir uns auch von Ronald, der weiter bis Dresden fährt. Die restlichen 5 düsen weiter in Richtung Halle. An der Abfahrt Bitterfeld verabschieden wir den Hasen mit lautem Hupkonzert. Er besucht kurz seine Mutter in Bitterfeld und will dann noch bis nach München weiter - Alter Falter !!!! Gegen 01:20 soll er angeblich zu Hause gewesen sein - bei insgesamt gefahrenen 1265 Km an diesem Tag ("Deuschlanddurchquerung erfolgreich abgeschlossen!!!") - damit hat er bestimmt noch einen persönlichen Tagesrekord aufgestellt. Die Hallenser geben auf den letzten 50 km noch mal so richtig Gas und um 20:00 kommen wir in Wörmlitz an. Wir sind ziemlich geschafft - freuen uns aber schon auf den Empfang.

Das Carport von Thomas ist hergerichtet und Jens empfängt uns. Kurz darauf sind auch Dani und Kirsten da. Sie haben mehrere Pizzas vorbereitet. Köstlich! Danach holen wir ein Laptop raus und schauen uns gemeinsam die ersten Bilder der Tour an. Bier und Ramazotti lassen den Abend gemütlich ausklingen.

Am nächsten Morgen verabreden wir uns für 10:30 zum gemeinsamen Bike-Putzen bei einem Bierchen und Tourauswertungen.

Der Alltag hat uns spätestens am Montag wieder und spätestens da denken wir bereits alle an die Tour 2010. Vielleicht können wir dann auch wieder Biker Thomas aus Ravensburg sowie die Wörmlitzer Jens und Peter begrüßen.

Apropos 2010

Die Pyrenäen stehen zumindest in Halle ganz oben auf der Wunschliste !

Euer Opa Olaf

Während des Studiums hatte er übrigens den Spitznamen

"Der Elch"

Pascht Scho - Oddderrrr !!!!


Bilder Norwegen